Chris Murray zwischen Rentier-Rudolf und Schneegestöber: Jenseits von Weihnachtskitsch und Lamettaseligkeit

Musste das sein? Ja ! Wish you „A Very Murray Christmas“. 19 traditionelle und moderne Weihnachtslieder hat der Berliner Musicalheld auf seine neue CD gepackt.
 
Begnadete Stimme, breites Spektrum, konstante Bestleistungen: Chris Murray zählt zu den herausragendsten Protagonisten der deutschen Musicalszene.
Ob Eduard Ebels berühmter Schnee dann tatsächlich auch rieselt, und zwar leise, wird sich zeigen. Jedenfalls bimmelt und glöckerlt es ja bereits seit Wochen christfestmäßig an allen Ecken und Enden. Und kein Shopping-Tempel, der etwas auf sich hält, in dem der konsumsüchtige Kunde nicht entsprechend dauerberieselt wird. Da hat eine weitere CD mit Weihnachtsliedern, die gefühlte 1000. in der aktuellen Rudolf-Red-Noose-Saison, gerade noch gefehlt. Musste das wirklich sein? Chris Murray meint ja!
Und so hat sich Mr. Musical die Nikolausmütze aufgesetzt und ist ins Studio marschiert. Originalton: „Wenn nur eine Person da draußen einen besseren Tag hat oder einen kleinen Funken Weihnachtsfreude mehr verspürt, weil sie dieses Album gehört hat, dann hat es sich für mich gelohnt!“ Zitat Ende. Das lassen wir jetzt mal so stehen. Nun ist der umtriebige Tenor mit der Hammerstimme ja nicht gerade dafür bekannt, Durchschnittskost abzuliefern. Und das tut er auch bei seinem aktuellen Projekt nicht. Bezeichnender Titel: „A Very Murray Christmas“. Nomen es omen!
Natürlich reicht die Scheibe ob ihrer eng gefassten inhaltlichen Thematik nicht an die 2005 erschienenen und von Koen Shoots arrangierten fulminanten „Musical-Hits“ heran, mit denen sich der in Deutschland geborene Amerikaner mit dem schottischen Namen wochenlang an der Spitze der einschlägigen Charts gesonnt hatte. Und von der die Fans immer noch hoffen, dass es irgendwann mal einen adäquaten Nachschlag geben möge. Aber: „Murray Christmas“ sticht deutlich aus der Masse des meist zuckersüß klingenden Weihnachtskitsches in den Plattenläden heraus. Der Berliner hat sich, wie man das von ihm ja nicht anders gewohnt ist, auch dabei ziemlich ins Zeug gelegt und eben nicht nur seiner Routine vertraut. Dabei heraus gekommen ist ein mit 19 Tracks vollgepackter Silberling, der beim Hören richtig Spaß macht.
Es peppt und popt und swingt und witzelt, ohne dass die Besinnlichkeit auf der Strecke bleibt. Klassische, traditionelle deutsche und amerikanische Weihnachtssongs paaren sich mit solchen in modernerem Gewand und in den Credits tauchen u.a. Namen wie Irving Berlin, Rolf Zuchowski und Mel Tormé auf. Aber auch der von Chris Murray selbst. Mit „Just a Baby“ hat der Künstler auch eine eigene Komposition zum Gesamtpaket beigesteuert. Da ist das humorvolle "Grandma got run over by a reindeer “ oder, ein weiterer Anspiel-Tipp, „Rudolph, the red-nosed reindeer“. Es lebe die Vielseitigkeit und die Abwechslung. Die „Set-List“ bringt den Künstler zwar nicht an seine Grenzen, aber der Mann kann und darf zeigen, wie stilsicher und stimmlich souverän er sich in und zwischen den unterschiedlichsten Genres zu bewegen versteht.
Über allem liegt eine gewisse verspielte Leichtigkeit, die jedoch darüber hinwegtäuscht, dass hier, und zwar bei jedem einzelnen Song, intensivste Vokalarbeit geleistet wird. Also nichts von wegen „mal dünn drüber“. Murrays Anspruch an sich selbst erzwingt und rechtfertigt ein nicht gerade klein gefasstes Ausmaß an Aufwand und Ehrgeiz, was dem Ganzen natürlich zum Vorteil gereicht und ihm auch anzumerken bzw. anzuhören ist. Die Interpretationen sind zum Teil recht eigenwillig, und auch dieser Umstand macht das Projekt so spannend.
Die CD ist seit Anfang Dezember im Handel und kann unter anderem über Amazon und Sound of Music bezogen werden. Die Songs sind ebenso bei iTunes vorrätig.
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