10. X-Mas-Rocknight in Katzenfurt: Rap, Rock, Pop und Haribo mit groovigen Beats und treibenden Riffs

Rhythmus, Rap und Klampfe. V.l.n.r: Michel Sanya, Lil Night und Johannes Klein von "Black Rose Dying". (Foto: Detlef Krentscher)
 
Comeback: Nacht acht Jahren Bühnenabstinenz wagten sich „MUT“ mit neuer Sängerin (Miriam Krentscher, links) erstmals wieder aus der Deckung. Comeback geglückt. Leadsänger Thomas Fricke (Mitte) hatte seine alten Kumpels reaktiviert. (Foto: Detlef Krentscher)
Haribo-Thomas (Gottschalk) hat ja zu seinen Glanzzeiten bei „Wetten, dass...“ auch regelmäßig überzogen. Einmal, im Dezember 1996, sogar um 73 Minuten! Da fällt eine knappe halbe Stunde, die sich die X-Mas-Rocker in Katzenfurt zu weit aus dem Zeitfenster gelehnt hatten, kaum ins Gewicht. Gut, fünf Bands in fünf Stunden auf die Bühne und pünktlich wieder hinunter zu scheuchen, ist ja auch nicht ganz einfach. Ein Überzieher, und die ganze Timeline gerät ins Trudeln. Aber das darf man alles nicht so eng sehen.
Es war, taataaa, Jubiläum, die 10. weihnachtliche Rocknight, die die evangelische Jugend in dem Ehringshäuser Ortsteil organisiert hatte. Eine beliebte Konzertreihe für junge (und junggebliebene) Leute, die inzwischen schon so etwas wie Traditionscharakter für sich reklamieren kann. Und der Laden, das evangelische Gemeindehaus in der Sonnenstraße, war stattlich gefüllt, als Gemeindepädagoge Thomas Fricke als Maître de Plaisir einen quirligen, temperamentvollen Schwarzafrikaner ins Rampenlicht schickte. Der Kongolese Michel (Mutambala) Sanya ist seit 1997 als Sänger, Chorleiter, Komponist und Trommelstockschwinger in „Good, old Germany“ unterwegs und lieferte als von lokalen Kombattanten unterstützter Anheizer einen hervorragenden Job ab.
Und das taten in Folge auch die Jungs von „Identic Note“, einer Cover-Rock-Band aus Wetzlar, die zu lange im Geschäft sind, um nicht genau zu wissen, was das Publikum hören will. Daraus resultierten packende, mitunter auch eigenwillige Versionen bekannter Hits von gestern und heute. Dass sie nichts verlernt haben und ihr Handwerk nach wie vor beherrschen, das zu demonstrieren waren „MUT“ angetreten. Die Formation aus Wiesbaden zählte in den 90ern zu den angesagtesten Acts der christlichen Rockszene und wagte sich nach achtjähriger Abstinenz in Katzenfurt erstmals wieder aus der Deckung. Comeback geglückt!
Die Stärken der Combo liegen, von den ausgefeilten, ideenreichen, dichten Arrangements mal abgesehen, eindeutig in ihren treffenden, kritischen Songtexten, die seit ihrer Entstehung nichts an Aktualität eingebüßt haben. Insofern bestand Anlass genug, auch in Katzenfurt wieder die „Rote Karte“ zu zücken. Darin geht es um Intoleranz, Nazis und Ausländerhass. Eine fatale, unselige Melange, die ja heuer, hallo PEGIDA, erneut salonfähig zu werden scheint. Von der Ursprungsbesetzung hatte sich lediglich Sängerin Tanja Spindler entschuldigen lassen. In der jungen Miriam Krentscher fand sich ein mehr als adäquater Ersatz.
Texte, Worte und der pointierte Umgang mit selbigen sind auch die Ingredienzen, aus denen ein gewisser Ahmad Zahreddin seine Zutaten schöpft, um diese dann zu einer außergewöhnlichen, exquisiten Tellerfüllung zu verrühren. Sein für „Lil Night“ stehendes Namenskürzel „LK“ wird den meisten mehr sagen. Und der Herborner Rapper hat, seit er 2005 de 1. Lahn-Dill-Song-Contest dominierte, eine erstaunliche Entwicklung durch- und sich weit über die Grenzen seiner Heimatregion hinaus einen Namen gemacht. Natürlich ist der Knabe auch auf Youtube unterwegs. Anspiel-Tipp „Kennst Du mich noch?“: https://www.youtube.com/watch?v=xvki4T88_ZM „LK’s“ aktuelle CD trägt übrigens den Titel „Meine Stadt“.
In Katzenfurt trat der 25-Jährige mit einer erlesenen, aus lokalen Koryphäen rekrutierten Live-Band an, die seine überwiegend persönlichen, aus eigenem Erleben schöpfenden Lyrics mit groovigen, irgendwo zwischen Rock, Funk und Pop hin- und her lavierenden Beats garnierte.
Und dann gab es, zum phonstarken Kehraus, noch einige Hard- und Heavy-Riffs auf die Lauscher. Die Metal-Rocker von "Black Rose Dying" hatten sich lange in Geduld üben müssen, ehe sie ihre Gitarren dann doch noch in die Verstärkerbuchsen stöpseln konnten. Für diejenigen, die bis zum Schluss ausgeharrt hatten, dürfte sich das Warten gelohnt haben. Zu fortgeschrittener Stunde stemmten die fidelen Buben noch mal melodiöses, treibendes Schwermetall, wobei die Set-List selbst vor dem „Man in Black“ nicht Halt machte. Country-Legende Johnny Cash ließ grüßen. Johannes Kleins bestechende Akustik-Version von „Hurt“, das Cash 2002 ja auch nur gecovert hatte und eigentlich von Nine Inch Nails-Sänger Trent Reznor stammt, war das Sahnehäubchen auf der Mitternachts-Torte.
Und nachdem die verputzt ist, heißt es 2015 „Klappe, die Elfte“. Fortsetzung folgt. Gleiche Welle, gleiche Stelle. Aber eher nicht am 11.11., sondern ein paar Wochen später….
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