Heulen und Stiefelklappern: Schantals asynchroner Slow-Gait im Büro: Plädoyer für Filzpantoffeln am Arbeitsplatz

Auf dem hohen Absatz kehrt: Nervensägen wie Schantal-Gerlinde machen konzentriertes Arbeiten im Großraumbüro unmöglich. Schon eine einzige Tusse auf High-Heels kann die Stampede einer durchgeknallten Büffelherde akustisch locker in den Schatten stellen.
 
Eleganter und in einem angenehmeren Frequenzbereich als dem von Schantal-Gerlinde: Das von einer flüchtenden Elefantenherde herrührende Dröhnen ist leichter zu ertragen. als das permanente, mit Elementen des "Tennessee Walk Horsing“ angereicherte Stöckeln gewisser Bürodamen. (Foto: pixabay)
 
Der Street-Fighting-Man muss neu geschrieben werden: Das nervende Absatzklacken und –klicken der Kolleginnen weckt immenses Aggressionspotential. (Foto: Artemtation)
Jagger-Mick, der ungekrönte Gesichtsfaltenkönig des Rock 'n' Roll, hatte das Ganze bereits vor 46 Jahren thematisiert: "I hear the click-clack of your feet on the stairs…" heißt es in der ersten Textzeile von "Stray Cat Blues", verewigt auf dem 1968 erschienen Album "Baggers Banquet". Und dieses Klick-Klack klingt nach, bis heute - wenn auch in einem ganz anderen Kontext. Und das kann einem auch schon mal gewaltig auf den Zeiger und/oder anderes gehen! Irgendwie müsste da auch der „Street Fighting Man“ etwas umgeschrieben werden: Everywhere I hear the Sound of Schantals Steps down on the Ground…“ Da gibt es Kolleginnen, die stöckeln auf ihren grundsätzlich nagelbewehrten und Hartleder verstärkten Absätzen durch und über die Flure, dass es bis in die entzündeten Zahnwurzeln nachhallt. Besonders in hellhörigen, nach oben und unten hin nicht gedämmten Billig- Büro-Containern kann sich dieser Tack-Tack-Terror bis zur chronischen Psychose auswachsen. Seine Schweine erkennt das ausgeschlafene Bäuerchen schließlich an ihrem Gang…
Ob im Stakkato-Schritt zur Toilette, in die Kaffeeküche oder einfach zum Schwatz nach nebenan, es knallt und schallt Nerv tötend. Vor allem dann, wenn sich der Fußboden gegen jedwede Schwingung resistent zeigt und mit voller Unnachgiebigkeit dagegen hält. Man/frau kann das Echo durch gekonnte Gewichtsverlagerung noch verstärken, wenngleich dies aber eher der Optik geschuldet zu sein scheint. Die Ladies, zumindest einige, sind ja bis heute der felsenfesten Überzeugung, es sähe besonders aufreizend und sexy aus, wenn sie wie angestochene Erdhörnchen auf Chrystal Meth durch die Pampa kreiseln, Sidestep-Hüftschwung wie auf einem von Francesco Schettino gesteuerten krängenden Bananendampfer aus Burkina Faso bei Windstärke 10 inklusive.

Reonvaleszente Gesichts-Günter in Filzpantoffeln

Das haben sie sich irgendwann mal bei Heid Dumms Casting-Komödie "Germanys Next Toptrottel(ine)" abgeschaut, aber da irgendwie etwas falsch verstanden. Zumindest geht die Adaption meistens fürchterlich in die Hose bzw. den Rock. Ein derartiger, dem federleichten Schweben einer kompakten Rüttelplatte zum Verdichten asphaltierter Streuobstwiesen nicht unähnliche Stechmarschschritt könnte, andere Erklärungsvariante, in ihrer akustischen Inkarnation aber auch Kompetenz, Willenskraft und Zielstrebigkeit ausstrahlen sollen, aber das ist wieder eine andere Baustelle…
Und jetzt verstehe ich auch, warum das Pflegepersonal in Krankenhäusern und anderen medizinischen Versuchsanstalten dazu verdonnert ist, diese gummierten Clogs und Sandalen aus dem Haute-Couture-Labor von Birkenstock zu tragen. Unvorstellbar, wenn die Karbolmäuschen und -Mäuseriche alle auf High-Heels über die Klinik-Flure stöckeln würden. Da würde selbst der friedfertigste Turbo-Rekonvaleszent zum Stier und der Testosteron geschwängerte, feldverwebelte Gesichts-Günter aus Zimmer 44 a liefe Amok - auf Schlappen oder Filzpantoffeln.
Schon eine einzige mit den richtigen Gehwerkzeugen ausgestattete Tusse kann mit relativ geringem körperlichen Einsatz akustisch die Stampede einer durchgeknallten Büffelherde locker in den Schatten stellen. Ich spreche aus leidvoller Erfahrung. Das Großraumbüro tobt vor Begeisterung. Hallo, ich bin die Schantal-Gerlinde. Häääh? Was ist das überhaupt für ein Name??? Schantal-Gerlinde!! Da hätten damals selbst beim schläfrigsten Bürokraten-Penner im Einwohnermeldeamt alle Alarmglocken läuten müssen. Sonst ist dieser intellektuelle Tiefflieger nämlich viel kleinlicher und pendantischer. Mein Kumpel, ein passionierter Turnier-Florist (war schon mal deutscher Juniorenmeister in der Aufsteigerklasse für Nitrat-gedüngte Korbblütler) hatte sich mit seiner Namensvorschlag jedenfalls nicht durchsetzen können. Er hätte seinen Erstgeborenen gerne "Tulpen-Heini" getauft, was prompt und strikt abgelehnt wurde. Was er bis heute nicht verstehen kann. Denn es gibt doch andererseits auch den Namen Rose-Marie…. Und daran stört sich niemand.

Die kritische Masse beginnt unter dem Kinn

Absatz. Zurück zu selbigem. Also, gegen Schantal-Gerlinde ist ein marschierendes, ins Manöver ziehende Panzergrenadierbataillon der Appenzeller Special Forces ein Sch...Dreck. Die Jungs in Dreck-Oliv sehen zwar noch bescheuerter aus als die Kollegin, müffeln dafür aber (zumindest von Weitem) nicht so nach Chanel (No. 5). Und das mit der Gleichschritt, links, zwo, links zwo, haben die trabenden Alm-Öhis auch viel besser drauf. Schantal-Gerlinde hat eine Figur wie eine Hundehütte: In jeder Ecke einen Knochen. Die weiß sie aber unter einer kapitalen Isolier- und Dämmschicht gut zu verstecken. Anders ausgedrückt: Bei ihr beginnt die kritische Masse bereits unterhalb des Kinns. Wäre sie ein Auto, hätte es bestimmt schon längst eine Rückrufaktion gegeben. Neulich hat die Dame allen Ernstes in die Runde gefragt, ob wir sie zu dick fänden? Antwort: Och, jedes gute Stück Fleisch hat auch einen Fettrand….
Im Gegensatz zu Pferden, die über ein Repertoire von maximal fünf verschiedenen Gangarten verfügen (können), hat Chanel, nee, Schantal, nur eine drauf. Das ist eine krude Mischung aus "Slow Gait", gerissenem "Tölt" und gestoßenem "Rack", wobei die Übergänge zwischen den einzelnen Phasen aber nicht so fließend sind. Die Tempovarianz im oder zwischen Schritt und Galopp ist jedoch ziemlich hoch und dynamisch.

Abrupte Stopps in abstrakter Bruchdissonanz

Das Bewegungsmuster orientiert sich von seiner asyncronen Rhythmik her am vierphasigen Zweiertakt, beginnend mit einer diagonalen Zweibeinstützphase vorne links, an der sich dann eine laterale rechts anschließt. Wobei es durchaus auch noch Verschiebungen in der Fußfolge geben kann, was aber tagesformabhängig ist. Zudem ist die Dame stets bestrebt, zur Kadenzierung kurze, abrupte Stopps in ihre Bewegungsabläufe einbauen. Ein synkopiertes, jähes Innehalten an der Schwelle zur diametralen und eher abstrakt gehaltenen Bruchdissonanz.
Neuerdings versucht die Schnepfe, zusätzlich Elemente des "Tennessee Walk Horsing" zu integrieren. Diese Gangart beinhaltet neben einer viertaktigen Grundausauslegung auch akzentuierte Ausdruckselemente wie Kopfnicken und Zähneklicken. Das hat, zumindest aus kernevalistsicher Sicht, durchaus Stil, vor allem dann, wenn man/frau das zusätzlich noch mit dem Hokkaido-Tai-Chi entlehnten Fragmenten kombiniert. Das daraus resultierende Bewegungsvokabular ähnelt in seiner Summe jener Choreographie, mit der der Epileptiker überraschend (und unfreiwillig) den Breakdance-Wettbewerb in der Dorf-Disco gewonnen hatte. Dabei hatte er sich an der Theke nur eine Cola holen wollen….
Theorie-choreographisch hätten wir das jetzt unter den Füßen. Aber wenigstens schnaubt und wiehert Schantal-Gerlinde nicht. Das ist eher mein Part…
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2 Kommentare
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Johanna M. aus Stemwede | 29.11.2014 | 00:43  
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Jürgen Heimann aus Eschenburg | 29.11.2014 | 10:27  
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