Sternenkind mit Sternmotor: Holz vor der Hütte und 78 Jahre auf den Holmen – Eine Diva mit vielen Verehrern

Sternenkind trifft Sternmotor: Zwischen jugendlichem Charme und Luftfahrt-historischer Ästhetik. (Foto: Nine Alber-Photography)
Eigentlich hat sie sich ja ganz gut gehalten, wenngleich es, um so auszusehen, vor dem Ausgehen schon einiges an (nicht nur kosmetischer) Aufrüstzeit bedarf. Dennoch: Die scheinbar spurlos vorübergegangenen 78 Jahre sieht man ihr nicht an. Wir reden von der „Dame“ links, einer üppig ausgestatteten und in dezentem Silberton colorierten Brünetten mit mächtig Holz vor der Hütte. Da ist der Lack längst noch nicht ab. Die Lady hat, wen wundert’s, entsprechend viele Verehrer. Aber das macht ihre Lebensabschnittsgefährten und Versorger keineswegs eifersüchtig, im Gegenteil. Derer gibt es übrigens gleich zwei. Insofern handelt es sich bei dieser Beziehungskonstellation um eine Art Ménage-à-trois.
Flugzeuge sind im Deutschen generell weiblich, und deshalb ist diese(r) „Stieglitz“ auch kein ER, sondern eine „Sie“ – eine Focke-Wulf FW 44 J. Und d i e Maschine, Baujahr 1936, ist, obwohl sich das nicht mit verbrieften Dokumenten belegen lässt, wohl die älteste noch flugfähige ihrer Art weltweit. Aber das nur nebenbei. Friedrich Diehl und Thomas Holz, die beiden stolzen Eigner, investieren jede freie Minute, um die auf dem Siegerlandflughafen in Burbach Hof haltende Diva bei Laune zu halten. Der/die Doppeldecker dankt es, ohne zu Zicken mit konstant zuverlässiger Willigkeit. Er/Sie weiß sich im fliegenden „Sterntakt“-Altersheim auf der Lipper Höhe zudem in guter Gesellschaft. Hier gibt es nämlich noch viel andere fliegende Raritäten aus den Kinder- und Jugendjahren der Luftfahrt.
Für Fotografen ist das prächtige Exemplar ein Objekt stetiger Begierde. Auch für TV-und Werbeaufnahmen brezelt sich 7-Zylinder-Prinzessin schon mal auf. Dabei ist sie/er, um nur als Kulisse zu dienen, doch eigentlich viel zu schade… Julia nimmt sich deshalb da auch gerne zurück. Die Zahnarzthelferin mag den Charme, der durch die Streben weht, herüber gerettet aus einer längst vergangenen Zeit, als Fliegen noch und ausschließlich (echte) Handarbeit war. Das Parfüm, eine olfaktorischer Mix aus Benzin und Öl, umschmeichelt die Nasen von Pilot und Passagier, die, schutzlos den Elementen ausgesetzt, wie Anno-Batsch üblich im Freien sitzen. Für eine solche himmlische Exkursion wäre die hübsche junge Frau textilmäßig allerdings etwas untermotorisiert…
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