Petri geil! Dicke Brüste, fette Fische: Angler sehen im Karpfen ein „hocherotisches“ Objekt

Angler-Fantasien: So etwas würde mancher Würmerbader gerne mal am Haken haben. Da ist die Rute bis zum Sollbruch gespannt… Petri geil! (Foto: Screenshot)
 
Der stattliche Karpfen fühlt sich in dieser Umgebung sicher wie ein toller Hecht – und bekommt Schnappatmung. (Foto: Screenshot)
 
Das Foto-Shooting für den „erotischen“ Karpfenkalender fand an einem Gewässer in Frankreich statt. Der Fisch schaut aus, als wäre ihm zum Kotzen. (Foto: Screenshot)
 
So richtig glücklich blickt der kapitale Fang jetzt nicht gerade aus den Schuppen. Der Regie-Assistent versucht ihm das richtige Posing beizubringen. (Foto: Screenshot)
Wenden wir unseren lüsternen Blick mal einen Moment vom "Aufreger der Woche", dem "Eros"-Almanach der germanischen Jäger- und Fallensteller, ab. Es geht immer noch einen Tick krasser. Ist dieser vermeintlich "Erotische Jagdkalender" schon unter aller Wildsau, gibt es bei den Kollegen der Würmer badenden Zunft etwas Ähnliches – und das schon seit einigen Jahren: den "Carponizer Karpfenkalender". Kein Witz! Einen solchen hatten sich feuchten Spielen im Wasser nicht abgeneigte Petri-Jünger bereits 2014 an die Wand gehängt. Und taten es dieses Jahr wieder. Für 2016 ist der Begleiter durchs Anglerjahr bereits im Handel erhältlich. Auch der nach dem sattsam bekannten Schema F gestrickt: Große Brüste, dicke Fische. (Viel) nackte Haut und Beutetiere „einvernehmlich“ Seite an Seite im Bild vereint. Und da kann sich der Betrachter dann aussuchen, wen er lieber am krummen Haken hätte. Petri geil!!!
Da bekommt die Redewendung "Weder Fisch noch Fleisch" eine ganz neue Bedeutungsschwere. Hier muss es deshalb folgerichtig heißen: "sowohl als auch". Es geht um Größe und (Bett-)Schwere. Barbusige Grazien knuddeln mit kapitalen Schuppentieren. Da schnappen nicht nur letztere nach Luft. Und beide sehen drein wie der sprichwörtliche Fisch auf dem Trockenen.
Aber die Macher des epochalen Machwerks versichern treuherzig: "Während des Foto-Shootings haben wir größten Wert auf das Wohlsein der Karpfen und der netten Frauen gelegt". Haha. Wenigstens wollen die uns nicht auf die Schwanzflosse malen, sie hätten die tierischen Models nach der Session beider Bahnhofsmission in Pflege gegeben. Die zweibeinigen, sowohl die mit dünnen, als auch die mit dicken Gräten, durften sich wieder anziehen, die Flossentiere wanderten vermutlich an jenen Ort, der ihnen nun mal vom Schicksal vorherbestimmt ist: in den Kochtopf. Ganz sicher taten sie das. Aber im Begleittext liest sich das natürlich ganz anders. Während der Aufnahmen hätten zwei impotente, nee, stopp, zwei kompetente Betreuer für das Wohlergehen der schuppigen Hauptakteure gesorgt. Und danach? Vermutlich verfügte jedes Monats-Glubschtier auch noch über eine eigene Garderobe mit Stylistin...Beim Foto-Shooting soll es auch ziemlich schlüpfrig zugegangen sein. Daran waren aber die Karpfen schuld. Sie fühlen sich an wie ein mit Öl eingeschmierter japanischer Sumo-Ringer. Der Verbrauch an Zewa-Wisch-und-Wegs war entsprechend. Immer wieder mussten die Damen von Schleim, Glibber und Schuppen gereinigt werden.

Schleimig, glitschig, unterirdisch

Sie sehen fast alle gleich aus: Der Kopf ist langgestreckt und kegelförmig, die Augen sind klein. Der Mund lässt sich zu einem Rüssel ausstülpen. Die Zähne am Kiefer fehlen, seitlich an der Oberlippe befinden sich zwei Paar Barteln, von denen das vordere Paar kürzer ist. Wahre Schönheit liegt halt immer im Auge des Betrachters. Aber um Missverständnissen vorzubeugen: Wir reden hier nicht von den Girls, sondern von ihren schleimig-glitschigen Accessoires, die, so gucken sie drein, unter Schnappatmung leiden. Aber das liegt vermutlich nicht an den atemberaubenden Schönheiten. Mit denen sie sich die Aufmerksamkeit des Betrachters teilen (müssen). Es ist nicht so, dass einem beim Betrachten dieser Ästhetik-Olympiade das Wasser im Munde zusammen läuft – oder der Geifer aus den Mundwinkeln tropft. Eigentlich sind es ganz banale Aufnahmen, fernab jedweden künstlerischen Anspruchs. Dralle und wenige dralle Weiber halten ebenso dralle "Milchner" (so nennt man die Herren der Schöpfung unter dieser Art von Speisefisch) in die Kamera – tragen sie quasi auf Händen. Es muss der Himmel auf Erden sein – oder die Hölle am Ufer – also für die Fische. Und sie versuchen betörend und lasziv drein zu blicken – die Damen. Gelingt nicht immer. Aber der gute Wille zählt schließlich.
Natürlich stellt sich hier früher oder später (aber eher früher) die Sinnfrage. Was soll das? Hinter dem Projekt steht der Betreiber eines Shops für Anglerzubehör in (Be-)Clopp(t)enburg.Was nicht alles, aber einiges erklärt. Als PR-Gag vielleicht noch nicht mal soooo schlecht, aber…. Ich male mir gerade aus, was der junge Mann für einen Kalender veröffentlichen würde, wäre er Betreiber einer Pommesbude für Praktisch Bildbare.

Der Praktiker greift zur Spaxschraube

Wer bitteschön hängt sich so etwas „Hocherotisches“ an die Wand?? Karl Kescher (Namen von der Redaktion geändert) hat es zumindest versucht: "Als ich den Kalender an die Wand meines Angelzeltes nageln wollte, erwies sich das doch als sehr schwierig. Entweder hielt der Nagel nicht oder er behielt seine Position in der Zeltwand nicht. Somit ist mein nagelneuer Kalender leider mehrfach auf den matschigen Boden gefallen. Ein solch hochwertiges Erzeugnis sollte auf Wasser- und Schmutz abweisenden Material bedruckt werden. Mit einer 8er Spaxschraube konnte ich das Teil dann aber durch die Zeltwand hindurch am nächsten Baum befestigen". Da schlug, wie man liest, der Praktiker voll durch.
Nachzulesen auf amazon.de.Natürlich hat der Versand-Multi das Produkt ebenfalls im Angebot und bewirbt es folgendermaßen: „Der Kalender ist ein echtes Must have für jeden leidenschaftlichen Angler und Fischliebhaber. Die erotischen Momente werden im Karpfenkalender 2016 ästhetisch und kunstvoll in Szene gesetzt und verleihen nicht nur dem Anglerzelt einen besonderen Reiz“. Da hat der Werbetexter wohl etwas zu ausgiebig an diversen Toilettensteinen gelutscht. Aber die Kundenrezensionen sind mit Abstand das Beste daran. Sie belegen, dass es zumindest Menschen gibt, die die Sinnfreiheit und die Absurdität dieses Projektes zu würdigen wissen.

Als Gratis-Zugabe zum Anti-Schuppen-Shampoo

Gut, dass „Forellen-Fred“ jetzt von einem "Meisterwerk" spricht, ist ein übler Ausrutscher. Da war der Rand des Angelgewässers doch offenbar etwas glitschig. „Aal-Arno 0815“ bemängelt, die Karpfen würden etwas lustlos wirken, was vor allem auf "Jean Jacques", den Titelmänne des Monats Oktober, zuträfe. Dessen Gesichtsausdruck sei an Emotionslosigkeit nicht mehr zu unterbieten. Das gilt aber nicht für alle. "Madeleine", eine der wenigen Rogner unter den abgebildeten Geschuppten – "Rogner" heißen bei Familie Fisch die Vertreterinnen des schwachen Geschlechts – , macht da eine rühmliche Ausnahme. Der rote Kussmund aus der Ferrero-Werbung ist ein Sch..Dreck dagegen. Aber vielleicht hatte Madeleine in dem Augenblick, als der Fotograf drauf drückte, auch nur unter Atemnot gelitten. „Saibling-Siggi“ hätte gerne auch noch die ein oder andere Unterwasseraufnahme dabei gehabt, während sich „Lachs-Lars“ sich als treuer Kalender-Abonnent im 96. Lebensjahr outet. Die Ausgabe 1978 hänge immer noch in seiner Gästetoilette und sei noch kein Stück vergilbt. Ein Beweis für die Qualität des verwendeten Materials. „Hecht-Horst“ will den Kalender als Gratiszugabe zu einer Lieferung Anti-Schuppen-Shampoo erhalten haben, „Wels-Werner“ empfiehlt, ihn so anzubringen, dass er für die Haus-Katze unerreichbar ist. Seine Muschi hätte das Ding, weil die Darstellungen so realistisch seien, schon zweimal von der Wand gekratzt. Angenehm wäre aber, dass es dennoch zu keiner Geruchsbelästigung käme. Die Macher hätten es schön hinbekommen, dass der Fischgestank nahezu komplett entfalle.
Und „Buntbarsch-Bernd“, ein unverbesserlicher Romantiker, stellt fest: "Einige der Bilder sind wie aus dem Leben gegriffen. Wir alle haben das ja schon erfahren und genießen dürfen: Man ist alleine mit einer hübschen Frau auf einem Boot, ein romantisches Date zu zweit. Und dann überkommt es einen und der Trieb, die (Angel-)Rute heraus zu holen, wird übermächtig. Und da die Frau nur ein schickes Abendkleid an hat, zieht sie sich komplett aus und assistiert willig bei der Fischbergung".„Dorsch-Detlev“ schlägt in die gleiche Kerbe: "Wer kennt das nicht: Man steht beim Fischfachgeschäft in der Schlange und schon träumt man sich an einen stillen, malerischen See. Dort wartet eine sexy Frau mit sehnsuchtsvollem Blick und hält für Dich einen dicken Karpfen in den Händen".

Kritik von „Flunder-Fritz“ und „Grundel-Günther“

„Bachschmerlen-Bodo“ hingegen sieht es profaner und realistischer: "Ich habe mir den Kalender gekauft, weil mir diese einzigartige Kombination aus teils dünner Frau und dickem Fisch doch zusagte. Umgekehrt wäre der Preis schwer zu rechtfertigen". „Flunder-Fritz“ und „Grundel-Günther“ haben beide einen (Angel-)Haken an der Sache gefunden: Der Monat März fehle komplett. Dafür komme der August doppelt vor und der November gar nicht. Aber in diesem Monat angelt man in unseren Breiten normalerweise ja auch nicht mehr – zumindest keine Fische. Und wenn doch, dann allenfalls die im Aquarium – um das Becken zu reinigen.
„Barben-Bruno XL“ sieht das Ganze mehr von der soziologischen und tiefenpsychologischen Seite: "Der Kalender stellt die bewegende Geschichte gebrochener Frauenseelen dar, ihre schwere Kindheit auf einer Schule für Hochbegabte. Er ist der Versuch, durch Suffocation von Lebewesen auf Unterdrückung und Ausbeutung der Arbeiterklasse aufmerksam zu machen". Wenn das der olle Marx-Karl noch lesen könnte…Oder Rosi Luxembourg. Mit dem Begriff "Suffucation" ist jetzt aber nicht die gleichnamige Death-Metal-Band aus New York gemeint.
Barben-B. weiter: "Die scheinbar plakative Zurschaustellung unserer beflossten Freunde, die für diese Art-Performance ihre Seele ausgehaucht haben, steht dabei exemplarisch und sinnbildlich für die Liebe des Menschen zu allen Lebewesen und ihre innige Verbundenheit zur Natur. Gleichsam wird durch das Angleichen des Gesichtsausdrucks der weiblichen Zweibeiner(innen) an den kapitalen Karpfen eine speziesübergreifende Solidarität erzeugt. Diese gelebte Solidarität wurde übrigens (für den Laien kaum sichtbar) nochmals dadurch akzentuiert, indem ausschließlich Damen mit starkem Schuppenbefall ausgewählt wurden, welcher den auf den Fotos gezeigten schuppigen Freunden ähnelt!" Tataa!!

Ein Räucherapparat als Piercing an der Backe

Das ist natürlich (stellenweise) ironisch gemeint – glaube ich zumindest. Oder? Vor allem, was die emotional so enge Bindung der Angler mit der Natur als solcher und mit ihrer Beute im Besonderen angeht. Die haben sie ja mit den Jägern gemein. 3,3 Millionen Petri-Fans gibt es deutschlandweit, die ihre mehr oder weniger krummen Ruten mehr oder weniger regelmäßig schwingen bzw. baumeln lassen. Und wenn deren Kollegen im Geiste, also die Jäger, schon einen Lattenschuss haben, dann tragen die Käscher-Athleten selbst mal vorneweg einen Räucherapparat als Piercing an der Backe. Kann aber auch ein eloxierter, solarbetriebener Bissanzeiger, eine in die Zunge implantierte Madenschleuder oder ein als Ohrstecker gedachter Kunstköder aus Nirosta sein. Während die grün berockten Lodenmantler über fünf Millionen Wildtiere pro Jahr in die ewigen Jagdgründe befördern, (Hunde und Katzen mitgerechnet), liegt das, was die Beutegreifer vom Uferrand an Land ziehen, im satten dreistelligen Millionenbereich. Und nicht immer ist es der blanke Hunger, der sie treibt…

Nächstes Jahr gibt’s den Sexy-Fischstäbchen-Kalender

Fischst-Ein letzte Kundenbewertung, diesmal von „Neunaugen-Norbert sen.“: Dieser künstlerisch wertvolle und ambitionierte Karpfen-Almanach lässt alle Männerherzen höher schlagen und ist einfach nicht zu überbieten". Ist er doch! Nächstes Jahr gibt es den "Erotischen Fischstäbchen-Kalender - präsentiert von Fisherman's Friend und den Nordseekrabbenfischern aus Amrum.
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 25.10.2015 | 18:45  
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Heike L. aus Springe | 25.10.2015 | 20:40  
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Gaby Floer aus Garbsen | 27.10.2015 | 07:55  
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