20.000 Besucher sahen „heiße“ Show: Grandiose Flugmanöver und brillante Acro-Acts unter sengender Sonne

Nein, keine Angst: Das sieht nur als aus als ob… Kein Crash in der Luft! Zwischen den „Colibris“ der „Patrulla ASPA“ ist immer noch genügend Sicherheitsabstand. Auch wenn das vom Boden aus nicht danach aussieht. (Foto: Elfi Jung)
 
„Hirschkuh“ mit Durchfall: Die MIL-MI 24 der Tschechischen Luftwaffe untermalt ihre Vorführung mir orangfarbenem Rauch. Der Lufthansa-Airbus über dem mächtigen Helikopter hatte allerdings nichts mit der Airshow zu tun. (Foto: Werner Schmäing)
 
Walter Eichhorn mit „brennendem Kittel“. Die Show der Bad Camberger Fliegerlegende mit seiner guten alten T6, von der sich der Pilot nicht trennen kann, war eine von vielen Höhepunkten des Flugtages. (Foto: Werner Schmäing)
Keine Frage: Das war ein Großflugtag nach Maß! Besser geht nicht. Und er verlief ohne Zwischenfälle – von zahlreichen Wespenstichen und den hitzebedingten Kreislaufproblemen vieler Besucher einmal abgesehen. Bei Temperaturen weit jenseits der 30-Grad-Marke sahen die Zaungäste ein Aero-Programm vom Allerfeinsten. 20.000 mögen es an beiden Veranstaltungstagen locker gewesen sein. Die Luftfahrt zeigte sich von ihrer schönsten und spannendsten Seite. Erst, am Samstag, fing es ganz langsam an, aber dann….
Die ersten Teilnehmer der größten zivil veranstalteten Airshow Deutschlands waren bereits am Donnerstag eingeschwebt, so beispielsweise die mit Spannung erwartete spanische Hubschrauber-Kunstflugstaffel, die „Patrulla ASPA“. Die Heli-Künstler von der iberischen Halbinsel sollten in Folge alle in sie gesetzten Erwartungen weit übertreffen und am Sonntag, dem „Hauptkampftag“, für ein grandioses Finale sorgen. Brandender Szenenapplaus und La-Ola-Wellen für Luftnummern, die an Kreativität, Präzision und fliegerischem Können nichts zu wünschen übrige ließen, aber auch gar nichts. Vergleichbares hat man in und über Deutschland noch nie gesehen!

Spitzenpiloten aus vielen Ländern am Start


Aber nicht nur die Spanier, sondern auch die vielen anderen Spitzenpiloten aus dem international besetzten Teilnehmerfeld sorgten mit ihren Zaubereien am Westerwald-Himmel für magische Momente. Die Teilnehmer kamen aus vielen Ländern der Erde, aus Großbritannien, Spanien, Tschechien, Frankreich, Holland, Belgien, den USA und aus Kanada. Doch es gab keine Verständigungsschwierigkeiten. Schließlich ging es hier um die schönsten (Neben-)Sache der Welt geht, das Fliegen.
Der Sonntagnachmittag gönnte Aktiven wie Zuschauern keine Atempause. Es ging, minutiös getaktet, Schlag auf Schlag. Keine (Durch-)Hänger, kein Leerlauf. Fast fünfeinhalb Stunden lang non-stop. Die LSG Breitscheid weiß schließlich aus jahrzehntelanger Erfahrung, wie man ein solches Großereignis aufzieht und abwickelt. Vorsitzender Andreas Lange und seine Kollegen – vor und hinter den Kulissen sorgten über 400 Helfer für einen reibungslosen Ablauf – zeigten sich dem Ansturm der Massen gewachsen. Sie waren vorbereitet und entsprechend „gebrieft“.

Gut drauf und von der Sympathie der Massen beflügelt

Solisten und Staffeln gaben alles. Man merkte den von der Sympathie der Menge beflügelten Piloten den Spaß an der Freude an. Es waren überwiegend Profis, also Luftfahrer, die das, was sie hier an aeronautischen Kabinettstückchen zeigten, hauptberuflich betreiben.
Viel bestaunt die inzwischen durch und durch friedlichen „Warbirds“, ehemalige Jagdflugzeuge aus dem zweiten Weltkrieg. Da konnten die Organisatoren mit einer „Spitfire“ und einer P-51 „Mustang“ gleich zwei kapitale Boliden aus der „Heavy-Metal-Fraktion“ ins Rennen schicken. Ursprünglich hatten es drei sein sollen. Doch die „Hurricane“ hatte kurzfristig wegen Unpässlichkeit, einem defekten Fahrwerk, absagen müssen. Dafür war kurzfristig eine imposante YAK-11 eingesprungen, pardon, eingeflogen. Was für einen Anblick diese Legenden boten! Und was für ein Sound, wenn die Motoren dieser hochgezüchteten Ex-Fighter dröhnten und röhrten! Der ging durch Mark und Bein. Vor allem dann, wenn sie, wie im Falle „Spitfire“ und „Mustang“, im Doppelpack, Fläche an Fläche, durch den Himmel jagten. Da stellten sich nicht wenigen Zuschauern die Nackenhärchen auf.
Vater und Sohn Walter und Toni Eichhorn aus Bad Camberg entlockten den Zuschauern mit ihren rasanten Kunststückchen immer wieder Ahh- und Oh-Rufe, sowohl im Verband, als auch als Solisten. Während Michael Göst Heimvorteil geltend machte und spannende Nachhilfe in der hohen Schule des Segelkunstflugs erteilte. Die „Red Devils“ aus Belgien, mit ihren Siai SF-260 Marchetti-Trainern normalerweise als Quartett unterwegs, erwiesen sich auch als Trio als (Welt-)Klasse für sich. (Ihre Nummer 4 hatte sich beim Fußballspielen die Haxen verbogen und fällt die komplette Saison aus). Aber es ging auch etwas kleiner… Und die Patrouille „Cartuche Doré“, die Aushängeschilder der ARMEE DE L'AIR, ist dahingehend sowieso jenseits von Gut und Böse. Die drei Ausnahme-Piloten sorgten mit ihrer atemberaubend-synchronen Formationskunstflug-Kür für echtes Gänsehaut-Feeling.

Fliegende Hirschkuh und eingemischtes Doppel

Und da war noch eine fliegende „Hirschkuh“. Nichts anderes bedeutet die Zusatzbezeichnung „Hind“ der Mil-Mi 24. Das ist ein einem riesigen, giftigen Insekt nicht ganz unähnlicher Kampfhubschrauber aus russische Produktion, den die Tschechische Luftwaffe auf die „Hub“ entsandt hatte. Die Besatzung des „Monstrums“ hatte einen guten Tag erwischt und reizte das Leistungsspektrum ihrer gigantischen „Mühle“ voll aus. Etwas anders gestrickt, das, was Ralf „Macho“ und Nico Niebergall, das zweite Vater-Sohn-Gespann des Tages, aufzubieten hatten. Die Beiden servierten Formationsflug der anderen Art. Der Senior am Steuerknüppel einer richtigen SF-260, der Junior an der Fernsteuerung eines maßstabgerechten Modellnachbaus.
Immer wieder zog das mit Passagieren vollbesetzte und vom benachbarten Siegerlandflughafen aus gestartete „Catalina“-Flugboot seine majestätischen Kreise über dem Platz, während sich auch die Twin-Beech aus dem Kinofilm „Captain America“ als ein echter Hingucker erwies. Pilotiert wurde die silberglänzende Zwei-Mot übrigens von Carlo Ferrari aus der Schweiz, der diese auch schon in dem cinematischen Blockbuster gesteuert hatte. Ein Hingucker war, wenn auch am Boden verbleibend, die „Transall“ des Lufttransportgeschwaders 61 sowieso. Genauso dicht umlagert die Westland „Sea Lynx“ des Marinefliegergeschwaders 5, ein bordgestützter Helikopter, der u.a. auch zur U-Boot-Jagd eingesetzt wird. Aber damit war der Aufmarsch an Drehflüglern noch lange nicht erschöpft. Bell 206 Jet Ranger, die die Bell-UH 1D des Such- und Rettungsdienstes der Bundeswehr, auch „Teppichklopfer“ genannt, „Christoph 25“, eine EC 135, oder die „Super-Puma“ des Bundesgrenzschutzes waren weitere Vertreter aus der rotierenden Familie.
Für das i-Tüpfelchen der Show zu sorgen war den spanischen „Headbangern“ von der „Patrulla ASPA“ vorbehalten. Deren grandiose Hubschrauber-Formations- und Kunstflugschau, Loopings inklusive, wird noch lange nachwirken. Ein spektakulärer Abschluss eines ereignisreichen Tages, der keine Wünsche offen ließ.
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