2. Nürnberger Demographieforum am 20.01.2010

Nürnberg: Historischer Rathaussaal | 2. Nürnberger Demographieforum am 20.01.2010

Zur Gestaltung einer alternden Stadtgesellschaft

Der ehrwürdige große Rathssaal der früheren freien Reichstadt Nürnberg bildete die Kulisse für das 2. Nürnberger Demographieforum, zu dem die Stadt Nürnberg und hier explizit das Seniorenamt eingeladen hatte. Bereits im Grußwort des zuständigen Sozialreferenten Herrn Reiner Prölß ließ sich herauslesen, dass die Kommunen im Allgemeinen und Nürnberg im Besonderen vor einer Gratwanderungen stehen. Da ist zum einen das sich abzeichnende lokale Haushaltsdefitit im Bereich von 80 Millionen Euro und zum anderen die Notwendigkeit auf eine wachsende älter werdende Stadtbevölkerung angemessen und vorausschauend im Sinne von Daseinsvorsorge zu reagieren.

Auch im Vortrag des ersten Referenten Herrn Prof. Dr. Gerhard Naegele wurde die zentrale Rolle der Kommunen als unmittelbarer Ort des Geschehens bei der Bewältigung der demographischen Entwicklung schnell deutlich. Dabei ließ sich erkennen, dass die anstehenden Probleme nicht nur in der sachlichen Zuständigkeit eines Seniorenamtes zu sehen sind, sondern sich vielmehr als Querschnittsthema durch alle Bereiche kommunaler Zuständigkeit ziehen. Prof. Naegele forderte u.a. neue Altersbilder zur Erweiterung früherer Fixierungen und Betrachtungsweisen. Gleichzeitig warnte er aber auch vor einer Interpretation des Alters, die einzig die Möglichkeiten und Chancen der oberen Mittelschicht und darüber widerspiegelt.

Weitere Referenten hoben die positiven sozialen Teilhabe- und Engagementpotentiale der Bevölkerung hervor, welche jedoch großenteils wiedergeweckt und neubelebt werden müssten. Diese Kräfte haben ihre größte Stärke in überschaubaren Gebiete einzelner Stadtteile, die den handelnden bekannt und vertraut sind. Vor allem in ihrem „Kietz“ haben Bürger die größte Chance ihre Kompetenzen stabilisierend und ausgleichend einzubringen. Dazu sind aber auch Räume der Begegnung erforderlich, um ein Neues miteinander zu reaktivieren. Falsches Sparen an diesen Dächern des Zusammenkommens würde vorhandene Chancen vorzeitig zunichte machen.

Die demographische Entwicklung in Deutschland ist vor allem ein Thema der Abwanderung aus dem ländlichen Raum in Städte und Ballungsgebiete. Eine wachsende Urbaniserung zeichnet sich ab. Die Bevölkerung wird sich zudem durch immer mehr Menschen mit Migrationshintergrund auch in den älteren Altersstufen auszeichnen. In den Referaten waren Zahlen jenseits von 30 Prozent genannt.

Den Abschluss der Veranstaltung über nahm Herr Dieter Sembritzki vom Seniorenbüro Schwerin. Auch wenn er sich selbst als SeniorenTrainer auswies, so ist er selbst längst im „Unruhestand“. Herr Sembritzki stellte ein Seniorenprojekt vor, das ohne Vorgabe von außen alleine durch freiwillige Mitarbeiter im Seniorenbüro Schwerin ausgearbeitet und umgesetzt wurde. Ziel war es, den Zustand und die Kundenorientierung Schweriner Geschäfte im Sinne von Seniorenfreundlichkeit zu testen. Wer mit Bravour abschneiden kann, erhält für 2 Jahre ein Zertifikat mit dem Titel „Seniorenfreundlicher Service“. Abgeprüft wird nach einem langen Kriterienkatalog, den man zuvor selbst ausgearbeitet hatte. Mittlerweile ist dieses Zertifikat sehr begehrt, da es durch seine Bekanntheit in Schwerin den Umsatz deutlich steigert.

Das Interesse an der Veranstaltung war groß. Auch nach einer Mittagspause waren die Reihen noch gut gefüllt. Da die Veranstaltung ohne Eintritt für jeden Besucher offen stand, bildeten Fach- und Verwaltungskräfte, Politiker und interessierte Senioren eine bunte Zuhörerkulisse und entsprachen damit dem Motto der Tagung: „Grau ist bunt“ - Chancen einer älter werdenden Stadtgesellschaft.“

Herbert Blank
Seniorenbüro Erlangen

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