Privatkunden sollen Stromkosten-Rabatt für Großkonzerne übernehmen

Stellen Sie sich vor, Sie verbrauchen Strom und müssen dafür nichts bezahlen. Es kann auch so richtig viel Strom sein, den Sie verbrauchen. Selbst, wenn sie den ganzen Abend in Ihrer Wohnung oder Ihrem Haus jedes Zimmer mit einer Festbeleuchtung versehen, zahlen Sie keinen Eurocent. Das wäre doch schön, nicht wahr?

Stellen Sie sich weiter vor, diese Nichtzahlung wäre kein Versehen Ihres Stromanbieters oder Ihrer Bank, sondern ein Geschenk der Bundesregierung. Dann müssen Sie sich noch vorstellen, dass die Einnahmeverluste, die die Stromunternehmen dadurch haben, durch andere beglichen werden.

Sie glauben, so etwas gibt es nicht? Doch, doch, so etwas gibt es. Allerdings nicht für Sie und mich als private Verbraucher – da muss ich Sie jetzt enttäuschen. Aber für die Großindustrie, da gibt es so etwas bald. Denn unbemerkt von der Öffentlichkeit plant die Bundesregierung offensichtlich, Industriebetriebe mit hohem Stromverbrauch von den Netzgebühren zu befreien. Wobei „plant die Bundesregierung offensichtlich“ noch untertrieben ist, denn das Gesetz soll schon im Sommer dieses Jahres im Zuge des Atomausstiegs verabschiedet worden sein – hat nur keiner gemerkt.

Demnach sollen alle Unternehmen, die 10 Millionen Kilowattstunden oder mehr jährlich verbrauchen, davon profitieren. Sie zahlen nämlich keinerlei Netzentgelte mehr – das sind immerhin mehrere hundert Firmen. Den Stromanbietern würden dann 1,1 Milliarden Euro allein im kommenden Jahr fehlen. Das sehen die natürlich nicht ein und holen sich diese Gebühren auf die einfachste Art wieder, indem sie diese auf die Stromkosten der Privathaushalte umlegen.

Dadurch erhöhen sich die Netzentgelte für private Verbraucher um durchschnittlich 0,75 Cent brutto für jede Kilowattstunde – macht für einen Drei-Personen-Haushalt 26 Euro im Jahr mehr. Kommen Sie jetzt bitte nicht auf die Idee, ab 2012 noch mehr Strom sparen zu wollen, denn dann werden Sie zusätzlich zur Kasse gebeten. Die Idiotie dieses Geschenks an die Großkonzerne führt dazu, dass diejenigen, die am wenigsten verbrauchen, in Zukunft die höchsten Stromkosten haben werden.

Es ist schon erstaunlich, mit welcher Dreistigkeit die Bundesregierung es immer wieder schafft, die Bürger über den Tisch zu ziehen und die Lobbyisten der Großkonzerne zu begünstigen. Bürgernahe Politik scheine ich anders zu deuten als unsere Regierung.

Und wo wir schon einmal bei Strompreissteigerungen sind, können wir ja auch weitermachen, denn das Ende der Fahnenstange ist noch lange nicht erreicht. Der deutsche EU-Kommissar Günther Oettinger schätzt nämlich, dass die Umstellung der europäischen Energieversorgung auf eine möglichst CO²-arme Produktion die Strompreise noch für die nächsten zwanzig Jahre ansteigen lässt. Erst danach könne man an eine Stabilisierung oder sogar Senkung der Preise denken. Na, da haben wir in zwanzig Jahren ja etwas, auf das wir uns freuen können.

Ich möchte nicht verschweigen, dass nicht nur private Verbraucher die Gelackmeierten sind, sondern auch viele mittelständische Unternehmen unter dem großzügigen Geschenk an die Großindustrie zu leiden haben. Denn es wird geschätzt, dass diese Firmen mit rund 60000 Euro pro Jahr zusätzlich belastet werden.

Es müsste doch seitens der EU eine Möglichkeit geben, diese einseitige Bevorzugung der Großkonzerne zu verbieten. Denn wozu gibt es da eine Wettbewerbskommission?



Nachrichtenquellen:
http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/0/0,3672,84198...
http://www.merkur-online.de/lokales/stadt-muenchen...

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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen am 12.12.2011 um 18:56 Uhr  
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