Germanwings-Flugzeugabsturz: Hetzkampagne der Presse

Die Berichterstattung über den Absturz des Germanwings-Airbusses hat eine Dimension erreicht, die ich nicht nur unglaublich, sondern empörend finde.


In Null-Komma-Nichts wurde der Co-Pilot als Verursacher ausgemacht und die Hetzkampagne konnte beginnen. Ohne Rücksicht auf die Familie des Opfers (denn auch der Co-Pilot ist ein Opfer) wurde sein voller Name und Fotos sowie seine vermeintliche Krankengeschichte veröffentlicht, sowohl sein Elternhaus als auch sein Wohnhaus belagert, Nachbarn und Bekannte von der Presse ausgefragt.


In übelster Manier wird wüst spekuliert und ein Mensch, der sich nicht mehr dazu äußern kann, als Verantwortlicher für den Tod von 150 Menschen an den Pranger gestellt. Dabei ermittelt die französische Staatsanwalt nach wie vor auch, ob technische Ursachen der Grund für den Absturz sein könnten. Mit seriösem Journalismus hat das nichts mehr zu tun.


Warum fragt sich eigentlich kein Journalist, warum es am Unglücksort so aussieht, wie es aussieht? Das Flugzeug und die Passagiere sind ja regelrecht pulverisiert worden. Kann das wirklich bei einem Flugzeugaufprall auf einen Berg passieren? Ich habe mir im Internet etliche Fotos von abgestürzten Flugzeugen angesehen – keines davon ist so zerkleinert worden wie die jetzt abgestürzte Germanwings-Maschine.


Warum recherchiert kein Journalist, ob nicht doch ein Notruf abgesetzt wurde? In einigen ersten Meldungen unmittelbar nach dem Absturz war davon die Rede?

Augenzeugen wollen doch auch gesehen haben, dass sich neben dem Airbus eine französische Militärmaschine befunden haben soll, als der Sinkflug einsetzte. Warum hört man davon nichts mehr? Sollte es diese Maschine gegeben haben, müsste der Pilot doch eine wichtige Aussage machen können.


Aber es ist ja bequemer und quotenbringender, wenn man ein Opfer gefunden hat, dass genüsslich an den Pranger gestellt werden kann. Dabei steht noch gar nicht endgültig fest, was nun wirklich passiert ist – und es wird noch lange dauern, bis einigermaßen erwiesen ist, was sich in dem Flugzeug abgespielt hat und was letztendlich wirklich die Absturzursache war. Falls man das überhaupt jemals ermitteln kann oder will.
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5 Kommentare
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Gabriele B. aus Gersthofen | 31.03.2015 | 23:00  
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Thomas Jacobi aus Annaberg-Buchholz | 31.03.2015 | 23:22  
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Gabriele B. aus Gersthofen | 01.04.2015 | 00:59  
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Silke M. aus Burgwedel | 01.04.2015 | 14:12  
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Giacomo D. aus Erlangen | 01.04.2015 | 22:11  
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