Das älteste Kloßrezept

Klöße | Foto: SCHWARZE-art-PHOTOGRAPHIE
Noch nicht zu spät ist es für...


Das älteste Kloßrezept


Die Glöße sind von zweierlei Art. Eine Art wird von gesottenen, dann geschälten Erdäpfeln gemacht, in welche man geröstete Semmelbröckchen knetet und sie entweder in einem Ribes (eine Art Auflaufform) backt, oder wenn sie mit etwas Mehl vermischt sind, wie andere Glöße in einem Tiegel kocht.

Die zweite Art, welches die gewöhnliche ist und mit Fleisch gegeßen als Sonntagsessen betrachtet wird, besteht darin, dass man, wie beim Tätsch, die geschälten, rohen Erdäpfel auf einem Reibeisen, klein reibt; dann die Masse in einem Sack thut und mehr malen frisch Waßer darauf schüttet, dass man in einem Kübel ablaufen läßt, und endlich die so durchgewäßerte Maße so sehr als möglich ausdrückt. Da von diesem Ausdrücken zum Theil die Güte der Glöße abhängt, so hat man eigene Kartoffelpreßen, die im Großen wie Citronenpreßen geformt sind, zwischen deren Blätter der Erdäpfelsack gelegt, und alles wäßrige rein ausgedrückt wird.

Diese trockene Maße wird nun mit einem dünnen Brei von Mehl, oder Gries oder Hirse oder Heidel ( Buchweizen), je nachdem man das eine oder andere hat, zu einer Glößmaße angemacht, und wie andere Glöße geformt und gekocht. Wer die besonders gut haben will, reißt sie beim Anrichten auf, und übergießt sie mit heißer Butter. In dem abgelaßenen Waßer, dass man sorgfältig aufhebt, setzt sich eine feine Maße, welche man, nach abgeschüttetem Waßer, heraus nimmt, und zum Gebrauch am Ofen oder an der Sonnenhitze trocknet. Dieß ist die Erdapfelstärke, die zwar zum Stärken der Wäsche nicht viel taugt, weil sie nicht hält und auch das Weißzeug roth macht, aber, zu Mehl verrieben, zum feinsten Backwerk, selbst zu Torten gebraucht werden kann. Alle diese Zubereitungen sind jetzt bei Reichen sowohl als Armen eingeführt, und nur, dass jene mehr Butter und Eier dazu nehmen, als diese können.

Friedrich Timotheus Heim „ Topographie des Pfarrspiels Effelder“, handschriftlich gefertigt 1803-1814; veröffentlicht von Heinz Sperschneider in „Mitteilungen des Staatlichen Heimat und Schloßmuseums Burgk/Saale“
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3 Kommentare
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Basti S. aus Aystetten | 26.12.2014 | 23:16  
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Andreas Köhler aus Greifswald | 27.12.2014 | 06:11  
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Fred Hampel aus Fronhausen | 27.12.2014 | 07:28  
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