Zwei Freunde vom Typ Lebensretter

Die Emsdettener Gerrit Krüler und Timo Schenkel haben im Abstand von einem Jahr Stammzellen bei der Stefan-Morsch-Stiftung gespendet.
 
Unter der gebührenfreien Hotline 0800 - 76 67 724 sind Mitarbeiter der Stefan-Morsch-Stiftung erreichbar.
Emsdetten: Rathaus |

Die Menschen in Emsdetten im Münsterland haben ein großes Herz: Die Top-Handballer spielen erfolgreich unter dem Motto „Herzblut. Zeigt Wirkung“. Mehr noch: Zum 75. Stadtjubiläum gaben sich die Emsdetter vor zwei Jahren sogar ein herziges Stadtlogo. Da wundert es wenig, dass die Einwohner auch für ihre Mitmenschen ein großes Herz haben. Besonders dann, wenn diese auf ihre Hilfe angewiesen sind. Gerrit Krüler ist so ein Emsdetter mit einem großen Herzen.

Der junge Mann ließ sich im Oktober 2008 bei einer Typisierungsaktion der Stefan-Morsch-Stiftung an der Berufsschule in der Kreisstadt Steinfurt als Stammzellspender registrieren – zusammen mit mehr als 100 Schulkameraden. „Einfach so, nur um Leukämiekranken zu helfen“, sagt Gerrit Krüler. „Wir in unserer Familie sind sehr sozial eingestellt. Ich spende auch regelmäßig Blut. Das ist kein großes Ding, sondern selbstverständlich“, gibt sich der gelernte Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik ganz locker.
Im März dieses Jahres dann erhielt der 27-Jährige aus heiterem Himmel Post von Deutschlands ältester Stammzellspenderdatei. „Den Brief habe ich sofort meinem Papa gezeigt.“ Darin steht: Der junge Emsdetter ist sehr gut als Spender geeignet. Der Vater ist stolz und bestärkt ihn darin Ja zu sagen. Auch er war schon vor einiger Zeit typisiert worden, aber es hatte noch nie richtig gepasst. Beim Filius dagegen passte von Anfang alles bestens. Nach einer Reihe von Bluttests, umfassenden Aufklärungsgesprächen und einer Voruntersuchung machte sich der Westfale auf den entscheidenden Weg zur Entnahmestation nach Birkenfeld (Rheinland-Pfalz), dem Stammsitz der Stefan-Morsch-Stiftung.
„Mit einigem Respekt“, wie der Emsdetter offen zugibt. Sein Kumpel seit der Berufsschulzeit hatte ein Jahr zuvor Stammzellen gespendet. Doch Gerrit Krüler weiß, dass jeder Mensch anders auf die Entnahme reagiert und wollte sich vorher nicht zu viele Gedanken machen. „Die paar Tage, in denen es einem vielleicht nicht so gut geht, sind ja lächerlich. Dem Empfänger geht es schließlich sehr viel schlechter“, ist der passionierte Angler überzeugt. Ein Nein kam für ihn daher auch nicht in Frage. Von seinem genetischen Zwilling weiß er nur, dass es ein kleiner Junge aus Israel ist – mehr Informationen gibt es nicht. Alles verläuft auf jeden Fall zunächst anonym.
Die Stefan-Morsch-Stiftung verfügt über langjährige Erfahrung: Seit fast 30 Jahren leistet sie gemeinnützige Hilfe für Leukämie- und Tumorkranke. Hauptziel ist es, Menschen über die Chancen der Stammzellspende zu informieren. Täglich sind daher in der ganzen Republik Teams unterwegs, um junge Menschen zu typisieren. In den Knochenmark- und Stammzellspenderdateien wie die der Stefan-Morsch-Stiftung sind derzeit weltweit mehr als 25 Millionen Menschen registriert. Trotzdem ist es für jeden Patienten ein Glücksfall, wenn sich ein passender Spender findet.
Bei Gerrit Krüler entnahmen die Mediziner vor wenigen Wochen in der Entnahmestation in Birkenfeld die Stammzellen. Das Verfahren ist eine periphere Blutstammzellspende aus dem Blut – ähnlich wie bei einer Plasmaspende oder Dialyse. Dazu wird dem Spender vorher ein körpereigener Botenstoff verabreicht, der die Stammzellen aus dem Knochenmark in das Blut übergehen lässt. Dieser Botenstoff löst beim Spender im Vorfeld oft grippeähnliche Symptome – wie Kopf- und Gliederschmerzen aus. Diese verschwinden aber mit der Entnahme der Stammzellen.
„Die Betreuung durch die Stiftung war - auf einer Skala von 1 bis 10 - eine glatte 10“, schwärmt der 27-Jährige. Vor allem die Ärztin Dr. Sieglinde Wolf war „Tag und Nacht am Krankenbett“, hat den Spender gelobt: „Die heftige Reaktion meines Körpers zeigte offenbar, dass gut Stammzellen gewonnen werden konnten“, freut sich Krüler im Nachhinein. Insgesamt fand er das Birkenfelder Team der Stiftung super. Auch den Chef, Emil Morsch, habe er kennengelernt: „Ein feiner Kerl. Der war ganz cool.“
Trotz der schweren Kopfschmerzen kurz danach sagt der 27-Jährige, der als Schlosser bei der BOS GmbH Best Of Steel arbeitet, heute: „Ich würde wieder spenden - zwar jetzt nicht sofort, aber wenn ich weiß, dass ich damit ein Leben retten kann, dann wohl schon.“ Und entschieden fügt er hinzu: „Sonst hätte ich mich ja auch nicht typisieren lassen brauchen.“
Mit jedem neu gewonnenen Spender erhöht sich die Chance, für einen Patienten einen passenden Stammzellspender zu finden. Nur dann hat die Übertragung von Stammzellen den gewünschten Erfolg bei Krankheiten, für die es ansonsten keine vergleichbaren Möglichkeiten der Heilung oder des Überlebens gibt. Von der guten Sache ist Gerrit Krüler absolut überzeugt und appelliert: „Lasst Euch typisieren!“ Denn: Allein in Deutschland erkranken jedes Jahr 11 000 Menschen an Leukämie. Jeder zweite von ihnen ist ein Kind oder Jugendlicher. Sie alle hoffen darauf, dass es irgendwo in der Welt einen genetischen Zwilling mit gleichen Gewebemerkmalen gibt – und der bereit ist zu helfen. Damit diese Patienten überhaupt eine Chance haben, den Blutkrebs zu besiegen. (aw)

Die nächste Gelegenheit sich in Nordrhein-Westfalen typisieren zu lassen:

Sonntag, 23. August 2015, 11 bis 18 Uhr, beim Tag der Retter auf dem Marktplatz in Coesfeld
Donnerstag, 10. September 2015, 16 bis 20 Uhr, in der Schützenhalle, Bahnhofstraße in Menden-Bösperde

Typisierung – wie geht das?

Prinzipiell kann sich jeder gesunde Erwachsene zwischen 18 und 60 Jahren aufnehmen lassen. Wer nicht älter als 40 Jahre ist, kann kostenlos typisiert werden. Gleiches gilt für Jugendliche ab 16 Jahren – vorausgesetzt die Eltern stimmen zu. Doch es gibt Ausschlusskriterien für die Stammzellspende, über die man sich vor der Typisierung informieren sollte – schwere Krankheiten und die Zahl der Schwangerschaften sind relevant.
„Typisierung“ lautet der Fachbegriff für die Aufnahme in die Stammzellspenderdatei: Ist der Gesundheitsfragebogen unterschrieben, wird ein Fingerhut voll Blut bzw. eine Speichelprobe abgenommen. Daraus werden die Gewebemerkmale des Spenders analysiert. Die Merkmale werden bei der Spenderdatei der Stefan-Morsch-Stiftung gespeichert und anonym an das deutsche Zentralregister übermittelt. So stehen sie für weltweite Suchanfragen zur Verfügung.
Mehr Info: Stefan-Morsch-Stiftung (www.stefan-morsch-stiftung.de), gebührenfreie Info-Hotline 08 00 - 766 77 24, info@stefan-morsch-stiftung.de.
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