Schloss Hämelschenburg (diesmal mit Führung)

Ehrenhof der Hämelschenburg
 
Ganz oben auf dem Treppenhausturm
Emmerthal: Schloss Hämelschenburg |

Wenn man von etwas begeistert oder fasziniert ist, erzählt man es gern weiter - mir ging es mit Schloss Hämelschenburg so.

Eine Freundin ließ sich von meinen Erzählungen anstecken, und so fuhren wir diese Woche wieder hin und nahmen an einer Führung teil.

Tickets dazu besorgt man sich im Museumsshop und wird dort auch für die Führung abgeholt. Anschließend ging die ganze Gruppe gemeinsam über die Schlossbrücke in den Ehrenhof, der vom Nord-, West- und Südflügel sowie im Osten vom Karpfenteich eingerahmt wird. Es ist ein beeindruckendes Ensemble aus Obernkirchener Sandstein, einem Material, das seit seiner Erbauung (ab 1588) mühelos die Jahrhunderte überdauert hat. Wir bekamen einzelne Elemente der Weserrenaissance erklärt (z.B. den besagten Sandstein, die Utluchten, (Wendel)treppenhäuser mit schrägen Fenstern). Der West- oder Mittelflügel diente zu Beginn als Wirtschaftsteil: dort waren Küche, Pferdeställe und Brauerei untergebracht. Vor der Küche gab es noch bis vor ca. 150 Jahren eine "Pilgerhalle", d.h. einen Vorbau mit einer Durchreiche - dort bekamen Bedürftige eine warme Mahlzeit. Gastfreundschaft wurde in der Hämelschenburg schon immer großgeschrieben.

Die Führung beginnt im Südflügel - anfangs war dies der bewohnte Teil. In der Eingangshalle befinden sich u.a. 2 Gemälde des Erbauer-Ehepaares Jürgen Klencke und Anna von Holle. Auch die Front der ehemaligen "Pilgerhalle" ist in einer Wand eingemauert zu sehen, erkennbar am Muschelsymbol, das für Gastfreundschaft steht (nicht für Pilgern als solches, denn Pilgern war damals zu eng mit dem Ablasshandel verknüpft; die Klenckes waren jedoch Anhänger der protestantischen Lehre).
Das Bett im Schlafzimmer wirkt relativ klein, ist aber tatsächlich 2 m lang. Die umlaufende Kante unter dem Baldachin liefert die Erklärung für das geflügelte Wort "etwas auf die hohe Kante legen". Bett und Wäscheschrank gehören zu den ältesten Möbelstücken im Schloss.

Bei der Führung geht man schrittweise quasi durch die Jahrhunderte. Im 17. Jahrhundert gab es z.B. einen mutmaßlichen Mord. Die schwierigste Zeit stellte wohl das 18. Jahrhundert dar; finanzielle Mittel waren sehr begrenzt. Erst im 19. Jh. gab es einen wirtschaftlichen Aufschwung; in dieser Zeit wurden auch einige bauliche Veränderungen vorgenommen: der ehemalige Wirtschaftsteil wurde nun bewohnt (bei einer Deckenhöhe von 9 m fragt man sich allerdings, ob es nicht zu aufwändig war, die Räume zu heizen), die "Pilgerhalle" verschwand, die Zugbrücke am Eingang wurde zur heutigen Schlossbrücke und der Wassergraben wurde z.T. zugeschüttet (heute existiert er nur noch an der Straßenseite).

Wie es kommt, dass ein solches Anwesen nach wie vor wie "aus einem Guss" existiert? Es wird immer nur an den ältesten Nachkommen weitervererbt; die anderen Geschwister gehen in der Regel leer aus. Andererseits bedeutet der Besitz auch große Verantwortung, und man muss verschiedene Möglichkeiten nutzen, um den Unterhalt zu finanzieren - heute geschieht dies u.a. mit Hilfe einer privaten Stiftung.

Im Charlottensaal sind heute standesamtliche Hochzeiten möglich. Dort gibt es auch ein Pianola, eine Art selbstspielender Flügel.

Als vorletzte Station der Führung wird auf die Zeit des Dritten Reichs eingegangen. Bei Tisch sollte nicht über Politik gesprochen werden - ein nach wie vor vorhandenes Schild erinnert daran. Abgesehen davon machte Familie von Klencke keinen Hehl daraus, dass für sie die göttliche Macht über der weltlichen stand (dargestellt durch ein Kruzifix, unter dem Jürgen Klencke und seine Familie knien) und sie mit dem Naziregime nicht einverstanden war - erstaunlicherweise zog dies allerdings kaum Konsequenzen nach sich. Einzige "Retourkutsche" war wohl die Verbreiterung der (relativ verkehrsreichen) Straße, die auch heute noch das Schloss vom Rest der Anlage trennt.

Wer möchte, kann sich zum Schluss im Keller noch einige alte Fotos und Gerätschaften ansehen. Darauf ist z.B. zu erkennen, dass in dem Garten, den man heute vom Parkplatz kommend durchquert, früher Gemüse angebaut wurde.

Der Nordflügel als bewohnter Teil ist privat und aus diesem Grund nicht Teil der Führung.

Weitere Infos:

Hauptsaison auf der Hämelschenburg ist jeweils vom 1. April bis 31. Oktober.

Die Führung kostet für Erwachsene 7 €. Im Inneren des Gebäudes darf nicht fotografiert werden.

Jeweils am 1. Advent gibt es einen stimmungsvollen Adventsmarkt (in diesem Jahr vom 27.-29. November)

Links:

Hämelschenburg - Außengelände

Gespensterfreies Märchenschloss (HAZ)
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11 Kommentare
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Katja Woidtke aus Langenhagen | 29.08.2015 | 00:39  
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Heike L. aus Springe | 29.08.2015 | 08:41  
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Constanze Seemann aus Bad Münder am Deister | 29.08.2015 | 11:36  
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Heike L. aus Springe | 31.08.2015 | 05:34  
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Shima Mahi aus Langenhagen | 02.09.2015 | 22:08  
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