Traumzaubernacht

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Naturfee Purpura (Malvorlage siehe azausmalbilder.com/ausmalbild/18429)
Harztor: Mondscheinwiese | -

Von wegen Träume sind Schäume. Ich hatte
einen Traum, der mich Tage später zu dieser
Kurzgeschichte animierte. Wer Fantasiege-
schichten mag, der wird sich meine Figuren
sehr gut vorstellen können.
Viel Spaß beim Lesen wünscht
Annett Deistung aus Woffleben

Traumzaubernacht im Südharz

Eigentlich sollten meine Freundinnen mich begleiten.
Doch in die Berge das ging ja gar nicht. Also brachten
sie mich zum Zug mit den Worten: „Stella wir wünschen
Dir viel Spaß. Und pass auf, dass du dem Bergschrat
nicht begegnest.“ Kichernd umarmten wir uns und los
ging die Fahrt.

Gleich am ersten Abend im Harzhotel 'Heinrichsburg' [1] begann ein unerwartetes Abenteuer. Ich wollte einfach in Ruhe schlafen, aber es trafen immer noch Gäste ein. Also sah ich nach und musste feststellen, dass ich nicht mehr zu meinem Zimmer durchkam, so viele Menschen waren eingetroffen. Die Gänge und der gesamte Empfangsbereich waren total überfüllt. Als ich an der Rezeption nachfrage, bekomme ich eine unerwartete Antwort: „Alles nur wegen einem Geheimnis. Sie werden schon sehen worauf alle warten.“ Ich bin einfach zu müde nach der Anreise mit der Bimmelbahn [2] und schließe auf einer Treppenstufe sitzend die Augen. Eigentlich wollte ich nur leicht vor mich hin dösen bis der Trubel vorbei ist, aber dann nicke ich ein. Da höre ich im Unterbewusstsein eine nette Stimme, die mich energisch anredet: „Wollen Sie hier weiter schlafen, oder soll ich sie lieber zu ihrem Zimmer bringen lassen?“ Wie, wo, wer … ich bin wach! Noch leicht verschlafen sehe ich den Mann an und merke, dass er mich lächelnd beobachtet. „Was?“ frage ich etwas mürrisch. „Vielleicht haben sie ja Lust auf ein kleines Abenteuer? Wollen sie mich auf eine Safari zur Mondscheinwiese begleiten? Die ist so unglaublich merkwürdig, das sie all ihre Vorstellungskraft übertreffen wird.“ Nun bin ich hellwach und möchte mehr wissen.

„Vielleicht ist es besser wenn wir uns erst einmal vorstellen. Ich heiße Tom und wenn ich nicht gerade Abenteuer suche, bewache ich den Goldbrunnen [3] im Fuhrbachtal [4]. Und wer bist du?“ „Ich bin Stella aus Scharfenhagen [5] und mache hier für ein paar Tage Urlaub.“ Ich musste verschmitzt grinsen, denn meine Freundinnen ahnten nichts von diesem spannenden Ereignis. Schnell ging ich auf mein Zimmer und zog mir warme Sachen an, denn es wurde langsam Nacht und mir fröstelte leicht. Tom wartete vor dem Hotel in einer Safari-Troschke, die von zwei scheckigen Ponnys gezogen wurde. Und wir waren nicht die Einzigen, die in merkwürdig lustigen, von Tieren gezogenen Vehikeln losfuhren. Über die alte Poststraße [6] führte der Weg hinauf zur geheimnisvollen Mondscheinwiese beim Birkenmoor [7]. Es war merklich ruhiger geworden. Wo die Gäste doch im Hotel so laut und aufgeregt miteinander redeten und diskutierten, waren sie jetzt schweigend still oder flüsterten sich nur kurz etwas zu. Ich platzte fast vor Neugier, aber Tom wollte es mir nicht verraten: „Warte ab, dann wirst du diesen Moment nie wieder vergessen!“

Und dann geschah es. Plötzlich sah ich leicht verschwommen unzählige wütende Hirsche über die vom Mondlicht hell erleuchtete Wiese auf uns zu rennen. Ich saß wie gefesselt auf meinem Sitz und hielt mir die Hände vor die Augen. Da fasst mich jemand an die rechte Hand und ich hörte Tom wie er lachend sagte: „Angsthase! Schau mal genau hin. Was siehst du da?“ Ich rieb mir die Augen und mir blieb der Mund vor Staunen offen stehn. Es waren Hirsche, aber nicht irgend welche. Sie waren riesengroß, aus samtigen Plüschfell und mit klaren glitzernden Augen. Sie traten ganz langsam auf uns zu und als ich einen vorsichtig berührte, da spürte ich Geborgenheit und ein Gefühl voller Glück. „Hirsche, wunderschöne Plüschfell-Hirsche.“ flüsterte ich erstaunt und ganz leise aus Angst, es könnte durch den kleinsten Laut vorbei sein. Doch Tom beruhigte mich, dass dieser Zauber bis Mitternacht anhält, denn dann fängt das neue Tierjahr an, das Jahr der Füchse und das der Hirsche ist vorbei. Die Mondscheinwiese, so erzählte er weiter, ist das Zuhause der Naturfee Purpura. Jedes Jahr verzaubert sie bei Vollmond im Oktober für drei Stunden um Mitternacht eine wilde Tierart zu riesigen flauschigen Plüschfiguren. Und manchmal lässt sie Menschen ganz nah heran um zu zeigen, wie friedlich es sein kann, wenn kein Wesen ob groß oder klein vor dem anderen Angst haben muss.

Und auf einmal steht die in weißes schirmendes Licht gehüllte Naturfee Purpura direkt vor mir und ruft wie aus weiter Ferne „Stella du musst endlich aufstehn. Dein Wecker hat schon das zweite Mal geklingelt.“ Ich hörte es immer deutlicher und die Stimme kam näher und näher: „Wenn du nicht zu spät auf Arbeit sein willst, dann solltest du jetzt wirklich aufstehn.“ Es klang wie die Stimme meiner Schwester. Wieso war sie auch dabei? Plötzlich saß ich im Bett. Es war alles nur ein Traum und nun war ich wach. Als letzte Erinnerung an meinen Traum blieb mir der freundliche Anblick der riesigen Plüschfell-Hirsche. Alles Andere um mich herum verblasste sofort beim Aufwachen, es war nur Beiwerk in meinem zauberhaften Wunschtraum.

[1] Ruine bei Neustadt am Harz
[2] Bezeichnung für die Harzquerbahn
[3] liegt am Wanderweg durchs Steinmühlental bei Appenrode
[4] auch Steinmühlental genannt, bei Appenrode
[5] durch Gipstagebau verschwundene Wüstung bei Woffleben
[6] führt von Neustadt zum Birkenmoor
[7] ehemaliges Forsthaus im Südharz auf halber Strecke zwischen Neustadt und Stiege

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Für Euch geträumt von Annett Deistung aus dem zauberhaften Südharz.

(Ich hatte tatsächlich vom 11. zum 12. November 2015 einen Traum von riesigen auf mich zu laufenden Hirschen. Vielleicht ist es die innere Angst einen Wild- unfall zu haben. Zur Zeit fahre ich eine kurvenreiche Umleitung. Die führt an dichtem Wald vorbei. Da kann hinter jeder Kurve ein Wildtier auf der Straße stehen. Bei uns gibt es fast mehr Wildunfälle als Jagdtrophäen.)

Wer das Gedankengut anderer kopiert und als das seine vermarktet, der ist ein armer Mensch.
Arm an Geist und arm an Fantasie. Darum unterliegen meine online veröffentlichten Texte der
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2 Kommentare
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Manfred W. aus Nebra (Unstrut) | 16.11.2015 | 05:32  
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Ludwig-Josef Eglinger aus Erding | 16.11.2015 | 08:37  
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