Katastrophen und Notfallvorsorge

Von welcher Art Katastrophe sprechen wir? Die härteste Art dürfte eine Verschlechterung unserer Gesundheit, eine körperliche (oder geistige) Verstümmelung sein. Diese Art Katastrophe wollen wir aus unserer Betrachtung ausschließen.
Dann wäre da der Verlust der eigenen Wohnung, des eigenen Hauses. Die Ursachen können sein: a) Krieg und Vertreibung durch eine militärische Macht; b) Eine Räuberbande, marodierende Verbände; c) Naturereignisse: c1) Vulkanausbruch mit Lavaströmen; c2) Bergstürze, Lawinen, Muren, Geröll; c3) fließendes Hochwasser, dass Häuser wegreißt; c4) stehendes Hochwasser, das nach kurzer Zeit von selbst abfließt. Nur im letzten Fall, des stehenden Hochwassers, werden unsere Vorräte später noch brauchbar sein, vorausgesetzt, sie wurden richtig gelagert - und davon unten mehr.
Dann könnte unsere übliche leitungsgebundene Versorgung gestört, unterbrochen sein. Leitungsgebunden sind: Strom, Gas, Telefon, Kabel, Wasser. Abwasser. Bei diesen Störungen kommt es auf die räumliche Ausdehnung sowie den Zeitraum an. Ist nur die eigene Wohnung, das eigene Haus betroffen, reicht der Ruf nach dem passenden Handwerker. In allen anderen Fällen wird sich der zuständige Versorger um die Beseitigung der Störung kümmern. Je nach dem, was ausfällt, sind die Auswirkungen sehr unterschiedlich: Ohne Gas bleibt die Heizung kalt, wird sich für ein paar Tage aushalten lassen. Ohne Telefon und ohne Kabel (Fernsehen) wird sich leben lassen, zumal, wenn das Funktelefon und der erdgebundene oder Satellitenempfang noch funktioniert. Für den Ausfall der Wasserversorgung kann man vorsorgen. Die Störung bei der Abwasserentsorgung wird gern vergessen, spätestens wenn durch Rückstau aus den tiefer gelegenen Einläufen die dreckige stinkende Brühe herausquillt, wird so manchem bewusst, dass die Abwasserentsorgung mindestens so wichtig ist, wie die Frischwasserversorgung. Wohl dem, der einen kleinen Garten an seinem Haus hat – einige Monate später wird er erleben, wie kräftig ein gut gedüngter Boden den Pflanzenwuchs befördert. Das eigentliche Problem aber ist die Stromversorgung, denn ohne Strom funktioniert kein Gasbrenner, bricht nach wenigen Stunden die Kommunikationsverbindung ab, es gibt kein Trinkwasser, weil es nicht in die Hochbehälter gepumpt werden kann und die Abwasserkanäle laufen voll und über, weil auch hier die Pumpen ausfallen. Eigentlich könnte jeder auf seinem Hausdach durch die Photozellen mindestens einen Teil seines Stroms selbst erzeugen, aber die Umsetzer des Gleichstroms vom Dach auf den üblichen Wechselstrom mit 230 Volt und 50 Herz arbeiten nur, wenn sie durch das Stromnetz gesteuert (getriggert) werden, denn so wollen es unsere Stromversorger in ihren Zulassungen: der eigene Strom von Dach ist zwar da, aber gerade dann, wenn er am nötigsten gebraucht wird, kann er nicht genutzt werden. Der wirklich kritische Punkt in der leitungsgebundenen Versorgung ist der Strom, ohne Strom geht nix!
Ein Wort zum Wasser. Bei uns verbraucht im Privathaushalt eine Person rund100 Liter Wasser am Tag. Davon sind rund 3 Liter wirklich getrunkenes Wasser (Getränk aus der Tasse oder Teil des Essens (Suppe)). Einige weitere Liter werden noch in der Küche gebraucht und sollten darum keimfrei sein. Der Rest aber, rund 90 Liter am Tag, sind in der einen und anderen Form Brauchwasser, das keineswegs so ganz keimfrei sein muss. Am deutlichsten wird das bei den mehr als 30 Liter der Toilettenspülung, hier ist das Wasser lediglich ein Transportmittel und dafür könnte das zuvor für andere Zwecke genutztes Wasser, wie die rund 30 Liter Duschwasser, verwendet werden. Mehrfachnutzung ist das von den Wasserver-und-entsorgern gefürchtete Zauberwort, weil die legale Art des Wassersparens. Regenwasser gibt es bei uns überall, die Schwebstoffe lassen sich leicht herausfiltern (Kaffeefilter, Wattebausch im Trichter, Kies); gelöste giftige Chemikalien im Grundwasser vermeidet man besser, durch sorgfältige Auswahl des Wassers (Wald ist gut, Siedlungen sind schlecht). Filter von Katadyn haben sich bei mir gut bewährt, um mein Trinkwasser während meiner Wanderung durch Deutschland auch aus Pfützen und stehenden Gewässern zu gewinnen. Regenwasser, sauber aufgefangen, bedarf keiner besonderen Behandlung.
Die übliche Art der Katastrophe ist die Unterbrechung der Versorgung mit Lebensmitteln, sei es, dass die Regale der Händler leer sind, sei es, dass die Waren aus den vollen Regalen der Händler nicht zu mir gelangen. Diese letzte Form der „Katastrophe“ kommt bei mir in jedem Jahr mehrfach mit unterschiedlicher Dauer vor, denn die Händler (Aldi, Edeka) sind rund vier Kilometer entfernt und bei schlechtem Wetter, bei Regen, Schnee und Glatteis, fahre ich nicht mehr Rad; so habe ich laufend Erfahrungen mit der nötigen Lagerhaltung.
Lebensmittel sind verderblich, zur Lagerung müssen sie konserviert werden. Die bekannten Techniken sind: a) trocknen; b) einsalzen; c) mit viel Zucker versetzen; d) mit Säure behandeln, einlegen (Essig, Sauerkohl); e) einkochen (einwecken), industriell: Dosen; f) kühlen, einfrieren. Kühlen und einfrieren ist für unseren Zweck völlig ungeeignet, denn bei Stromunterbrechung funktioniert weder Kühlschrank noch Gefriertruhe: Stromunterbrechungen von mehr als 24 Stunden führen schnell zum Verderben der Waren. Näheres zur Konservierung findet sich in den einschlägigen Fachbüchern.
Zur Lagerhaltung eignen sich Gläser mit Glasdeckel und dichtendem Gummiring mit Zuhalteklammer („Vorratsgläser“), die eckige Form lässt sich platzsparend ins Regal stellen; Weckgläser halten ohne diese Klammer durch den beim Einkochen im Innern erzeugten Unterdruck von selbst! Diese Gläser überdauern ohne Weiteres auch eine zeitweise Überflutung (oben: stehendes Wasser). Vergrabene Weckgläser sind mit Metallsuchgeräten nicht ortbar!
Zur Einlagerung von größeren Mengen gibt es runde und eckige lebensmittelechte Plastikkanister, die mit ihren Schraubverschlüssen luft- und wasserdicht verschlossen werden, sie werden angeboten (Globetrotter) in den Größen von 20, 25 und 30 Litern. Leer können diese Kanister auch als Schwimmkörper in Flößen Marke Eigenbau verwendet werden. In diese Kanister werden die Waren in der handelsüblichen Verpackung eingelegt. Selbstverständlich überdauern diese Kanister eine Überflutung. Gläser wie Kanister schützen die Ware vor Feuchtigkeit, Verschmutzung und Schädlingen (Insekten, Mäuse, Ratten).
Salz, Natriumchlorid: NaCl, ist ein Gestein, hat also eine praktisch ewige Haltbarkeit, ist billig (einfaches Jodsalz („Iodsalz“) unter 20 Cent für 500 g) und in kleinen Mengen lebensnotwendig, in größeren Mengen wird es zum Einsalzen benötigt und ist (ca. 2,5 g pro Kg Körpergewicht) tödlich; Salz ist Rohstoff zur Herstellung durch Elektrolyse von Chlor (Giftgas, schwerer als Luft), Wasserstoff (Explosionsgefahr, leichter als Luft) und wenn man es richtig macht zur Herstellung von Natriumchlorat, NaCl3, zur Produktion von Knallkörpern und Sprengstoff geeignet. Also Salz gehört auch dann in die Reserve, wenn Sie Ihren Nachbarn nicht umbringen wollen; Salz wird in Vorratsgläsern gelagert.
Zucker, unser ganz normaler Haushaltszucker, also keine künstlichen Verfeinerungen, ist billig (deutlich unter 1 Euro pro Kg), in seiner reinen Form über viele Jahre haltbar. Lagerung in kleinen Mengen in Vorratsgläsern, in größeren Mengen in der handelsüblichen Verpackung in die Kanister eingelegt. Zucker ist ein Kohlehydrat, gibt pro Gramm genauso viel Energie wie Stärke und Eiweiß. Von Zucker allein kann man auf Dauer nicht leben, aber Zucker ist ein billiges Grundnahrungsmittel und in der Not hilft Zucker zu überleben. Zucker gehört in die Reserve.
Linsen, Erbsen, Bohnen, die trockenen unbearbeiteten Samen der jeweiligen Pflanze; relativ billig, unter 2 Euro je 500 g, Haltbarkeit über viele Jahre (deutlich länger als das aufgedruckte Haltbarkeitsdatum). Lagerung in der handelsüblichen Verpackung in Kanistern. Linsen, Erbsen und Bohnen gehören unbedingt in die Reserve.
Getreide, der unbehandelte Samen, hält sich über Jahre. Gemahlen in einer kleinen Handmühle für ca. 50 Euro – Handmühle, immer an den Stromausfall denken! - dient Weizen und vor allem Roggen bei mir als Zuschlag zur Brotteigmischung, in der das nötige Treibmittel (Sauerteig) ist.
Konserven und Dosen mag jeder nach seinen Vorlieben einlagern. Tiefkühlkost eignet sich als Notfallreserve nicht (Stromausfall).
Das Wichtigste allerdings gibt es für alles Geld nicht zu kaufen: Wissen und Können, wie man es macht. Wasseraufbereiten sollte man schon mal in ruhigen Zeiten probieren. Feuermachen und Kochen und Backen ohne den Elektroherd sollte schon mal geübt werden; Anleitungen gibt es in der Literatur. Campingkocher mit Gas oder Spiritus oder Benzin sind prima – solange man Gas, Spiritus oder Benzin hat. Ein paar trockene Holzstückchen werden sich in unserem Land jedoch immer finden lassen.

08.09.2016
Hermann Müller
Bentierode
Bentieröder Bruch 8
D-37574 Einbeck
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8 Kommentare
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 08.09.2016 | 16:37  
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Erster Geschichtenerzähler aus Naumburg (Saale) | 08.09.2016 | 18:27  
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Hermann Müller aus Einbeck | 09.09.2016 | 11:52  
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Erster Geschichtenerzähler aus Naumburg (Saale) | 09.09.2016 | 13:15  
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 09.09.2016 | 18:26  
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Erster Geschichtenerzähler aus Naumburg (Saale) | 09.09.2016 | 19:14  
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 10.09.2016 | 18:21  
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Erster Geschichtenerzähler aus Naumburg (Saale) | 10.09.2016 | 20:05  
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