Leserbrief eines Naturwissenschaftlers zum Thema "Gottesbeweis"

Veröffentlichung 2009

In der Weihnachtsausgabe der Süddeutschen Zeitung fand ich einen Artikel von Heribert Prantl mit der Überschrift „Geheimnis und Mysterium“, der vieles enthielt, was mich sympathisch berührte, so vom „Geheimnis der Kraft, die aus Ohnmacht wachsen kann“ und von Menschen, „ die im (anderen) Menschen das Göttliche gesehen und die Menschen auch dergestalt behandelt haben“. An zwei Stellen stutzte ich jedoch und fand, dass meine Erfahrung eine andere war.

Die eine lautete: „Religion gründet auf Glauben, nicht auf Fakten“. Denn für mich als Naturwissenschaftler gibt es in der Natur ringsum überall Fakten, die mich unmittelbar zum Göttlichen, zum Schöpferischen, also zur Religion hinführen. Und da ich als Mensch auch ein Glied der Natur bin, liegt die Anlage, die Möglichkeit zu diesem Schöpferischen, auch in mir.

Die andere Stelle lautete: „Alle Versuche, Gott zu beweisen, waren vergeblich“. Auch diesem Satz kann ich nur das eben Gesagte gegenüberstellen: In allem Lebendigen, das mir wachsend, sich wandelnd, zum Licht strebend, fühlend, sich behauptend, gegenübertritt und auch in mir selbst wirkt, erkenne ich die Fakten, die mir das Göttliche beweisen.

Man kann diese Gedanken, die sich vielleicht zunächst wie Gefühls-Äußerungen anhören, durch bestimmte Vorstellungen, die sich aus der Beschäftigung mit der Frage nach dem „Ursprung des Lebens“ in naturwissenschaftlicher Sicht ergeben, soweit vertiefen, dass daraus ein wohlbegründetes „Wissen“, eine durch Erkenntnis untermauerte Überzeugung, wird, die ich auch als einen echten „Glauben“ bezeichnen möchte, weil sie die Religion unmittelbar in sich einschließt.

Die oft, sowohl von naturwissenschaftlicher, als auch von kirchlicher Seite gehörte Forderung, „Glauben“ und „Wissen“ müssten säuberlich voneinander getrennt bleiben, wird unter dieser Voraussetzung sinnlos. Religion kann unmittelbar aus der Wissenschaft hervorgehen. Die einzige Bedingung, unter welcher dieses nicht möglich ist, liegt dann vor, wenn man unverrückbar am Materialismus festhält, obwohl man sich von dessen Unhaltbarkeit leicht überzeugen könnte.

Eine ausführlichere Darstellung des hier nur Angedeuteten findet sich in meiner Schrift „Was ist Evolution? - Ein Beitrag zum Darwin-Jahr 2009“, F.Pfeil-Verlag, München 2009, die ich in einer Präsentation am 18. 12. 2010 in der Buchhandlung Rezai, Eichenau, vorgestellt habe.

Die zweite der beiden oben genannten Stellen aus dem Aufsatz von Heribert Prantl veranlasste mich zu einem Leserbrief an die Süddeutsche Zeitung, in dem ich meine eben geschilderten Gedanken zusammenfasste und den ich hier wiedergeben möchte, weil er nicht zur Veröffentlichung kam.

Er lautete:

Die immer wieder von Philosophen und so auch von Heribert Prantl vorgebrachte Behauptung, „alle Versuche, Gott zu beweisen, waren vergeblich“, ist überholt, wenn der Materialismus innerhalb der Biologie überwunden ist. Hierzu braucht man sich nur den planmäßigen Bau und die Funktions-Zusammenhänge in einer lebenden Zelle, schon im einfachsten Bakterium, wie sie im 20. Jahrhundert erforscht worden sind, vor Augen zu führen. Dann erkennt man, dass hier – wie in der ganzen Natur und in uns Menschen - nicht „Zufall“ und „Auslese“, sondern eine geniale, schöpferische Macht am Werke ist. Das ist nicht Glaube an ein „Geheimnis“, sondern sichere Erkenntnis des vernünftigen Denkens auf der Grundlage von Fakten.

Prof. Dr. rer. nat. Helmut Rehder

In der oben genannten Schrift setze ich mich ausführlicher mit der heute noch von vielen Biologen für gültig gehaltenen, materialistischen, auf die Ideen von Darwin gegründeten Evolutionstheorie und mit den in ihr maßgebenden Begriffen „Zufall“ und „Auslese“ auseinander. Ich komme danach zu gänzlich anderen Begriffen für die Evolution und das Leben, die damit zusammen-hängen, dass das Wirken des Geistigen in Natur und Mensch voll anerkannt wird. Mit diesen Vorstellungen stehe ich nicht allein, sondern finde mich in Übereinstimmung mit vielen früheren und heutigen Biologen wie auch anderen Zeitgenossen.

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11 Kommentare zum Beitrag
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Marie-Thérèse Ritz-Burgstaller aus Eichenau am 22.01.2011 um 12:46 Uhr  
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Willi Hembacher aus Gersthofen am 22.01.2011 um 12:58 Uhr  
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Peter Bammes aus Eichenau am 22.01.2011 um 18:50 Uhr  
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen am 22.01.2011 um 20:14 Uhr  
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Angelika Huber aus München am 23.01.2011 um 03:02 Uhr  
45
Helmut Rehder aus Eichenau am 25.01.2011 um 21:54 Uhr  
23.556
Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen am 25.01.2011 um 22:16 Uhr  
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Angelika Huber aus München am 25.01.2011 um 23:23 Uhr  
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Peter Bammes aus Eichenau am 26.01.2011 um 10:15 Uhr  
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Nicole D. aus Stemwede am 28.01.2011 um 00:23 Uhr  
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Helmut Rehder aus Eichenau am 31.01.2011 um 12:26 Uhr  
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