Grenzgang Hachborn Tour 3: Der Geschichte auf der Spur

Ebsdorfergrund: hachborn |

Bei der, am Sonntag den 15. Juni 2014 durch den historischen Stammtisch Hachborn
durchgeführten vorletzten, dritten Grenzgangstour begaben sich die Grenzläufer wieder auf die Spuren der Hachborner Geschichte.



Vom Start- und Infopunkt an der Goldmühle wanderte man zunächst über die Rotemark zum Kinzbachtal, in dem eine Pause nach dem beschwerlichen Auf- und Abstieg eingelegt wurde. Entlang der Erbenhäuser Grenze führte die Route zum 1789 erwähnten Markstein und folgend an der Bellnhäuser Grenze bis zum Ziel, dem Rastplatz am Wolfshäuser Eck. Hier wurde das Rucksack-Frühstück eingenommen. Begleitet wurden die Grenzgänger von Karl Müller, der mit einem Planwagen die Pausenplätze anfuhr und für Gepäck- und Getränketransport sorgte.

Am hinter der Mühle gelegenen, tief eingeschnittenen Flußbett der Zwester-Ohm, verweilten die Wanderer um bei einem Vortrag Interessantes aus der lokalen Geschichte zu erfahren.

Die "Goldmühle" -Ortsteil der ehem. selbstständigen Gemeinde Hachborn- wird erstmals 1592 als herrschaftliche "Goltmühl" urkundlich erwähnt wird.
Bereits 1534, im Zusammenhang mit dem Mord an Ludwig Heydwolff auf der Kuhmark wird als Müller Peter Meurer auf einer unterhalb von der Kuhmark gelegenen Mühle, der Pitzmühle erwähnt. Ob die Pitzmühle mit der Goldmühle identisch ist, kann nicht gesagt werden.

Die Höhe beträgt hier 190 meter und unterhalb an der Erbenhäuser Grenze 188 meter und ist damit die tiefst gelegene Stelle in der Gemeinde Ebsdorfergrund.

Jahrhunderte lang zogen sich auch Fern- und Verbindungswege vor der Goldmühle über den Maistrauch zur Straßmühle und am nördlichen Ufer der Zwester-Ohm von Ebsdorf nach Hassenhausen am Bergrücken der Lahnberge entlang. Diese Route wurde auch bei der Planung der Main-Weser Bahn ab 1838 in Betracht gezogen.
Eine Verbindungsstraße zwischen Hassenhausen und Bellnhausen gab es 1850 noch nicht weil dieses Gebiet noch von Morast, Moor und Sumpf geprägt war. Von Hassenhausen gab es nur einen Pfad über die Mühle
(alter Verlauf der Landstraße 3048) nach Bellnhausen jedoch aber einen befestigten Fahrweg nach Sichertshausen.

1. Der Name Goldmühle kann auf den sehr hohen Ertragsreichtum durch einen zur Ölgewinnung vorhandenen Schlaggang zurück führen. Goldgelb das Öl und goldene Erträge, da nur wenige Mühlen über einen Schlaggang verfügten. Jedoch ist erst ab 1823 ein Schlaggang bekannt.
Es wurde aus Ölfrüchten, wie: Raps, Mohn, Bucheckern, Nüssen, Traubenkernen, Leinsamen und Hanf pflanzliches Öl gewonnen. 2kg entkernte Walnüsse ergeben etwa 1Liter Öl. Es gab in unserem Gebiet noch große Buchenwälder. Die Öle wurden als Schmieröle, Leuchtöle, Speiseöle und als Seifengrundlage genutzt. Bis zum 18. Jahrhundert kannte man zur Beleuchtung nur Talglicht und Unschlitt (Docht getränkt im Tierischen Abfallfett) oder Kienfackel. Nur der Kirche stand es zu, wie im Kloster Hachborn das Luxusgut "Ewiges Licht", das mit importierten Olivenöl betrieben wurde, zu nutzen.
Die Herstellung erforderte mehrere Arbeitsgänge. Die Ölfrüchte wurden durch einen Kollergang zerdrückt.
Eine senkrecht stehende Antriebswelle, durch Kamm- uns Stirnräder angetrieben, bewegte einen runden schweren Stein um diese Achse und zermahlte das darunter liegende Mahlgut. Diese Zerkleinerung nennt man Kollergang. Das entstande Gemenge wurde auf ca. 40°C erhitzt, in vom Seiler angefertigten Gewebematten aus Kuhschwanzhaaren , eingeschlagen und in Druck- oder Schlagpressen zusammengedrückt und ausgepresst.
Das ausgepresste Gemenge ergab einen Ölkuchen und wurde als Viehfutter verwendet.

Zur anderen Deutung von "Gold-Mühle":
2. Eine Goldmühle ist eine Mühle mit Hammerschlagwerk, das Eisen- und Golderzhaltiges Gestein klein zertrümmert um eine Schmelze der Erze zu vereinfachen. Bei der 2. Tour passierten wir die Seiff, den Scheidbach und den Goldberg. Die im Bergbau bekannten Begriffe Seiff und Scheidbach lassen den Schluß zu, daß es eine "Gold-Mühle" gab. Aufgrund der verschiedenen geologischen Beschaffenheiten an der Goldmühle kann daher ein Goldvorkommen, auch am nahegelegen „Goldberg„ vermutet werden.
Auf dem Weg entlang der westlichen Grenze liegt rechts die 251 meter hohe Flurerhebung Rotemark. Nördlich dahinter liegen die Fluren Grubenäcker und Lochäcker, deren Namen ebenfalls einen Bezug zum Bergbau aufweisen.

1630 war die Goldmühle in herrschaftlich landgräflichem Besitz. Sie war mit zwei Mahlgängen, jedoch mit keinem Schlaggang, ausgestattet.

Nach 1648 betreibt Conrad Hack als Müller die Goldmühle.
1669 heiratet die Müllertochter Catharina Hack den Hachborner Otto Möller aus "Bachgehannes".
1707 kam es zu einem nächtlichen Überfall auf die Goldmühle.

Als weiterer Müller wird Konrad Claar genannt.

Der aus Gießen stammende Konrad Kröcker übernimmt danach die Goldmühle.
Die Müllertochter Katharina Kröcker heiratete den Bauern und herrschaftlichen Forstläufer Bernhard Müller aus dem Hof "Bachgehannes". Ihre Tochter Anna Martha heiratete Kaspar Bender aus Bellnhausen. Ihre Kinder gründeten die weiteren Familienzweige zu "Bachgehannes" und "Petersch".
1816, im Hungerjahr- wurden Planungen und Bau für ein Wehr der Goldmühle mit Regulierung der Zwester Ohm in der Gemarkung Hachborn durchgeführt.
1823 ist die Goldmühle in Erbleihe verpachtet. Die Mühle verfügt 1823 über zwei Mahlgänge und einen angehängten Schlaggang zur ertragsreichen Ölgewinnung.
Seit 1830 wurden in der Hachborner Gemarkung mit der Flur Goldmühle Probeschürfungen im Auftrag der Familie von Rau, vorgenommen.
1833 wurde der Goldmüller Konrad Kroecker wegen Verbergung des bei dem Frankfurter Wachensturms 1833 beteiligt gewesenen Müllers Wilhelm Schrimpf aus Bonames angeklagt.Der Frankfurter Wachensturm war der gescheiterte Versuch von etwa 50 Aufständischen. Ein Überfall auf die Frankfurter Wachen sollte dienen, eine Revolution in Deutschland auszulösen. Der Wachensturm gehörte neben dem Wartburgfest und dem Hambacher Fest zu den wichtigsten Aktionen im deutschen Vormärz und bereitete die Märzrevolution von 1848 mit vor. Schrimpf bekam einen Reisepaß vom Metzger Brauer aus Marburg, mit dem er über Bremen nach Amerika auswandern konnte. Goldmüller Kröcker wurde erst nach 10 Jahren Untersuchungshaft 1843 begnadigt.

1845 bewohnten 8 Bewohner die Goldmühle in einem Wohnhaus.
Als weiterer Eigentümer wird anschließend der Medizinprofessor Anton Franz Metternich, der mit Christine Strack verheiratet war genannt. Er stammte aus Heidesheim bei Mainz.

1873 erhält die Justushütte in Weidenhausen Bergrecht für das Eisenerz-Bergwerk "Goldmühle".
Die Fläche umfasst 220 ha. in den Gemarkungen Hachborn, Ilschhausen, Erbenhausen und Hassenhausen.
1885 bewohnten 10 Bewohner die Goldmühle in einem Wohnhaus.

1886 gründete G.A. Marx auf der Goldmühle eine Wollspinnerei mit einer Zweigniederlassung in der aufstrebenden Textilstadt Mühlhausen/Thüringen.
1891 wurde die Firma von Marx im landwirtschaftlichen Jahrbuch als Wollspinnerei genannt.
1899 trat auf der Goldmühle ein Typhusfall auf.
1907 betrieb der Fabrikantensohn Wilhelm Marx auf der Goldmühle eine Wollspinnerei.
1908 erhielt die Ehefrau von Marx, Helene Marx, geb. Goldammer ein Patent Nr. M. 26 301. 9c. 999 912 auf die Erfindung des Knopflochbands, das sie erfolgreich durch Lizenzvergabe vermarktete. Marx errichtete eine Dampfmaschine, die mittels Riementransmission die Maschinen antrieb. Zu diesem Zeitpunkt begann auch eine kleine Industrialisierung in Hachborn. Immer mehr Hachborner fanden einen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplatz in Gewerbe und Fabriken statt als Tagelöhner in der Ziegelei und Landwirtschaft. Dampfmaschinen waren neben der Goldmühle,beim Lokomobil Fischer, der Metzgerei Müller, dem Sägewerk Schneider und auf der Fortbach zu finden.

1910 erwarb der Berliner Kaufmann Emil Reise die Spinnerei.
Viele Menschen aus Hachborn fanden dort in den nachfolgenden Jahrzehnten Arbeit.
1911 lebten laut Meyers Lexikon 5 Menschen auf der Goldmühle.
1923 brannte das ca. 400 jahre alte Wohnhaus der Goldmühle ab.
Die Scheune wurde zum heute noch bestehenden Wohnhaus umgebaut.
1919 wurde die Goldmühle durch das Gleichstrom-Wasserkraftwerk Straßmühle mit Strom versorgt.
1944 entging am 5. September die Goldmühle einer totalen Zerstörung als eine Fliegerbombe nahe der Gebäude explodierte. Ein Vierteljahr später, am 2. Dezember 1944 erlebte Hachborn einen Luftangriff. Zugleich zerstörte eine Luftmine die Hunsburg.

1950 verweist ein Eintrag im Handelsregister auf das letzte Jahr der Tuchfabrik von Heinz Zander. Er wechselte nach Friedberg.
Herr Häussler, Textilkaufmann übernahm nach der Fa. Zander die Goldmühle.
Nach Übergabe der Mühle von Häussler an Schlitt wurde Häusslers Ziege mit der Isetta von Fritz S. auf der Goldmühle abgeholt.
Mit ausgestrecktem Kopf durch das offene Faltdach und meckernd, wurde durch Hachborn eine Spazierfahrt veranstaltet.

Um 1960er Jahre erwarb der Marburger Kaufmann Karl Schlitt die Goldmühle, der hier auch einen Rasthof mit Tankstelle und Bordell errichten wollte. Letzlich blieb aber nur ein LKW- und PKW-Schrottplatz. Relikte aus dieser jüngeren Geschichte zeigten sich auch während des Grenzganges 2014 hinter der Goldmühle den Wanderern. Ein Dutzend herumliegende LKW-Reifen und Felgen am Bachlauf zeugen von der Existenz des Schrottplatzes.

Danach betrieb der Schuhmarkt Dupp hier ein Verkaufslager.
Anfang der 1970er Jahre sprengte das THW-Marburg den Schornstein.

1973 übernahm die Marburger Familie Völker die Goldmühle, auf der sie seither eine Papierverwertung betreibt.

Die vierte und letzte Grenzgangstour "Schwedenstein" wird an Fronleichnam, 19. Juni 2014 durchgeführt und führt vom Rastplatz am "Wolfshäuser Eck" über den "Schwedenstein" entlang der Ebsdorfer Grenze zum Ausgangspunkt der 1. Tour in der Struth.
0
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.