Grenzgang Hachborn 2014 Tour 4 "Schwedenstein"

Grenzgang Hachborn 2014 Tour 4 "Schwedenstein" Auf dem Kreuz
 
Grenzgang Hachborn 2014 Tour 4 "Schwedenstein" Erklärungen auf dem Kreuz
Die vierte und letzte, 10 km lange Grenzgangstour "Schwedenstein" wurde an Fronleichnam, 19. Juni 2014 durchgeführt und führte vom Rastplatz am "Wolfshäuser Eck" über den "Schwedenstein" entlang der Ebsdorfer Grenze zum Ausgangspunkt der 1. Tour in der Struth.

Mit einem gemütlichen Grillnachmittag, den Familie Dietrich in "Lorese-Garten" uneigennüzig für den Grenzgangsabschluß ausrichtete, ging der Hachborner Grenzgang zu Ende.

Neben Karl Müller, der zu Flurnamen, Waldgeschichte und den Schanzen referierte, vermittelte Wolfgang Briel als Führer den Wanderern Wissenswertes rund um Forst und Natur.

Am Wolfshäuser Grenzstein brachte Gastwanderer Ludwig Findt die jüngere Geschichte in Erinnerung, als er von einer Begebenheit aus 1945 berichtete. Auf dem Weg nach Roth traf sein Großvater drei junge, durch den Krieg heimatlos gewordene Männer. Mit Empfehlung schickte er sie ins Gasthaus Klosterhof , worauf sie Essen, Arbeit, Unterkunft und Familienaufnahme bei drei Bauern fanden. Sie blieben, lernten den Hachborner Dialekt, heirateten heimische Mädchen und wurden integriert.

Höhepunkt war der Besuch des Schwedensteins, einem schwedischen Soldatengrab von 1633.
Der aus Hachborn stammende Peter Lemmer – Marburger Realschullehrer - veröffentlichte im hessischen Schullesebuch „Marburger Land und Leute“ 1956 die Geschichte zum Denkmal:
Im Heljewald, auf dem Höhenrücken der Lahnberge, nicht weit von den Schanzen bei Hachborn, steht der "Schwedenstein" . Nur etwa 60 om hoch ragt er aus der Erde hervor. Die alten Leute sagen, dort liege ein schwedischer General begraben.
Wenn der Stein reden könnte, würde er uns vielleicht folgendes erzählen: Man schrieb das Jahr 1633. Es war schwere Zeit im Lande. Das siegreiche schwedische Heer stand in Süddeutschland. Eines Tages versuchten kaiserliche Heerhaufen, Marburg anzugreifen. Die Marburger baten durch einen Eilboten die Schweden um Unterstützung.

Diese schickten das Blaue Regiment unter dem Obristen Axel Eckeström zu Hilfe. In Eilmärschen zog das Regiment heran. Als die Schweden müde und verstaubt durch den Heljewald auf Marburg zuritten, gerieten sie in einen Hinterhalt der Kaiserlichen.
Dumpfe Schüsse hallten durch den stillen Wald, In erbittertem Gefecht schlugen die Schweden den Feind in die Flucht. Als sie ihre Toten sammelten, war darunter auch ihr Anführer, Axel Eckeström. Sie begruben ihn unter einem großen Eichbaum.

Der Reiter Fred Fredersen, der einmal Steinmetz gewesen war, suchte sich einen geeigneten Feldstein und meißelte ein Kreuz und die Jahreszahl 1633 hinein. Diesen Stein setzte man dem geliebten Kommandanten auf das frische Grab.

Vielleicht ist es aber auch wahr, was eine andere mündliche Überlieferung berichtet: Im Dreißigjährigen Kriege zogen wiederholt kaiserliche und schwedische Truppen durch den Ebsdorfer Grund. 1633 fand man im Heljewald einen toten schwedischen Soldaten. Die Hachborner weigerten sich, ihn zu begraben, die Ebsdorfer aber bestatteten ihn und setzten ihm den Gedenkstein. Zum Dank dafür wurde ihnen jenes Wald-stück gegeben, das noch heute als Ebsdorfer Besitz in Hachborner Gemarkung liegt.

Eine Ansprache am Grab hatte folgenden Wortlaut:
Wir stehen heute hier am Schwedenstein, der uns als Grabstein, schwedisches Offiziersgrab, Gedenkstein oder Denkmal bekannt ist.
Wir sollten den Schwedenstein aber auch als Mahnmal für den Frieden und als Grab eines unbekannten Soldaten ansehen.
Gerade jetzt in einer Zeit, in der wieder kapitalistisches, religiöses oder nationalistisches Vormachtstreben den europäischen Frieden bedroht, sollten wir wachsam sein.
Europas Böden sind getränkt mit Blut und Tränen, die nicht gegen Geld aufgewogen werden können. Dieser Soldat, der weitab seiner Heimat in fremder Erde, auf Hachborner Grund und im Ebsdorfer Wald ruht, spiegelt auch unsere eigene schicksalhafte Heimatgeschichte wider.

Wir müßen uns bewußt sein, daß dieser Soldat- wie unzählige aus Hachborn stammende Soldaten- fern von hier in fremder Erde ruhen. Nahezu jede Familie hat Opfer zu beklagen. Nicht vergessen werden dürfen, daher auch die Angehörigen, die ihre geliebte Menschen durch politische oder religiöse Gewalt verloren haben und dadurch unendliches Leid erfahren haben.

Wir entbieten nun stellvertretend für alle zivilen und miltärischen Opfer, diesem unbekannten Soldaten einen Gruß- und gedenken auch allen aus unserer Heimat- die wie er in fremder Erde ruhn,
mit einem nachdenklichen kurzen Schweigen...

Beim gemeinsamen Frühstück am Hejewald zeichnete Brigitte Hoyer mit einem selbst von ihr gefertigten Erinnerungsabzeichen Roswita und Hans Schneider, Elisabeth, Heinrich und Robert Mann, Elsbeth Lemmer, Herbert Wallon, Heinrich Dietrich, Ingeborg Müller, Otto Bier und Otto Keutner aus, die als Gäste mehrfach am Grenzgang teilnahmen:

Bei der gemeinsamen Abschlußfeier wurde von den Gästen der Wunsch, weitere geschichtsbezogene Wanderungen durchzuführen, an den historischen Stammtisch herangetragen. Die Familie Dietrich richtete die Abschlußfeier inklusive Aufbau, Grillen und Abbau vorbildlich in ihrem Garten aus. Dafür nochmals besten Dank von allen Teilnehmern!
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