Unser Spielplatz, der Luftschutzkeller

In unserem Mietshaus gab es neben den einzelnen Kellerräumen für die Mieter auch einen großen Keller, der im zweiten Weltkrieg als Luftschutzkeller diente.

Es war 1957, als meine Freunde und ich diesen Keller für uns als Aufenthaltsort bei schlechtem Wetter entdeckten.
Die Hausbewohner hatten nichts dagegen, solange wir keinen großen Krach machten. Meine Freunde, das waren Uschi, Annegret, Harald und Horst-Dieter. Wir waren alle sieben bis acht Jahre alt.

Meistens spielten wir Vater, Mutter und Kind.
Uschi war die Mutter, und Annegret und ich ihre Kinder.. Dann hatte sie noch ein Baby im Puppenwagen.

Als „Kinder“ hatten wir es nicht leicht. Da bekanntlich die Kinder kleiner sind als die Mutter, liefen wir immer in der Hocke an der Hand von „Mutter“ Uschi. War ganz schön anstrengend.
Harald war der Vater. Er war meistens arbeiten. Manchmal brachte er seinen „Arbeitskollegen“ Horst-Dieter mit.

Mit Kartons richteten wir uns im Keller gemütlich ein. Mutter Uschi kochte auf ihrem „Ofen“
Gemüse, das bestand aus Blättern aller Art. Natürlich aßen wir nicht richtig.. Aber manchmal hatten wir auch richtige Lebensmittel. Einen Apfel, eine Banane, Plätzchen oder einen alten Brotkanten, die natürlich auch „gekocht“ wurden.

Hatten wir richtige Lebensmittel, dann kam auch „Vater“ Harald mit seinem Kumpel Horst-Dieter zum Essen.

Eines Tages fanden wir in einer Ecke eine alte verbeulte Bratpfanne. Da kam uns dann die Idee, richtig zu kochen.. Ein offenes Feuer durften wir nicht machen. Wir wussten, dass es zu gefährlich war..

„Vater“ Harald und sein Kumpel Horst-Dieter bauten aus Steinen eine Feuerstelle.
Aber womit sollten wir Feuer machen? Annegret sagte: „Wir stellen eine Kerze rein, dann kann nichts passieren“

Die Idee fanden wir alle gut. Aber wer bringt eine Kerze und Streichhölzer mit? Das konnten wir nicht so ohne weiteres von Zuhause mitbringen.

Annegret war ein Schlüsselkind. Sie war tagsüber nach der Schule alleine.. Ihre Eltern waren geschieden, und ihre Mutter ging bis nachmittags arbeiten. Annegret brachte eine Kerze und Streichhölzer mit, ohne dass ihre Mutter es bemerkte.

Die Pfanne haben wir dann sauber geschrubbt. Dann kam die nächste Frage. „Was kochen wir?“
„Vater“ Harald sagte: „Ein Kotelett.“ Tja, aber wo bekommen wir ein Kotelett her? Das konnte Annegret nicht besorgen.

Jeder von uns hatte zehn oder zwanzig Pfennig. Damit gingen wir zum Metzger und wollten ein Kotelett kaufen.. Aber unser Geld reichte nicht. Wir warteten noch einige Tage, bis wir genug Geld zusammen hatten. Dann konnten wir es kaufen.

Annegret brachte noch etwas Margarine mit.

Jetzt kam der spannende Moment. Wir zündeten die Kerze in der Feuerstelle an, stellten die Bratpfanne mit der Margarine auf die Steine. Es klappte nicht, so wie es sollte. Die Kerze ging immer wieder aus. Dann sagte der Kumpel von „Vater“ Harald: „Das Feuer braucht Sauerstoff, sonst brennt die Kerze nicht.“ Also stellten wir die Pfanne nicht ganz auf die Steine und ließen einen Spalt offen. Nun brannte die Kerze. Die Margarine schmolz langsam und „Mutter“ Uschi legte das Kotelett in die Pfanne..
Zwischendurch ging die Kerze immer mal wieder aus. Nach einer gefühlten Ewigkeit fing das Fleisch köstlich an zu duften, aber es war immer noch roh .

Der Duft des Fleisches muss wohl durch die Kellertür gedrungen sein, denn plötzlich stürmte ein Hausbewohner wütend herein.

„Was macht Ihr denn hier? Seid Ihr von allen guten Geistern verlassen, wollt Ihr das ganze Haus anstecken?“

Er machte das Feuer aus und jagte uns schimpfend aus dem Keller und schloss die Türe ab.
Was wurde nun aus unserem Kotelett und unseren Spielsachen, die im Luftschutzkeller waren.?

Uschi und Horst-Dieter heulten, weil sie Angst hatten, nach Hause zu gehen. Ich bekam eine Standpauke und wurde belehrt, was hätte alles passieren können., aber am Gesicht meiner Großeltern erkannte ich, dass sie sich ein Lachen nicht verkneifen konnten.

Am nächsten Tag durften wir unsere Spielsachen aus dem Keller holen.
Was mit dem Kotelett geschah, dass weiß ich nicht mehr.

Der Luftschutzkeller war ab diesem Tag für uns für immer verschlossen.
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Constanze Seemann aus Bad Münder am Deister | 20.07.2015 | 18:33  
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Peter Perrey aus Neustadt am Rübenberge | 20.07.2015 | 18:36  
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Barbara Steffens aus Ebsdorfergrund | 20.07.2015 | 18:45  
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Reinhard Naumann aus Marburg | 20.07.2015 | 18:46  
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Gabriele F.-Senger aus Langenhagen | 20.07.2015 | 19:04  
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Basti S. aus Aystetten | 20.07.2015 | 19:12  
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Barbara Steffens aus Ebsdorfergrund | 20.07.2015 | 19:35  
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Peter Perrey aus Neustadt am Rübenberge | 20.07.2015 | 20:30  
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Elfie Haupt aus Einbeck | 20.07.2015 | 20:46  
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Barbara Steffens aus Ebsdorfergrund | 20.07.2015 | 20:56  
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Elfie Haupt aus Einbeck | 20.07.2015 | 20:59  
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Peter Perrey aus Neustadt am Rübenberge | 20.07.2015 | 21:05  
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Elfie Haupt aus Einbeck | 20.07.2015 | 21:07  
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Reinhard Naumann aus Marburg | 20.07.2015 | 21:27  
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Peter Perrey aus Neustadt am Rübenberge | 20.07.2015 | 21:50  
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Reinhard Naumann aus Marburg | 20.07.2015 | 23:12  
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Peter Perrey aus Neustadt am Rübenberge | 20.07.2015 | 23:44  
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Barbara Steffens aus Ebsdorfergrund | 21.07.2015 | 13:12  
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Rainer Bernhard aus Seelze | 25.07.2015 | 03:43  
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Barbara Steffens aus Ebsdorfergrund | 21.09.2015 | 19:17  
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Gerd Szallies aus Laatzen | 16.03.2016 | 14:38  
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Barbara Steffens aus Ebsdorfergrund | 16.03.2016 | 16:54  
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