Radtour zum Aartalsee

Der Aartalsee (Foto: David Linz)
 
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gefahrene Route (Foto: Chris Richter)
 
munteres Radeln (Foto: David Linz)
Radtour zum Aartalsee
17.05.2015
Wie es dazu kam: Eigentlich planten wir einen Wochenendausflug per Rad mit 5 Personen, allerdings waren wir zu spontan und fanden keine Unterkunft, obwohl wir unser Ziel mehrmals veränderten. Wir wollten Samstag, 16.05.15 los radeln und Sonntag wieder zurück kommen. Die Überlegungen reichten von „an der Lahn entlang bis Weilburg“, den „Silbersee in Frielendorf“ oder den „Edersee“. Allerding war nirgendwo mehr eine Herberge für 5 Personen zu finden. Vom Trainingsstand waren wir uns einig dass wir die 60 km nicht viel überschreiten sollten. Also gaben wir uns geschlagen und arbeiteten an Plan B. Wenn wir also ohne Übernachtung radeln wollten, dürfte der Radius nur knapp 30 km sein, damit wir es auch wieder zurück schaffen würden. Nach kurzer Überlegung wählten wir den Aartalsee. Dies ist der zweitgrößte See Hessens, der erst in 1984 aus Hochwasserschutzgründen erbaut wurde. Diese Tour waren drei von uns (P., D.L. und ich) vor etwa 2 Jahren schon einmal gefahren. Allerdings waren wir damals auch besser im Training. Wir schauten uns den möglichen Streckenverlauf an. Zumindest auf dem Hinweg würden wir auch ein paar Höhenmeter zu bewältigen haben. Die Wettervorhersage schwankte, mal hieß es „sonnig und bewölkt mit vereinzelten Schauern“, mal hörten wir was von „sehr durchwachsen“. Aber schließlich gibt es ja kein schlechtes Wetter, nur unpassende Kleidung.

Am Sonntagmorgen trafen wir uns dann zu einem ausgiebigen Frühstück um 8 Uhr, die Abfahrt war für 9 Uhr geplant. Das Wetter war sonnig aber noch recht kühl. Wie schon fast erwartet verzögerte sich die tatsächliche Abfahrt noch um ein paar Minuten. Der eine musste noch Rad aufpumpen, der nächste zur Toilette und der dritte seine Kette vom Dreck befreien. Eine Teilnehmerin wollte noch an den nächsten Geldautomaten und so startete ein Teil der Gruppe um kurz nach neun Uhr schon mal von Heskem nach Ebsdorf zum dort ansässigen Kreditinstitut. Um 09:20 Uhr waren wir endlich wieder vereint und nach kurzen weiteren Schraubereien an den Rädern (hier mal eine Bremse, dort der Tacho) auch startklar. Schon nach wenigen Kilometern zweifelten die ersten an ihrem Durchhaltevermögen, es zwickte hier, es zwickte dort. Hände und Füße waren bald steif und durchgefroren, aber nach und nach wurden wir warm und die Strecke anspruchsvoller. Nach dem ersten Anstieg hinter Fronhausen in Richtung Oberwalgern zogen die ersten ihre Jacken aus, manche Teilnehmer auch noch mehr. Es ging von knapp 168 auf 256 m hoch. Wenn die Sonne dann hinter den Wolken verschwand und es bergab ging, war es wieder recht frisch. Landschaftlich allerdings sehr schön. Weiter ging es in Richtung Reimershausen, Frankenbach, Erda. Die Anstiege waren knackig und es ging noch mal auf weiter rauf bis wir auf über 300 Metern waren. Wir bekamen einige Wildtiere zu Gesicht und die Natur zeigte sich, wie meist im Mai, von Ihrer schönsten Seite. Die Freude war groß als wir endlich einen Blick auf den See werfen konnten und es spornte uns an noch mal alles zu geben. Hier war es auch wieder flacher und so radelten wir zügig auf unser Ziel zu.

Mittlerweile war es eher bewölkt und ein wenig windig geworden. Trotzdem wollten wir ursprünglich gerne an der SeaBeachBaar unsere Rast einlegen. Als wir vor zwei Jahren hier waren, gab es dort einen Imbiss, ein Café und einen schönen Ausblick auf den See. Was mir damals allerdings weniger positiv aufgefallen war, war die Tatsache dass wir zuerst eigentlich Eintritt bezahlen sollten. Nur nach einer ausführlichen Versicherung unsererseits dass wir gar kein Badezeug mithaben und nur kurz etwas essen und trinken wollten ersparte uns diese unnütze Zahlung. Außerdem setzen wir uns damals an einen Tisch in der Nähe des Cafés, ich wollte Kuchen und Kaffee, meine beiden Mitfahrer eigentlich eher eine Currywurst und die Bierzeltgarnituren vor dem Imbiss waren besetzt. Sofort wurden wir darauf hingewiesen, dass für den Verzehr von Lebensmitteln aus dem Imbiss die Bierzeltgarnituren da wären und nicht die Tische vor dem Café zur Verfügung ständen. Letztendlich ließ man uns gewähren. Nun gut. Wieder zur diesjährigen Tour. Die SeaBeachBaar sah anders aus als damals. Geschlossene Gebäude. Gut geplant wie wir so sind, stellten wir fest dass niemand von uns ein Fahrradschloss eingepackt hatte. Die Räder mit rein nehmen war ausgeschlossen. So standen wir da, warfen einen sehnsüchtigen Blick auf die Speisekarte, die Blase drückte, der Magen knurrte. Leckere Gerichte wie „Tomatensuppe“ sprangen uns an, allerdings fand ich diese für über 5 Euro nicht gerade günstig und wir zweifelten ob wir unseren nun schon recht großen Appetit würden befriedigen können. So langsam wurde ich ein wenig zickig. Nach ein wenig hin- und her entschlossen wir uns wieder ein Stück zurück zu radeln um zum Aartalgrill zu fahren. Diesen hatten wir bei der Anreise schon gesehen, da dort aber sehr viele Motorräder hielten, wollten wir es eigentlich ein wenig ruhiger und idyllischer am See genießen. Wieder dort angekommen entdeckte ich einen freien Tisch auf der überdachten und mit einer Art Zeltplane abgehängten Terrasse. Das war zwar nicht ganz wie draußen sitzen, aber da es sowieso gefühlt kühler geworden war ging das auch in Ordnung. Ein Blick in die Speisekarte und ein fröhliches Lächeln im Gesicht einer unserer Mitradler. Hier gab es Currywurst. Schon seit einigen Kilometern hörten wir ihn immer wieder davon träumen. Die Preise waren völlig okay, Cheesburger für etwas über 2 Euro, eine Portion Pommes für 1,50 Euro, Schnitzel unter 8 Euro. Die Bedienung war lustig und nett, die Räder standen direkt in Sichtweite und so blieben wir. Die Getränke kamen superschnell und auch die Bestellung wurde sehr zügig aufgenommen. Nachdem wir uns dann alle ordentlich gestärkt hatten, machten wir uns so langsam wieder für die Rückfahrt startklar. Vor der Tür stand ein Eiswagen und ein Teil der Gruppe wollte gerne noch die 4,9 km Rundweg um den See fahren, also teilten wir uns auf. Ich wollte weder das eine, noch das andere und so wartete ich, bis alle wieder vereint und startklar waren.

Mittlerweile fiel einigen das erneute Aufsitzen schwer, doch es dauerte nur kurz, bis alle wieder im Tritt waren. Glücklicherweise ging es zurück tendenziell mehr abwärts als aufwärts. Trotzdem waren einige Anstiege nicht zu vermeiden. Wir sahen Rehe am Waldrand, Skelette von Wildtieren im Straßengraben und fuhren gutgelaunt weiter. An manchen Wegkreuzungen mussten wir kurz ausdiskutieren aus welcher Richtung wir gekommen waren, aber bis jetzt war es soweit richtig. Man muss dazu sagen, dass wir generell eher ohne Navigation fahren, wir schauen uns die Strecke vorher im Internet an (hier z.B. www.radroutenplaner.hessen.de) und verlassen uns auf unseren (meist) gesunden Menschenverstand. In der Regel bilde ich eher die Nachhut, während P. mit dem besten Rad und den meisten gefahrenen Kilometern zusammen mit D.L., unserem Rennradfahrer, eher weiter vorne agieren. D.R. und C. bilden die Mitte, wobei diese Formatierung auch häufiger mal wechselt. Trotzdem wunderte ich mich etwas als ich nun an D.L. vorbei zog, der immer langsamer wurde und dann stehen blieb. Ich schloss fast zu P. auf, als ich ein lautes Rufen von D.R. und C. hörte. P. und ich drehten um und sahen das Malheur. D.L.´s Rennrad war platt. Und komischerweise mitten in einer Ortschaft, während er die Schotterwege vorher gut überstanden hatte. Blöd. Und wieder mal merkten wir, was wir vergessen hatten. Nicht nur die Radschlösser, nein auch das Flickzeug lag zu Hause. Wir telefonierten und erreichten S., der sich umgehend ins Auto setzen wollte um D.L. abzuholen. Zusammen schoben wir mit ihm an den Ortsausgang von Kirchvers und verabschiedeten uns. Vor uns lagen sicher noch gute 20 km. Weiter ging es und kurz darauf passierten wir wieder eine Kreuzung, an der wir unterschiedlicher Meinung war. Drei gegen einen. P. fügte sich und schloss sich uns an und was soll man sagen? Nach 1-2 km dämmerte uns, dass wir diesen Weg nicht kannten. Wir fuhren trotzdem weiter, irgendwo müssten wir schließlich wieder raus kommen. Ein wenig später erkannten wir, dass wir auf dem Weg zur Schmelzmühle im Salzbödetal waren. Eigentlich lag das nicht auf unserem Weg, aber von dort aus kannten wir den Rückweg, dort waren wir am 01. Mai gewesen. Wir bedauerten nicht die gleiche Strecke wie eben gefahren zu sein und C. regte sich besonders darüber auf. Das brachte uns ein paar unnötige Kilometer zusätzlich ein. Ab Fronhausen ist die Strecke eher langweilig, zumal wir diese schon öfter gefahren waren. Unsere Getränkeflaschen neigten sich dem Ende zu und es wurde zäher. Nun beklagten einige, auch ich, verschiedene Leiden. Das Gesäß tat weh, die Knie waren müde. Ich hatte das Gefühl, dass die letzten 8 km sich zogen wie Kaugummi und ich wollte nur noch eins: nach Hause und runter vom Rad. Irgendwo bei Hachborn verloren wir P., der gerne mal eigene Wege einschlägt und sowieso oft ein gutes Stück voraus radelt aus den Augen und so schrumpften wir immer mehr zusammen. Kurz vor Heskem sahen wir dann P.´s Trikot wieder hinter einem Rapsfeld aufleuchten und D.R. und C. gaben noch mal alles um ihn wieder einzuholen. Nur in kurzen Abständen fuhren wir in die Garage ein und benachrichtigten D.L. über unsere Rückkehr. Die Aufzeichnung einer App zeigte gefahrene 68,8 km an, mein Tacho meinte es seien 71,5, unser Rennradler war 20 km früher unfreiwillig ausgestiegen, dafür aber bei den Seeumrundlern dabei... wie dem auch sei, gefahren waren wir für heute genug. Umgezogen, geduscht, müde aber zufrieden trafen wir uns noch mal in meiner Küche und begossen dies wahlweise mit Kaffee oder Radler. Auch S. und M. kamen noch mal vorbei und wir ließen den Tag ausklingen. Trotz Strapazen: gerne wieder  !!
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Barbara Steffens aus Ebsdorfergrund | 23.05.2015 | 12:50  
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