„Real Fire Days“ bei der Feuerwehr Wittelsberg, eine Ausbildung für Atemschutzgeräteträger.

  Es ist Nacht, der ganze Ort schläft. Plötzlich werden die Bewohner eines Hauses durch ihre Rauchmelder geweckt. Es ist Rauch in der Wohnung zu sehen und zu riechen. Den Bewohner wird schnell klar, hier stimmt was nicht! Sie verlassen die Wohnung und rufen die Feuerwehr.

Ein paar Häuser weiter….

Der „Piepser“ eines Feuerwehrmitglieds reißt ihn mit seinem lauten Weck Ton aus den Träumen. Die Durchsage hört er nur vage. Schnell was überziehen und ins Feuerwehrhaus. Beim Verlassen seiner Wohnung sieht er im Nachbarhaus leichten Feuerschein durch ein Fenster und seine Nachbarn stehen aufgelöst auf der Straße. Ihm wird klar, das ist was Ernstes.

Im Feuerwehrhaus angekommen, wird er als Angriffstrupp eingeteilt, das heißt er wird sich zusammen mit einem zweiten Atemschutzgeräteträger in die brennende Wohnung begeben und das Feuer bekämpfen. Er beginnt sich während der Anfahrt zu dem Einsatzort bereits mit dem Atemschutzgerät aus zu rüsten und denkt dabei: Das ist mein erster Einsatz unter Atemschutz! Was wird mich in der Wohnung erwarten, sind alle Bewohner sicher nach draußen gekommen, wie heiß wird es sein, kann ich mich orientieren oder ist schon alles verraucht und meine Sicht eingeschränkt?

Das und vieles mehr geht ihm durch den Kopf und das obwohl er noch vor wenigen Minuten im Tiefschlaf war.

Der Angriffstrupp geht mit seiner schweren Ausrüstung (Feuerschutzkleidung, Atemschutzgerät, Feuerwehraxt und einem mit Wasser gefüllten Schlauch) in die brennende Wohnung.

Es ist dunkel, aber man kann im Schein der Taschenlampe noch recht gut sehen, am Ende des Flurs ist unter der Tür ein heller Streifen und man sieht dichten schwarzen Rauch aus den Türspalten kommen. Sie haben den Einsatzort gefunden. Gemeinsam gehen sie zu der Tür…….
Dort angekommen rufen Sie sich in Erinnerung:

Was haben wir neulich bei dem Seminar in Wittelsberg gelernt??
Wie öffne ich die Tür
Was muss ich machen, wenn es zu einem „Flash Over“ kommt
Kühlen des Raumes mit kurzen Sprühimpulsen aus dem Hohlstrahlrohr
Betreten des Raumes und Brandbekämpfung mit Sprühimpulsen, um den Wasserschaden so gering wie möglich zu halten
Und das wichtigste: Sicher wieder raus kommen

Um sich auf eine solches Szenario vorbereiten zu können veranstaltete die Feuerwehr Wittelsberg Anfang Juni nunmehr zum zweiten Mal zusammen mit der Firma „Real Fire Solutions GmbH“ ein Ausbildungswochenende mit Teilnehmern aus Wittelsberg, Neustadt (Hessen), Cölbe Reddehausen und Bad Vilbel Dortelweil.

Neben einem theoretischen Unterricht erfolgt auch eine Unterweisung am Hohlstrahlrohr um die Vorteile dieser Strahlrohre im Einsatz richtig nutzen zu können. Vor dem Gang in die Brandübungsbox steht eine gründliche Einweisung in den bevorstehenden Übungsablauf auf dem Programm. Die Ausbilder der Freiwilligen Feuerwehr Wittelsberg Ralf Olemotz, Alexander Hormel und Matthias Vaupel führen im Jahr zahlreiche dieser Übungen durch. „Jeder Atemschutzgeräteträger sollte mindestens einmal diese Übung mitmachen“ fordert Ralf Olemotz und ergänzt, dass für viele Übungsteilnehmer diese Übung der erste Kontakt mit einem solchen Feuer überhaupt ist. „Wir führen den jungen Männern und Frauen vor Augen, was passiert bei einem Flash Over, worauf sie achten müssen.
Neben der Brandbekämpfung in Gebäuden trainieren wir während des Seminars auch das taktisch richtige Löschen am Fass- und Gasflaschenbrandmodul, einem Industriebrandmodul und einer 4m x 6m großen Flüssigkeitsbrandanlage“, erläutert Ralf Olemotz den Übungsablauf. Schon beim Anlegen der Schutzkleidung macht sich unter den Probanden eine leichte Beklommenheit breit. „Ich gehe durchaus mit gemischten Gefühlen in die Brandübungsbox“, äußert sich ein junger Feuerwehrmann und auch die anderen atmen noch einmal tief durch, bevor sie sich auf den Weg machen. „Es ist sicher eine außergewöhnliche Situation für die Teilnehmer“, sagen die Ausbilder, aber fügen hinzu, dass nichts passieren könne. “Rechtzeitig melden, wenn man sich nicht wohl fühlt und nicht den Helden spielen“, raten die Ausbilder, bevor es losgeht. Nach Übungsende sind alle erleichtert und stolz, dass sie es durchgestanden haben. Und das Wichtigste: Sie sind um die Erfahrung reicher, dass auch in gefährlichen Situationen bei richtigem Verhalten die Lage in den Griff zu bekommen ist.

Der Einsatz unter Atemschutz gehört bei den Brandeinsätzen der Feuerwehr zur Königsdisziplin. Neben dem psychischen Stress bei der Suche nach Vermissten, ist die Einsatzkraft einem enormen physischen Stress ausgesetzt.

Die schwere Einsatzkleidung und das Atemschutzgerät (ca.25 kg), die eingeschränkte Sicht durch Rauch und nicht zuletzt die enorme Hitzeentwicklung, direkt über den Köpfen der Trupps herrscht eine Temperatur von ca. 250°C, unter der Decke des Raumes sind es ca. 600°C. Anhand der Daten wird schon deutlich, dass die Atemschutzgeräteträger, die zum Brandherd vordringen, zu dem am gefährdetsten Personenkreis bei der Brandbekämpfung gehören.



Für die permanente Versorgung von Trinkwasser, isotonischen Getränken, Kaffee, Kuchen und Essen sorgte mit großem Engagement die Einsatzabteilung der Freiwilligen Feuerwehr Wittelsberg.

Fotos: Feuerwehr Wittelsberg
Text: R.Olemotz, A.Hormel, S.Waldeck
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