Mennoniten gegen den Krieg

Arbeitsgemeinschaft Mennonitischer Gemeinden in Deutschland K.d.ö.R.

Offener Brief an dieAbgeordneten des Deutschen Bundestages

www.mennoniten.de

Entscheidung des Deutschen Bundestages vom 4. Dezember 2015 zum militärischen Einsatz der Bundeswehr in Syrien

Sehr geehrte Damen und Herren!

Sie haben mehrheitlich das Mandat für den Bundeswehreinsatz in Syrien erteilt.
Wir sehen diesen Beschluss mit größter Sorge und distanzieren uns ausdrücklich von dieser Entscheidung. Wir werden dies auch unsere internationale Gemeinschaft wissen lassen.

Wir verstehen,
... dass Sie sich nach den fürchterlichen Terroranschlägen, die auch uns zutiefst bestürzt
haben und die wir ausdrücklich verurteilen, aufgefordert sehen zu handeln.
... dass Sie dem Aufruf der französischen Regierung zur Hilfe in der Bekämpfung dieses
Terrorismus nachkommen wollen.
... dass Sie um die Sicherheit der Bevölkerung besorgt sind.
... dass Sie – gemeinsam mit anderen – Verantwortung übernehmen wollen, Verbrechen des sog. „Islamischen Staates“ zu verhindern und für Frieden in Syrien sorgen wollen.

Aus all diesen verständlichen Motiven folgt aus unserer Sicht nun aber gerade nicht, sich in Syrien militärisch zu betätigen.

Die Terroranschläge in Paris waren ein Verbrechen, kein militärischer Angriff auf Frankreich und seine Verbündeten. Daher sollten diese Verbrechen auch entsprechend rechtstaatlicher Verbrechensbekämpfung verfolgt werden. Auch wir meinen, dass wir unsere französischen Freunde in dieser Zeit der Bestürzung nicht alleine lassen dürfen. Ein Zeichen echter Freundschaft wäre es nun, sie auch kritisch zu begeleiten. Die Kriegsrhetorik und der Aufruf zu den Waffen erscheint uns von dem reflexhaften Wunsch nach Vergeltung und Bestrafung der vermeintlichen Täter getrieben zu sein. Solidarität müsste sich darin erweisen, vor blindwütigem Handeln zu bewahren und zur Besonnenheit
zu ermutigen.

Wir sind keineswegs davon überzeugt, dass durch weitere militärische Einsätze mehr Sicherheit geschaffen wird. Vielmehr befürchten wir in der Folge eine noch stärkere Ausbreitung des Terrors, da militärische Einsätze genau der Gewaltlogik folgen, die von Terroristen kultiviert wird.

Wir meinen, dass Ihre Entscheidung zum militärischen Einsatz die „gewachsenen Verantwortung Deutschlands in der Welt“, die von der deutschen Regierung seit einigen Jahren so eindringlich beschworenen wird, geradezu in Frage gestellt wird. Der Verzicht auf militärische Einsätze würde der historisch gewachsenen, besonderen Verantwortung Deutschlands gerecht
und trüge zur Glaubwürdigkeit einer Politik zum Frieden bei. – Das Abschneiden der Finanzströme des sog. „IS“, das Verhindern von Waffenlieferungen, die Unterbindung des Öl-Handels sind ja möglich!

Noch wichtiger scheint uns jedoch die Entwicklung einer politischen Zukunft für die Menschen in der betreffenden Region. Dazu gehört ein politisch kluges und diplomatisch geschicktes Einbinden aller Beteiligten des Bürgerkrieges in Syrien, ohne Rücksicht auf eigene ökonomische Vorteile. Dazu gehört auch die Entwicklung einer Aussicht auf ein Leben in ökonomisch gerechten Verhältnissen, zunächst durch umfangreiche Unterstützung von Hilfsorganisationen, dann dem Aufbau von (rechts-) staatlichen Institutionen und zivilen Einrichtungen.

Aus unseren kirchlichen Kontakten in der Region wissen wir, dass Vertrauen das höchste Gut für den Aufbau einer solchen Zukunft ist. Gerade dies sehen wir nun durch Ihre Entscheidung erschüttert, weil Sie unser Land so eindeutig wie unnötig zur Partei in diesem Konflikt erklären, anstatt – politisch verantwortlich – die Chance auf Vermittlung und Verhandlungen zu wahren.

Abgesehen von der völlig umstrittenen Rechtsgrundlage dieses militärischen Einsatzes sowie der Fragwürdigkeit einer Aussicht auf militärischen Erfolg, wollen wir Ihnen sagen: Diese Entscheidung haben Sie nicht in unserem Namen gefällt!

Mit freundlichen Grüßen,
im Namen des Vorstandes der Arbeitsgemeinschaft Mennonitischer Gemeinden in Deutschland
(Doris Hege, Vorsitzende)

Endlich mal jemand, der sich traut, die Wahrheit zu sagen.
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Romi Romberg aus Berlin | 15.12.2015 | 00:46  
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