Kunstverein Rheinland und Westfalen

Die Düsseldorfer Altstadt ist nach eigenem Bekunden die „längste Theke der Welt“. Doch es gibt dort mehr als Bier und Gastronomie. Auch geistige Nahrung in Form von Kirchen und Museen ist dort vertreten. „Wir sind allerdings kein Museum,“ betont Hans-Jürgen Hafner. Der Historiker, Literaturwissenschaftler und Kunstkritiker aus Freystadt / Oberpfalz leitet seit 2011 den Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen. „Der Verein wendet sich an Westfalen und die gesamten Rheinlande.“ Doch Vorsicht! Der Name verwendet dabei einen historischen Begriff und meint mit dem Rheinland den damaligen, im 19. Jahrhundert gebräuchlichen Verwaltungsbegriff.

Der Kunstverein wurde 1829 gegründet. Er gehört damit zur ersten Generation deutscher Kunstvereine. Nach eigenen Angaben gehören ihm derzeit weit über 3.000 Mitglieder an. Die Mitglieder sind im Durchschnitt über 50 Jahre alt und stammen mehrheitlich aus Düsseldorf und der Umgebung, wie Hafner berichten kann.

Seit 1967 ist der Kunstverein mit Ausstellungsräumen und Büros dauerhaft im zweiten Geschoß der von Konrad Beckmann entworfenen Kunsthalle Düsseldorf am Grabbeplatz angesiedelt. Was ihn von einem klassischen Museum unterscheidet? „Es fängt schon damit an, daß wir keine eigene Sammlung haben,“ erzählt Hafner. Das Sammeln und Bewahren spielen demzufolge auch keine Rolle; das Zeigen, das Präsentieren von Kunst stehen im Mittelpunkt. „Es erfüllt die Mitglieder mit Stolz, etwas mit Kunst zu tun zu haben und damit machen zu können.“

Zu den wichtigsten Ausstellungen in der Vergangenheit zählen ”Meisterwerke des 15.-20. Jahrhunderts“ mit Werken von Raffael bis van Gogh aus dem Museum in São Paulo, die Weltausstellung der Photographie und eine Werkschau von Aristide Maillol. Eine besondere Bedeutung für die Ausrichtung des Kunstvereins hatten jedoch die Ausstellungen zeitgenössischer Kunst. Die Ausstellungen von Peter Brüning (1956), Jackson Pollock (1961), Gerhard Richter (1971) oder die frühen Projekte der Gruppe 53 (1956) seien hier als Beispiele genannt. Die vom Kunstverein gemeinsam mit Hanna Höch, Max Ernst und Man Ray organisierte DADA-Ausstellung im Jahr 1958 war nach Angaben des Kunstvereins „nicht nur eine international wichtige Ausstellung, sondern hat für die in Düsseldorf entstandene Fluxus-Bewegung entscheidende Impulse gegeben“.

Der Kunstverein veranstaltet öffentlich zugängliche Ausstellungen und Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen. Sie sollen nicht nur künstlerische Fragestellungen behandeln, sondern auch Themen der Politik und Gesellschaft einbeziehen. Ein umfangreiches Vermittlungsprogramm mit Führungen und Kunstreisen richtet sich speziell an die Mitglieder – sie gehören zur eigentlichen Zielgruppe des Ausstellungsortes. Seit 2013 richtet außerdem der Kreis „Junge Mitglieder“ eigene Veranstaltungsreihen mit Atelierbesuchen und Vorträgen aus.

In den Ausstellungen des Kunstvereins spiegelt sich nach eigener Aussage „der jeweilige ästhetische und gesellschaftliche Stand der gegenwärtigen Kunst wider.“ Für die Programmatik des Kunstvereins ist entscheidend, aktuell relevante Themen und Tendenzen in der Praxis wie in der Theorie der Kunst aufzuspüren und als Ausstellung bzw. in der Vermittlung zur Diskussion zu stellen. Es sollen unbekannte jüngere, gerade aber auch in der öffentlichen Wahrnehmung bisher nicht hinreichend repräsentierte Künstlern vorgestellt und die Auseinandersetzung mit ihrer Kunst vorgestellt werden. Die Zuordnung zu einer bestimmten Kunstform, etwa Malerei, Bildhauerei, Objektkunst, Fotographie oder Video, spielt bei erst einmal keine Rolle.

Die öffentlichen Ausstellungen werden für die Vereinsmitglieder gemacht; sie müssen nach Meinung von Hafner daher nicht dem öffentlichen Geschmack entsprechen. Für ihn ist es ein „Kuriosum“, daß Kunsthalle und Kunstverein in ein und demselben Gebäude untergebracht. „Unser Angebot: Man kann hereinkommen und sich die Ausstellung anschauen. Wir freuen uns, wenn sie auf ein allgemeines Interesse stößt. Der Mehrwert wird erzeugt, wenn sich die allgemeine Idee der Kunst und das private Interesse überschneiden. Die Gemeinnützigkeit unseres Vereins ist durch die Öffentlichkeit hergestellt.“

Wer das Museumsgebäude betritt, landet erst einmal im Foyer (einschließlich des Treppenhauses). Als Mehrzweckraum wir es vom Kunstverein genutzt. Rechts vom Eingang befindet sich der Museumsshop, links die Räume für Toiletten und Garderobe. Die Räumlichkeiten links von der Treppe sind für die Ausstellungen des Kunstvereins, die Räume rechts der Treppe werden von der Kunsthalle genutzt. Sind die Räume der Kunsthalle schon eine architektonische Besonderheit mit ihrer Ausdehnung über mehrere Etagen, bietet der Kunstverein eher klassische Museumsarchitektur.

Da es nur eine gemeinsame Kasse gibt, verbietet sich die Frage nach Besucherzahlen. Da sich faktisch nicht auseinanderhalten läßt, wer als Besucher welche Kunstpräsentation besucht, würde Hafner hier auch keine genauen Angaben machen können.

Rund 260.000 € stehen dem Kunstverein pro Jahr für seine Arbeit zur Verfügung. Die Mitgliedsbeiträge fließen in diese Summe mit ein, aber auch Sponsorengelder der Stadt Düsseldorf und der örtlichen Stadtwerke.
Wer Informationen zu den aktuellen und geplanten Ausstellungen sucht, kann sie im Internet unter www.kunstverein-duesseldorf.de finden.
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