Hornemann trifft Lehmbruck
Duisburg: Lehmbruck Museum | Gleich drei Ausstellungen auf einmal sind ab dem 10. Februar, also morgen, im Lehmbruck-Museum zu sehen. "Wenn die Welt in diesem Jahr zur documenta in Kassel kommt, können wir in Duisburg ein Museum präsentieren, das aktuell ist. Wir suchen in der Handwerklichkeit, in der Visualität, in der Konzeptualität," berichtet Prof. Dr. Raimund Stecker, der Museumsdirektor.
"Alle drei Künstler, die ausstellen, haben mit der Bildhauerei zu tun, können als Bildhauer bezeichnet werden. Sie haben aber auch alle drei die klassische Bildhauerei verlassen," berichtet Michael Krajewski, einer der beiden Kuratoren der Ausstellung.
Die Ausstellung "Kris Martin: `Mandi´" ist vom 10. Februar bis 17. Juni 2012 zu besichtigen. Mit ihr kann der Ausstellungsrundgang beginnen.
"Die Laokoon-Gruppe in den Vatikanischen Museen ist eine der bedeutendsten antiken Skulpturen, enstanden Anfang des 1. Jahrhunderts in Rom. Diese aufwühlende Darstellung des Todeskampfes Laokoons und seiner Söhne hatte bereits Plinius der Ältere hoch gelobt, und als sie 1506 in Rom ausgegraben wurde, erweckte sie unter Künstlern und Literaten erneu Begeisterung.
Den Dichter Gotthold Ephraim Lessing regte die Marmorskulptur beispielsweise zu seinem berühmten Aufsatz `Laokoon oder Über die Grenzen der Malerei und Poesie" über die Unterschiede zwischen Bildender Kunst und Literatur an. Der junge belgische Künstler Kris Martin (geboren 1972) nimmt die wohl berühmteste Skulptur der europäischen Geistesgeschichte zum Thema und Motiv, das er mit einem - nur dem aufmerksamen Betrachter erkennbaren - Eingriff variiert," berichtet die Pressemappe.
"Es ist eine kleine Ausstellung mit einem großen Ausstellungsstück. Ich würde würde ihn als Enkel von Marcel Proust bezeichnen," berichtet Krajewski. "Dies ist ein Exempel einer volleindeten Skulpturen - so loben Marins Zeitgenossen. Er ist ein melancholischer Konzeptkünstler. Er hat hier den Tod thematisiert. Wir haben keinen kühl kalkulierbaren Konzeptkünstler ausgewählt, sondern jemanden, der ins Thema paßt."
Die Ausstellung "Georg Hornemann `Objets d`Arts´ ist vom 10. Februar bis 11. März 2012 ebenfalls im Erdgeschoß zu sehen. Für die durchaus sehenswerkten Exponate wurde eine eigene Wunderkammer gebaut, ein schwarzer, begehbarer Raum nur für diese filigranen Arbeiten, die von einem hohen handwerklichen Können zeugen.
"Das komplette Oeuvre von Georg Hornemann sprengt die herkömmliche Wahrnehmung traditioneller Juwelierkunst - im Vordergrund vieler seiner Werke steht die skulpturale Wirkung. Das Museum widmet dem Schmuckkünstler Georg Hornemann erstmalig die Ausstellung einem musealen Kontext.
Georg Hornemann - Goldschmied und Künstler - hat seit den frühen 60er Jahren seinen persönlichen Stil und damit verbunden einen souveränen Umgang mit Technik und Material entwickelt. In seinen Werken ließ er sich immer wieder von den unterschiedlichen Einflüssen und Stilrichtungen, aber vor allem von Kunst, Architektur und der Natur inspirieren und setzte die Anregungen in seinen vielseitigen Goldschmiedearbeiten um. Bereits 1967 bekam er die erste internationale Auszeichung für herausragende Schmuckgestaltung und gewann in Folge fast alle bedeutenden Wettbewerbe.
In einer eigens für das Museum geschaffenen Raumarchitektur, die im Innern an eine Wunderkammer erinnert, werden komplexe Ringkreationen, Objekte und Skulpturen präsentiert, die vorwiegend in den letzten fünf Jahren entstanden sind. Kleinplastiken nehmen neben den Objekten und RIngskulpturen den Hauptplatz in der Ausstellung ein. Sie wurden zum größten Teil in Bronze gegossen. Daneben gibt es eine kleine, beeindruckende figurative Gruppe in Gold," berichtet die Pressemappe.
Nach seinen Vorbildern unter den Künstlern und Goldschmieden gefragt, berichtet der durchaus sympathische, freundliche und umgängliche Mann, der in Dessau geboren wurde, aber seinen beruflichen Schwerpunkt in unserer Nachbarstadt Düsseldorf gefunden hat, daß alle Motive von ihm selbst entwickelt und in seiner Werkstatt geschaffen wurde. "Ich bin Schmuckdesigner und Schmuckgestalter," berichtet er. Auch in diesem Ausstellungsteil geht es um den Tod, der ja bekanntlich häufig als tanzendes Skelett dargestellt wird.
Zuletzt geht es für den Besucher zu dem Ausstellungsteil "Nicola Schrudde `(Glanz der Nacht / Installation für das LehmbruckMuseum)`".
Schrudde wird nach den Worten von Kurator Krajewski nicht umsonst im Souterrain in Szene gesetzt, "diesem flachen, dunklen Raum, der oft für Videoinstallationen oder Grafiken genutzt wird. Es sind Abhandlungen über die Dunkelheit, aber auch über die Veränderung, aber auch über die Veränderung der Skulpturen im Lichtschein der Videoprojektionen. Bei all dem knüpfen Schruddes Arbeiten nicht nur an die Natur, sondern auch an Erfahrungen des Reisens, des Spazierens und des Unterwegsseins an. In der Kombination aus Video, Skulptur und Installation sind ihre Räume ständig in Bewegung. Schruddes Arbeiten stehen ohne Titel den Besucerhn gegenüber, der erste Eindruck ist dem Blick gewidmet, unbelanstet können sie auf die Objekte zugehen, sich ohne Vorwissen auf die DInge einlassen, auch in dem unruhigen Flackern, welches Schruddes Arbeiten so oft eigen ist."
Konzeptkunst und damit überall reproduziertbar, nein, das ist dieser Teil der Ausstellung nu wirklich nicht. "Konzeptkunst ist ein Zeichen von Reichtum. In den `80er Jahren dachten Museumsdirektoren, man könne so etwas machen," hält Krajewski dem entgegen.
Das Museum hat hier durchaus eine sehenswerte Ausstellung geschaffen.

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