Mein Buchtipp: Showdown von Dirk Müller

(Foto: Droemer Verlag)
 
(Foto: Droemer Verlag)

Dirk Müller wird oft als "das Gesicht der Börse" bezeichnet. Als „Mr. Dax“ sitzt er regelmäßig in den Talkshows des öffentlich-rechtlichen Fernsehens, bei Maybritt Illner, Günther Jauch, Frank Plasberg oder Reinhold Beckmann. Jetzt scheint es so, dass er mit seinem letzten Buch „Showdown“ übers Ziel hinaus geschossen ist. Spiegel online wirft ihm vor, dass er hier in Verschwörungstheorien abgleitet. Müller dachte nach eigenem Bekunden bei dem Titel eher an den klassischen Showdown im Western.

Denn die aktuelle Krise ist nicht nur das Ergebnis maßloser Staatsschulden, sie soll auch Teil eines amerikanisch-europäischen Wirtschaftskrieges sein, der hinter den Kulissen tobt. Die Krise in Griechenland sei womöglich bewusst durch die USA ausgelöst worden. Die Amerikaner bzw. amerikanische Ölkonzerne wollten sich die vage vermuteten riesigen Öl- und Gasvorkommen im östlichen Mittelmeer unter den Nagel reißen. Wie viele Rohstoffe wirklich im Mittelmeer liegen, können allerdings erst Probebohrungen ergeben. Leider bleibt Müller in seinem Buch aber die Quellen schuldig und beruft sich auf griechische Freunde und gut unterrichtete Kreise.
Und außerdem wollten die USA die Euro-Zone destabilisieren, um den Aufstieg des Euro zur weltweiten Leitwährung zu verhindern. Der Euro in seiner heutigen Form schnüre vielen Staaten praktisch den Atem ab, weil er für deren Wirtschaftsleistung einfach viel zu stark, für andere wie Deutschland zu schwach sei, was die Kaufkraft der Bürger schwäche, sagt Müller in einem Verlagsinterview.„Die Schwankungen von Währungen untereinander vor allem eine Ausgleichsfunktion zwischen den Staaten. Z.B. haben Staaten mit einer etwas schwächeren Wirtschaftsleistung auch eine etwas schwächere Währung, hierdurch wird es für die anderen Staaten wieder interessanter, dort einzukaufen“, so Müller. „Das Ganze liest sich eigentlich mehr wie ein spannender Wirtschaftskrimi – gewürzt mit einigen unterhaltsamen Anekdoten, Hintergrundinformationen und Exkursen“, sagt Müller selbst im Interview.

Auch Müllers Lösungsvorschlag für die Krise klingt eigentlich ganz einfach: Er will staatlich garantierte europäische Infrastrukturfonds schaffen, mit denen die Energiewende finanziert werden soll. Das Geld soll von reichen Privatleuten und Versicherungskonzernen kommen. Die Investitionen lösten einen Boom an Steuereinnahmen aus, mit dem die Staaten ihre Schulden dann leicht zurückzahlen könnten. „Es ist wichtig zu erkennen, dass die Lösung in Sachwerten liegt. Es geht nicht darum, das Geld zu horten, sondern das Geheimnis besteht darin, das Geld auszugeben und zu investieren. Es wurde ja dem System schlicht entzogen und muss nun rückgeführt werden“, erklärt Müller. Der Staat könnte diese Anlageform unterstützen, indem er die Investition in Infrastrukturprojekte als Altersvorsorge im Bereich der Riester-Rente akzeptiert oder steuerliche Vergünstigungen für Erträge aus diesen Projekten anböte. Das Konzept habe er bereits „hochrangigen Vertretern“ in Wirtschaft und Politik vorgetragen und alle seien begeistert gewesen.

Auch diesmal erklärt Müller die Wirtschaft in seinem lockeren Plauderton: Economy light für seine Fangemeinde. „Wirtschaft darf Spaß machen“, sagt Müller zum Schluss des Interviews. Und wer nicht alles ganz ernst nimmt (hinter seine Verschwörungstheorien hat Müller im Nachwort seines Buches selbst ein Fragezeichen gesetzt), hat eine unterhaltsame Lektüre, die vielleicht aber auch den einen oder anderen Nachdenkens werten Hinweis darauf gibt, wie man Europa anders machen könnte, ohne gleich die EU aufzulösen und den Euro abzuschaffen. Und vielleicht gibt es im Mittelmeer ja doch riesige Gasvorkommen und Griechenland kann seine Schulden schneller zurückzahlen als gedacht.

Dirk Müller: Showdown, Droemer Verlag 2013.
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