Russisches Davos. Der Versuch Putins, Wirtschaftskollaps zurückzuhalten

Die Sanktionen sind doch die Sanktionen, aber das Economic Forum in St. Petersburg (die internationale Wirtschaftskonferenz) wird bei jedem politischen Wetter stattfinden. Um so mehr, dass Präsident Putin selbst auf das Forum ankommen wird. So gilt die gegebene Veranstaltung als Rubikon der Präsentation Russlands auf der internationalen Arena.

Obwohl die USA und Europa wieder bedrohen, das neue Paket der harten Wirtschaftssanktionen anzuwenden, die ihrer Meinung nach einen deutlichen Schlag sowohl der russischen Wirtschaft als auch dem grossen und mittleren Business versetzen sollen, wenden Russland und Putin Aufmerksamkeit dieser schon gewohnheitsmäßigen Drohungen wenig zu.
Noch mehr wird es auf das am 22-24. Mai eingeplante internationale Wirtschaftsforum das Eintreffen der sehr bedeutenden Delegation einschließlich des amerikanischen und europäischen Business erwartet.
Unbedingt spielt die Ukraine-Krise insbesondere die heftige Verschärfung der Situation eine negative Rolle. Aber doch nicht nur die Druckverstärkung auf Russland sondert auch einige erwartende Senkung des Status der ausländischen Delegationen verhindern nicht, das Forum stattzufinden.
Wie wir sehen können, beeinflussen Drohungen, die Sanktionen anzuwenden, die Attraktivität des russischen Business und die ausländischen Investoren wenig, die auf dem Gipfel durch die starre Aufmerksamkeit des Präsidenten Putin gewährleistet werden.
Die Zureden der Assistenten von Barack Obama, die persönlich die Top-Meneger der grossen amerikanischen Unternehmen anriefen und baten, die US Sanktionspolitik gegen Russland zu unterstützen und das St.-Petersburger internationale Wirtschaftsforum zu ignorieren, finden einiges Verständnis unter den amerikanischen Businesshaien.
Klaus Kleinfeld, der Vorstandsvorsitzende des Aluminiumkonzerns Alcoa, bleibt ebenso zuhause wie Indra Nooyi, die Chefin des Nahrungsmittelherstellers Pepsico oder Michael Corbat und Charlie Scharf von den Finanzanbietern Citigroup und Visa. Laut Medienberichten wollen auch Lloyd Blankfein und James Gorman, die Vorstandschefs der Banken Goldman Sachs und Morgan Stanley, nicht mehr nach St. Petersburg kommen.
Die Chefs der grossen amerikanischen Unternehmen fürchten sich, dass die einseitigen verhängten Sanktionen in Bezug auf ganze wirtschaftlichen Sektoren in dazu bringen wird, dass sie ihre Geschäfte mit den russischen Staatsunternehmen einbüßen werden. Der Markt wird so für den europäischen Wettbewerber öffnen. Und diese Besorgnis hat allen Grund.
Es glückt doch schlecht für die europäischen Politiker, den Widerstand des grossen europäischen Business zu überwinden, das die engen Beziehungen mit Russland hat und nicht wünscht, die riesigen Gewinne zu verlieren. Als entlastender Beweis bringt man bei, dass die europäische Wirtschaft nur beginnt, die Krise zu überwinden und die neuen Probleme in Gefahr die europäische Wirtschaft bringen können. In Wirklichkeit ist das grosse Business einfach nicht bereit, die Schäden zu leiden und zwingt die Politiker, mit Putin liebevoll zu regeln.
Deutsche und europäische Konzernmanager denken denn auch gar nicht daran, wegen der Ukraine-Krise ihre Reisepläne zu ändern. So beabsichtigt Metro-Vorsitzender Olaf Koch zu reisen. Auch der für das Öl- und Gasgeschäft zuständige BASF-Vorstand Harald Schwager sieht nach eigenen Worten keinen Grund für eine Absage.
Auch Top-Manger aus Europa ändern wegen der politischen Krise ihre Pläne bisher nicht. Aus den Niederlanden reisen Philips-Vorstandsvorsitzende Frans van Houten und der Rotterdamer Hafendirektor Allard Castelein an. Die Schweiz wird stark vertreten sein, Absagen wurden nicht bekannt. Prominent ist der Bankensektor vertreten. Credit Suisse hat vier Vertreter gemeldet, Konkurrent UBS sogar acht Manager. Die Rohstoffkonzerne Glencore Xstrata und Mercuria haben ihr Kommen zugesagt.
Deswegen hat Putin mit der Ukraine richtig verrechnet und einstweilen kann niemanden ihn zu verhindern. Alles geht dazu, dass der souveräne Staat die Ukraine in diesem Geschäftsspiel als Kleingeld wird. Obwohl das politische Klima von Tag zu Tag verschlimmert und die Erklärungen der Politiker härter werden, wird dieser Umstand kaum stören, der Festigung der Zusammenarbeit zwischen dem amerikanischen und europäischen Business und Russland.
Das internationale Wirtschaftsforum in St. Petersburg wird in jedem Fall stattfinden. Um so mehr, dass der Präsident Putin persönlich achtgeben wird, wer der Chefs der grossen westlichen Unternehmen da ist und wer die Vertreter senden.
Entsprechend können die weiteren Geschäftsbedingungen in Russland für solche ausländischen Unternehmen heftig geändert sein und nicht auf die beste Seite. Wie es bekannt, kann Putin grausam und unberechenbar sein. Wessen Ansatz in diesem Fall maßgeblicher wird, wird die Zeit es lehren.
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