Wandern im Geopark- Schäferweg bei Nördlingen ist nun ausgeschildert

Der Geopark Ries wurde am vergangenen Montag um eine Attraktion reicher: Der durch Landrat Stefan Rößle und Oberbürgermeister Herman Faul eröffnete „Schäferweg“ südlich von Nördlingen markiert nun den ers-ten ausgeschilderten Geopark-Wanderweg. Der Rundwanderweg verknüpft auf seinen 18 Kilometern Länge geologisch und archäologisch herausragende Sehenswürdigkeiten und präsentiert die typischen Heidelandschaften des Riesrandes.

Seit dem 6. Oktober können sich interessierte Wanderer auf die Pfade eines traditionellen Wanderschäfers begeben. Dabei rückt der Streifzug entlang ausgedehnter Wacholderheiden und Kalkmagerrasen vor allem Details des Meteoriteneinschlags vor etwa 15 Mio. Jahren in den Vordergrund. So genannte „Ereignistafeln“ geben an charakteristischen Standorten Aufschluss über markante geologische Phänomene. Neben dem Ries-Ereignis beschreiben insgesamt sieben Stationen auch besiedlungsgeschichtliche und naturräumliche Besonderheiten. Im Verlauf des 18 Kilometer langen Weges erhalten Besucherinnen und Besucher einen Eindruck von der Themenvielfalt, die einen Geopark ausmacht.
Anschaulich und wissenschaftlich korrekt
Der Schäferweg, ein gemeinsames Projekt des Geoparks Ries, der Stadt Nördlingen und der Wanderoffensive des Ferienlandes Donau-Ries, bereichert das Netz an geologischen Wanderwegen. Was diesen Rundwanderweg allerdings so besonders macht, ist seine Beschilderung. Wie lässt sich das Einschlagsereignis möglichst anschaulich und doch wissenschaftlich korrekt darstellen? Dieser Frage gingen Prof. Dr. D. Stöffler gemein-sam mit seinen Kollegen Dr. T. Kenkmann und Prof. Dr. W. U. Reimold intensiv auf den Grund. Drei grafische Grundelemente finden sich auf jedem Schild wieder, daneben bekam jede Tafel ein Schwerpunktthema. Jede Infotafel verdeutlicht den Ablauf der Rieskatastrophe, eine Zeitreiseleiste – eine Idee der ersten Stunde – soll dem Betrachter Orientierung im Lauf der Jahrmillionen geben. Bei der Übersichtskarte, einem weiteren Grundelement, achtete man zudem auf optische Ähnlichkeit zum Internetauftritt des Geoparks Ries. Dadurch können Besucherinnen und Besucher leicht erkennen: Hier ist der Geopark Ries!
Der Schäferweg vermittelt nicht nur Erkenntnisse aus Riesforschung und Landeskunde, sondern setzt auch Ergebnisse der aktuellen Tourismusstudien in die Praxis um. Demnach erfreut sich Wandern zunehmender Beliebtheit, vor allem auch aufgrund seiner gesundheitlichen Wirkungen. Außerdem zeigen neueste Untersuchungen, dass attraktive Tagestouren, die auf naturnahen Wegen schöne Aussichten und Sehenswertes wie Burgen oder Steinbrüche präsentieren, in der Gunst der Wanderer ganz oben stehen. Qualitäten also, die dem Schäferweg äußerst gut zu Gesicht stehen und den Wandertourismus in der Region stärken.
Wechselvolle Geschichten und Bayerns schönste Geotope
Der Startpunkt der Wanderung befindet sich in Nördlingen, bei den Parkplätzen nahe dem Freibad Marienhöhe oder alternativ dazu auf dem Parkplatz „Alte Bürg“, wenige Kilometer stadtaußerhalb. An Feldern entlang durch die westliche Riesebene führt der Schäferweg den Kraterrand hinauf zum Riegelberg und zu den berühmten Ofnethöhlen. Der Rückweg der Entdeckungsreise folgt dem Flusslauf der Eger nach Nördlingen. Interessante Stationen überraschen den Wanderer auf dieser Route, allesamt anhand verständlich verfasster Infotexte auf den „Ereignistafeln“ erklärt. Am „Hexenfelsen“ beispielsweise stehen die faszinierenden Karbonatgesteine des Ries-Sees im Blickpunkt. Beim Aufschluss Meyer´s Keller geht es um zerbrochenes und emporgehobenes Grundgebirge. Am Adlersberg südlich von Nördlingen sind die gesteinsbildenden Fossilien des Ries-Sees zu sehen. An der Alten Bürg geht es um die wechselvolle Geschichte des Burgstalles, von dem heute noch der Stadel und die Kapelle zu sehen sind. Die Waldgaststätte lädt hier zu einer Wanderbrotzeit ein. Direkt am Parkplatz der Gaststätte liegt der Suevit-Steinbruch Altenbürg – ein historisches Denkmal der Ries-Geologie. In den 60er Jahren wies man hier erstmals nach, dass es sich beim Ries nicht um einen Vulkan, sondern um einen Meteoriten-Einschlagskrater handelt. Vermutlich stammt auch das Suevitgestein der über 500 Jahre alten St. Georgs Kirche in Nördlingen aus diesem Steinbruch.

Der Riegelberg kann gleich mit einer Vielzahl an Pfunden wuchern. Er zählt zu den so genannten Megablöcken, also den Gesteinsbrocken, die infolge des Meteoriteneinschlags vom Kraterrand abglitten und in die Riesebene hineinrutschten. Zudem liegen im Riegelberg die berühmten Ofnethöhlen, die für ihre steinzeitlichen Schädelfunde, den „Schädelnes-tern“ oder „Schädeldeponien“ bekannt sind. Nachbildungen der 33 Schädel finden sich im Stadtmuseum in Nördlingen, die Originale sind in München ausgestellt. Das Bayerische Landesamt für Umwelt zeichnete die Ofnethöhlen als eines von Bayerns hundert schönsten Geotopen aus. Damit nicht genug bietet der Riegelberg einen hervorragenden Aussichtspunkt über die Riesebene und beherbergt als Naturschutzgebiet unzählige Trockenrasenpflanzen, etwa die Küchenschelle oder den Mauerpfeffer. Die Überreste der „villa rustica“ am Fuße des Riegelberges, einem ehemaligen römischen Gutshof aus dem ersten Jahrhundert, runden diese Schatzkammer ab.
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