Schuldenfalle Handy - Caritas: Schuldenprävention in der Realschule Maria Stern

Die Arbeitsergebnisse der Gruppenarbeiten wurden in der Schulaula ausgestellt
Nördlingen (mg/ws).

Auf Einladung der Schulleitung besuchte Wolfgang Schindele, Projektleiter der Schuldenpräventionsstelle des Caritasverbandes für den Landkreis Donau-Ries, auch heuer wieder die achten Klassen der Realschule Maria Stern.
„Schuldenprävention heißt Vorbeugung“, so Schindele“, ich möchte durch Aufklärung erreichen, dass Menschen nicht in Überschuldungssituationen geraten oder in Schuldenfallen tappen“.

Schuldenfalle Handy


Bei Schuldenberatungsstellen gilt der falsche Umgang mit Handy und Smartphone als Einstiegsproblem für Überschuldungen. Bereits beim Kauf erhöhen sich die Anschaffungskosten schnell mal um 100.- €, denn die Bearbeitungs- und Anschlussgebühren oder die Kosten für die Rufnummernmitnahme bei einem Anbieterwechsel hat man schnell übersehen. Weiter geht es dann, wenn man das Kleingedruckte nicht aufmerksam liest. Dort finden sich oft Hinweise darauf, dass die Grundgebühren nach 3 oder 12 Monaten deutlich erhöht werden oder die Internetgeschwindigkeit ab einer gewissen Download-Menge drastisch reduziert wird. Dann erhält man ein Angebot denn Vertrag aufzustocken und viele nehmen dieses Angebot wahr. „Wieder zusätzliche Kosten, die vorher vielleicht nicht eingeplant waren“, so Schindele. Anhand eines Filmbeispiels wurden weitere Kostenfallen eines Handys/Smartphones von den Klassen erarbeitet.

Oft wird das Handy und Smartphone zum Statussymbol. Man möchte zeigen, was man sich alles leisten kann und möchte „in“ sein. Viele Jugendliche können sich ein Leben ohne Handy oder Smartphone gar nicht mehr vorstellen und würden sich nackt fühlen, müssten sie darauf verzichten. Beinahe alle Schüler/innen der achten Klassen besitzen ein Handy oder Smartphone und circa die Hälfte davon mit Vertrag. „Da ich aber meine Rechnung erst am Ende des Monats erhalte“, so der Schuldenexperte, “kann ich hier auch schnell in die Kostenfalle tappen. Denn den Überblick über den Versand teurer Bildnachrichten (MMS) oder einer Premium-SMS (z.B. Sende Antwort A an 77777) oder der Download teurer Apps auf das Smartphone erhalte ich erst mit der Rechnung“. Man sollte deshalb lieber auf ein Karten-Handy zurückgreifen, solange man kein geregeltes Einkommen hat.

Konsumfallen

Einer der Hauptgründe für Überschuldungen bei jungen Erwachsenen ist nach Arbeitslosigkeit und Krankheit das Konsumverhalten.
„Wo und wann“, fragte Schindele, „verliere ich den Überblick über meine Ausgaben oder wo sitzt der Geldbeutel erfahrungsgemäß etwas lockerer?“ Die Klassen waren sich schnell einig, dass man schon mal mehr ausgibt, wenn man mit EC- oder Kreditkarte bezahlt. „Dann kauf ich mir halt schnell zu meiner Jeans noch einen passenden Gürtel oder ein trendiges Top dazu“ führt Schindele als Beispiel an. Natürlich verleitet einen auch das Internet mehr zu kaufen als man sich leisten kann oder braucht. „Im Internet kann ich alles rund um die Uhr erwerben, was natürlich dazu verleiten kann mehr einzukaufen“ erläutert der Caritas-Mitarbeiter. Handelt es sich bei einem Angebot wirklich um ein Schnäppchen? „Verwendet doch euren Barcode-Scanner oder stellt im Internet einen Preisvergleich an“ rät Schindele. Und Krankheiten wie Kauf- oder Spielsucht müssen eben behandelt werden, möchte man die finanzielle Schieflage korrigieren. Um auch einen Überblick zu behalten, wer von mir wann welche Zahlungen erhalten möchte, sollten auch alle Briefe geöffnet sein. Und beim Ausgehen oder im Urlaub dreht man nicht jeden Cent zweimal um. „Da möchte man sich auch etwas gönnen“, so Schindele „schließlich hat man ein ganzes Jahr hart dafür gearbeitet“. Wer aber gefährdet ist sich finanziell zu übernehmen oder bereits verschuldet ist, sollte sich hier ein Limit setzen, dass er dann auch einhält. „Dann müssen eben 25.- € fürs Weggehen am Wochenende reichen“ gibt Schindele als Beispiel.

Konsequenzen der Überschuldung

Wirtschaftlich gesehen leben überschuldete Personen am Existenzminimum. „Zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel“ kommt ein Zwischenruf aus der Klasse, den Schindele bestätigen kann. Die staatliche Unterstützung dieser Leute reicht oft nicht aus, weswegen Einrichtungen wie das Soziale Kaufhaus CaDW in Nördlingen verbilligt Lebensmittel und Bekleidung anbieten. Das Leben in Schulden ist eine leidvolle Erfahrung. Depressionen führen oft zu Suchtverhalten und haben physische und psychische Krankheiten zur Folge. „Das führt zu weniger Leistungsfähigkeit dieser Leute und somit zu geringeren Chancen aus dieser Situation zu entkommen“ schildert Schindele.

Tipps

Die Klassen stellten fest, dass ein Leben in Schulden bestimmt nicht erstrebenswert sei. „Ein Grund mehr, sich rechtzeitig um seine eigene Finanzsituation zu kümmern“ betont der Projektleiter. Zuerst sollte man sich einen Überblick verschaffen. Welche Einnahmen habe ich und welche Ausgaben muss ich davon bestreiten? Wie viel Geld bleibt mir am Ende des Monats zu freien Verfügung übrig? Muss ich mein Ausgabenverhalten überdenken oder gar ändern und welche Möglichkeiten bieten sich mir, meine Einnahmen aufzubessern? Teilweise sind bereits kleine Änderungen sehr effektiv beim Geldsparen. So sollten laut Schindele die Einkäufe geplant werden, man sollte vermeiden hungrig einkaufen zu gehen oder Grundpreise bestimmter Lebensmittel pro Kilogramm oder Liter sollten bekannt sein, damit Schnäppchen schnell erkannt werden.

INFO:


Der Caritasverband für den Landkreis Donau-Ries e.V. Tel. 0906/709 207 – 0 ist die einzige Einrichtung im Landkreis, die Schuldenprävention anbietet und betreibt. Interessierte Schulen können sich gerne unter www.schuldenpraevention-donau-ries.de über unser Angebot informieren bzw. Kontakt zu uns aufnehmen.
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