Neu Zugezogene im Blick: Mertingen und Buchdorf befassen sich mit Willkommenskultur – Landkreis und VHS Donauwörth bieten die passende Plattform

Der Umzug in eine neue Heimat hält für Familien zahlreiche Herausforderungen bereit: Neue Menschen, unbekannte Umgebung, eine fremde Kultur. Davon betroffen sind Zuwanderer aus dem Ausland, Flüchtlinge, Spätaussiedler – aber auch Menschen, die innerhalb Deutschlands in eine andere Gemeinde umziehen. Die Gemeinden Buchdorf und Mertingen befassten sich vor kurzem damit, wie eine Willkommenskultur für neu Zugezogene aussehen kann.

Organisiert hatten das Treffen die Volkshochschule Donauwörth (VHS) und der Landkreis Donau-Ries. „Mit einer guten und gelebten Willkommenskultur können Unternehmen und Kommunen ihre Attraktivität steigern und ihre Zukunftsfähigkeit sichern“, skizzierten Gudrun Reißer und Günter Katheder-Göllner die Intention der Veranstaltung, die unter dem Dach des Donau-Rieser Bündnis für Familie stattfand. Die VHS-Leiterin und der Familienbeauftragte des Landkreises waren sichtlich erfreut, dass sich eine ganze Reihe von Interessierten aus Buchdorf und Mertingen auf den Weg in die große Kreisstadt gemacht hatte.

Nach der Begrüßung durch die VHS-Geschäftsführerin Gudrun Reißer erläuterte der Familienbeauftragte Katheder-Göllner, warum es sich für Städte und Gemeinden lohne, das Thema Willkommenskultur anzupacken. „Der Kampf um die Einwohner ist eröffnet“, zitierte er eine Überschrift aus dem Schwarzwälder Boten. Hohe Mobilität kennzeichne unser Leben heute. Damit Einwohner bleiben und aus anderen Regionen zuziehen, müsse eine Kommune attraktiv und familienfreundlich sein. Es reiche aber nicht, die Menschen nur anzulocken. Städte und Gemeinden müssten dafür sorgen, dass sich neu Zugezogene willkommen fühlen und möglichst dauerhaft bleiben.

Seine Thesen untermauerte Katheder-Göllner mit anschaulichem Zahlenmaterial. Verblüfft waren die Teilnehmerinnen beispielsweise als sie hörten, dass im Jahr 2012 etwa 5.000 Menschen neu in den Landkreis Donau-Ries gekommen sind. „In Mertingen gibt es jährlich etwa 250 neu Zugezogene, in Buchdorf sind es zwischen 50 und 100“, verdeutlichte der Referent den Handlungsbedarf in den beiden Kommunen.

Warum „Interkulturelle Kompetenz“ und Willkommenskultur zusammen gehörten, das erläuterte Gudrun Reißer: „Interkulturelle Kompetenz ist die Fähigkeit, mit Menschen anderer Kulturen erfolgreich und angemessen zu kommunizieren und zu interagieren“. Kulturelle Unterschiede würden nicht nur in Geschäftsbeziehungen zu Missverständnissen beitragen. Auch im alltäglichen Leben, in Behörden, Schule und im Kindergarten schlummerten beachtliche Konfliktpotentiale, wenn wir die Kultur unseres Gegenübers nicht kennen und verstehen. Wenn Willkommenskultur also gelingen soll, dann führe an interkultureller Kompetenz kein Weg vorbei. „Und die kann man lernen, beispielsweise in einem entsprechenden Seminar der VHS“, nannte Reißer gleich als Beispiel dafür, wie Kommunen ihre Willkommenskultur verbessern könnten.

Mit weiteren konkreten Ideen, wie eine Willkommenskultur mit Leben gefüllt werden kann, leitete Günter Katheder-Göllner dann zum wichtigsten Teil dieses Abends über. „Jetzt sind Sie dran!“, forderte er die Buchdorfer und Mertinger zum Diskutieren auf. Aber bei Worten sollte es nicht bleiben, alle Ideen und Beiträge wurden auf Kärtchen festgehalten. Neubürgerempfang, Willkommenspaket, Infobroschüre – die Ideen sprudelten und die Frage des Moderators, „Wollen Sie dran bleiben am Thema?“ war dann auch eine rhetorische. Im Nu hatte jede der beiden Gemeinden für sich eine ganze Palette von Lösungen und Projektvorschlägen gesammelt, die dann vor Ort weiterverfolgt werden sollen.
0
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.