Wir sind auf einem guten Weg …

 

Veranstaltung im Nördlinger Klösterle drehte sich um das Thema Kindertagesbetreuung – Standortbestimmung und neue Impulse
„Kindgerecht! Familienbewusst! Wirtschaftsfreundlich!“ So soll sie sein, die Kindertagesbetreuung im Landkreis Donau-Ries; und so lautete auch der Titel einer Veranstaltung im Nördlinger Klösterle, zu der vor kurzem die Jugendhilfeplanung im Landkreis geladen hatte. Mehr als 150 Gäste waren der Einladung gefolgt, um zu hören wo unser Landkreis in Sachen „Kinderbetreuung“ steht.

„Kindgerecht! Familienbewusst! Wirtschaftsfreundlich! Diese Reihenfolge ist kein Zufall!“ stellte Landrat Stefan Rößle zu Beginn in seinem Grußwort klar. „Die Bedürfnisse der Kinder müssen der Dreh- und Angelpunkt sein um den herum wir die Inhalte, Angebote und Einrichtungen der Kindertagesbetreuung gestalten!“ so der Landkreischef weiter. Für ihn haben die Einrichtungen der Kindertagesbetreuung eine große Bedeutung, wenn es darum geht, Familien zu entlasten und zu unterstützen – und das nicht nur indem sie Kinder betreuen. Sie übernähmen auch viele Aufgaben der Bildung und Erziehung, die in vielen Familien heute nicht mehr geleistet werden können. Auf diese Weise schaffen Sie den Familien Freiräume, um selbst Zeit für familiäre Verantwortung zu finden.

Was brauchen Kinder?
Die Zuhörerinnen und Zuhörer - Erzieherinnen, Bürgermeister, Eltern, Politiker, Schulleiter, Vertreter aus der Wirtschaft und vielen weiteren gesellschaftlichen Bereichen – lauschten anschließend dem Vortrag von Renate Niesel, wissenschaftliche Referentin beim Staatsinstitut für Frühpädagogik. „Was brauchen Kinder um zu wachsen? Was müssen Bildung, Erziehung und Betreuung beinhalten, damit sich Kinder in Tageseinrichtungen wohlfühlen und dort optimal gefördert werden?“

Mit diesen Fragen befasste sich die Diplom-Psychologin in ihrer Forschung und um diese Fragen drehte sich auch ihr Referat im Klösterle. „Gute Beziehungen und eine Umgebung, die aktives Lernen ermöglicht“, nannte Niesel dabei als Erfolgsfaktoren, die zu Wohlbefinden und Engagiertheit bei den Kindern führten. Und woran erkennt man, dass sich Kinder wohlfühlen und engagiert sind? „Wenn Sie mit Lust und Freude bei der Sache sind, sich herausgefordert fühlen und wenn es ihnen um die Sache selbst geht – nicht um Lob oder Anerkennung!“ Viel Applaus gab es am Ende für die Ausführungen der Referentin.

Wo stehen wir?
„Wir stehen nicht, wir sind auf dem Weg und zwar auf einem guten!“ so bilanzierte der Familienbeauftragte Günter Katheder-Göllner den Stand der Dinge. Mit Kindergartenplätzen sei der Landkreis prinzipiell gut versorgt und mit dem Angebot für die unter 3-jährigen Kinder nimmt das Donau-Ries schwabenweit sogar die Spitzenposition ein. „Aber darauf wollen wir uns nicht ausruhen“, betonte Katheder-Göllner. Man wolle die noch vorhandenen Lücken schließen und mit dem Ausbau der Krippenplätze werde man Ende 2012 wohl bei der geforderten Versorgungsquote von 35% landen.
Von der Gegenwart in die Zukunft leitete die Fachberaterin für die Kindertagesstätten im Landkreis, Claudia Wernhard, über: „Die Kindertagesstätten müssen in der Lage sein, sich an wachsende Ansprüche der Gesellschaft und der Eltern anzupassen.“ Veränderungsbereitschaft, Offenheit für neue Kooperationen und ein klares Profil seien nötig, um erfolgreich bestehen zu können.
Den Worten müssen Taten folgen
Statt der bei ähnlichen Veranstaltungen üblichen Podiumsdiskussion war im vorletzten Programmpunkt dieses Nachmittags das Publikum gefragt. „Teilen Sie uns Ihre Ideen und Anregungen mit!“ ermunterte Katheder-Göllner die Besucher zum Mitmachen.

Und sie machten mit! Zahlreiche grüne Fragebogen landeten ausgefüllt in der bereitgestellten Box. „Wir werden Ihre Vorschläge auswerten und dann packen wir es an“, versprach der Familienbeauftragte.
Um gute, gelungene Beispiele ging es schließlich am Ende dieses Tages. In lockeren Interviews wurden Akteure und Ansprechpartner aus ganz unterschiedlichen Projekten vorgestellt. Innovative schulische Mittagsbetreuung, Angebote in den Ferienzeiten, gelungene Kooperationen und, noch im Planungsstadium, eine Kinderkrippe und ein Seniorentreff unter einem Dach – nicht wenige Teilnehmer waren erstaunt, was für tolle Sachen in ihrer Nachbarschaft angeboten werden.

So nutzten denn auch viele Besucher die Gelegenheit für Gespräche, Nachfragen und Austausch, für die das Klösterle nach dem offiziellen Schluss der Veranstaltung einen passenden, angenehmen Rahmen bot. Wer aufmerksam lauschte, konnte bereits heraushören, wo die Baustellen in Zukunft liegen werden. Heiß diskutiert wurde an den Stehtischen über Schulkindbetreuung, über den Fachkräftemangel, den zunehmend auch die Betreuungseinrichtungen zu spüren bekommen und nicht zuletzt über die mangelnde Anerkennung für den Beruf der Erzieherinnen. Fazit, wie so oft: Es gibt viel zu tun!

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