Knapp 90 % des Stromverbrauches im Landkreis aus Erneuerbaren Energien

  Präsentation des Energienutzungsplanes – im Herbst Diskussion über geeignete Maßnahmen
Über die wichtigsten Zwischenergebnisse wurde bereits Anfang des Jahres berichtet, mittlerweile liegt der fertige Energienutzungsplan für den Landkreis Donau-Ries vor. Und wie immer ist nach der Arbeit zugleich vor der Arbeit, denn nun sind geeignete Maßnahmen zu finden und zu beschließen, um die gesteckten Ziele auch zu erreichen.

Mit der Präsentation der Ergebnisse des Energienutzungsplanes am 25. Juni im Landratsamt ist es nicht getan. Die mit der Erstellung beauftragte Forschungsgesellschaft für Energiewirtschaft mbH (FfE) hat wichtige Grundlagen erarbeitet, ab Herbst werden die zuständigen Gremien dann beraten, wie es weitergehen soll. Zunächst jedoch freut sich Landrat Stefan Rößle über die positiven Ergebnisse der Studie: So konnte die Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energieträgern seit 2007 um 75 Prozent gesteigert werden – vor allem durch Zubau an Solar- und Biomasseanlagen. Das bedeutet, dass 2012 87 % des Stromverbrauches durch Erneuerbare Energien erzeugt wurden. Allerdings ist der Gesamtstromverbrauch in den letzten fünf Jahren insgesamt um rund 9 Prozent gestiegen, wenn auch unterschiedlich stark in Industrie und Privathaushalten. Dagegen war der Wärmeverbrauch in dieser Zeit leicht rückläufig.

FfE hatte im vergangenen Jahr den energetischen Ist-Zustand im Landkreis erhoben und eine Potenzialanalyse für den Einsatz Erneuerbarer Energie sowie für Energieeffizienz und Energieeinsparung durchgeführt. Bei einem Workshop wurden zudem mögliche Maßnahmen zur Erreichung der Energieziele erarbeitet. Dabei eingebunden waren auch die Mitglieder des Energie-Forums sowie der Energie-Allianz, die sich im Landkreis Donau-Ries seit einigen Jahren intensiv mit dem Thema Energie beschäftigen. Die gute Netzwerkarbeit wurde auch bei der Erstellung des Energienutzungsplanes deutlich und wurde von FfE mehrfach positiv hervorgehoben.

Dank der Erhebungen von FfE liegt nun der Gesamtenergieverbrauch für 2012 vor – einschließlich des Wärmeverbrauchs aus der Industrie und dem Verkehr. Wichtige Erkenntnisse sind für Landrat Stefan Rößle, dass der Landkreis Donau-Ries beim Anteil Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energieträgern führend und bereits nahezu autark ist. Sehr gut schneidet der Kreis auch bei der Wärmeerzeugung aus Erneuerbaren Energien ab. Von 2007 bis 2012 gab es einen Anstieg um 39 Prozent oder 139 Gigawattstunden, vor allem durch energetische Holznutzung und die Wärmenutzung aus Biogasanlagen. So wird bei 70 der insgesamt 93 Biogas-Anlagen im Landkreis Wärme in erheblichem Umfang genutzt.

Das Energie-Leitziel des Landkreises wird auf Grund der neuen Datenlage wahrscheinlich modifiziert werden. Die Gesamtbilanz zeigt: Der Anteil der Erneuerbaren Energieträger ist bereits jetzt fast erfüllt und wird somit bis 2020 übererfüllt, das Einsparziel erwies sich auf Grund der neuen Datenerhebung, die nun auch die Industrie im Wärmebereich einschließt, als so nicht haltbar. So hat FfE drei Szenarien entwickelt, wie sich Strom und Wärme einsparen lassen. Selbst bei Szenario 3 „Erhöhte Technikeffizienz kombiniert mit umweltbewussten Handeln“ ließen sich bis 2020 maximal 9,2 Prozent Storm und Wärme einsparen. Das 2009 beschlossene Ziel waren 20 Prozent. Geht man von einem Kontinuitäts-Szenario aus, das heißt, dass keine zusätzlichen Anstrengungen unternommen werden, wird der Bedarf an Strom und Wärme im Landkreis bis 2020 in etwa gleich bleiben.

Größere Einsparungen, so ist sich Heike Burkhardt, Energiebeauftragte des Landkreises, sicher, können nur realisiert werden, wenn die Sanierungsquote des Gebäudebestandes deutlich erhöht werden könnte. Dies hängt allerdings vollständig von der Bereitschaft der Hausbesitzer, ihre Immobilien energetisch zu sanieren ab. Diese Bereitschaft könnte durch eine Sanierungskampagne über mehrere Jahre mit attraktiven Bausteinen erhöht werden, wenn dies durch die allgemeinen rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen unterstützt wird. Ein wichtiger und von der EU rechtlich vorgeschriebener Baustein hierbei ist die Vorbildfunktion der Gemeinden.

FfE hat neben der Erhebung der Datenbasis auch die Potenziale bei den Erneuerbaren Energien untersucht. Während bei Biomasse das Potenzial nahezu ausgeschöpft ist, sieht man bei Solar und Windenergie noch Möglichkeiten. So könnten 17 Windkraft-Anlagen ca. zehn Prozent des Stromverbrauchs im Landkreis decken. Bei der Solarenergie hat FfE ein technisches Gesamtpotenzial von 574 Megawatt (MW) errechnet. Dazu müssten allerdings auf allen nutzbaren Dachflächen Photovoltaikanlagen installiert werden. Im Bestand gibt es im Landkreis derzeit 249 MW (inkl. Freiflächen-Anlagen).

Die Erstellung des Energienutzungsplanes sei ein wichtiger Schritt bei den Bemühungen um mehr Klimaschutz und Energieeinsparung, ist sich Landrat Stefan Rößle sicher: „Nun haben wir Klarheit über die Ist-Situation und können auf dieser Basis über die Entwicklung weiterer Maßnahmen diskutieren.“ Rößle sieht in dem Energienutzungsplan ein Zukunftsinstrument für den Landkreis. Dieser konnte nur dank einer Förderung in Höhe von 70 Prozent durch das Bayerische Wirtschaftsministerium realisiert werden.
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