Kinderschutzkonferenz am 08.06.2010 am Landratsamt Donau-Ries
Donau-Ries: Landratsamt | Beim jüngsten Treffen der Kinderschutzkonferenz erinnerte Landrat Stefan Rößle an die Entstehungsgeschichte und die außergewöhnliche Bedeutung dieses Netzwerks. Im Jahr 2008 wurde der bereits bestehende Arbeitskreis „Gewalt gegen Frauen und Kinder“, dem Vertreter der Jugendbehörden, des Amtsgerichts, der Polizei, Vertreter von Hilfsorganisationen, Beratungsstellen und Kinderärzte angehörten, ausgeweitet. In den Teilnehmerkreis wurden zusätzlich Hausärzte, Hebammen, Familien- und Psychotherapeuten sowie Vertreter von Kindertagesstätten mit einbezogen und die Kinderschutzkonferenz Donau-Ries gegründet. Das Ziel dieser besteht darin, ein dichtes Netz zum Wohle und Schutz unserer Kinder zu knüpfen und so Kindswohlgefährdungen möglichst frühzeitig zu erkennen. Zur konkreten Umsetzung dieses Konzepts hat der Kreistag im Dezember 2008 eine Vollzeitstelle für die Aufgabe „Koordinierender Kinderschutz“ geschaffen. Diese Stelle soll, so Landrat Stefan Rößle, künftig Risikofamilien frühzeitig erreichen, damit man diesen zielgerichtet Hilfe anbieten könne.
Im Anschluss stellten sich die Mitarbeiter Jürgen Lechner und Friedrich Breitling, die sich die Koki-Stelle (koordinierende Kinderschutzstelle) teilen, vor und erläuterten kurz die Ziele und Vorstellungen ihrer präventiven Arbeit. Herr Lechner ist für den Bereich Donauwörth und Umgebung, Herr Breitling für den Nördlinger Raum zuständig.
Kinder
Das Hauptthema des Nachmittags war ein Vortrag zum Papilio-Projekt durch Frau Endreß-Köllner vom beta-Institut aus Augsburg.
Papilio: Bausteine und Wirkung des Kindergartenprogramms
Als Drei-Ebenen-Modell konzipiert, hervorragend für den Kindergartenalltag geeignet
Papilio ist ein Programm zur frühzeitigen Vorbeugung gegen die Entwicklung von Sucht und Gewalt und wurde speziell für Kindergärten entwickelt. Es ist vielfach praxiserprobt und seine Wirksamkeit ist wissenschaftlich bewiesen. Es bezieht Erzieher, Kinder und Eltern mit ein. Kinder lernen spielerisch soziale Regeln, den Umgang miteinander und gewaltfreies Lösen von Konflikten. Insgesamt reduziert Papilio erste Verhaltensauffälligkeiten, fördert die sozial-emotionale Kompetenz und gibt den Kindern ein Rüstzeug mit auf den Lebensweg, das sie später stabiler gegen die Entwicklung von Sucht und Gewalt macht.
Drei Ebenen: Erzieher – Kind – Eltern
Charakteristisch für Papilio ist sein Ansatz auf drei Ebenen: Erzieher, Kinder und Eltern werden mit bestimmten Maßnahmen angesprochen und einbezogen.
Auf der Ebene der Erzieher geht es darum, dass sie ihr entwicklungsför-derndes Erziehungsverhalten reflektieren und im Austausch mit Kollegen weiterentwickeln. Papilio stärkt die Kompetenz der Erzieher, fördert die Teamarbeit im Kindergarten und die Zufriedenheit mit der eigenen Arbeit.
Die Erzieher sind für die Kinder wichtige Bezugspersonen. Sie kennen die Situation vor Ort, die individuellen Besonderheiten, und sie haben den Kontakt zu den Eltern. Papilio startet deshalb immer mit einer Fortbildung für Erzieher. Dabei werden zunächst die neuesten Erkenntnisse zu Sucht, Gewalt und Vorbeugung vermittelt. Dann lernen die Erzieher, wie sie die Papilio-Maßnahmen im Kindergarten einführen und die Eltern einbeziehen. Über die Fortbildung hinaus können sich Erzieher bei Fragen jederzeit fachlichen Rat (Supervision) bei Papilio-Experten holen.
Drei kindorientierte Maßnahmen
Für die Kindergartenkinder gibt es im Rahmen von Papilio drei Maßnahmen.
Mit „Paula und die Kistenkobolde“ lernen die Kinder die grundlegenden Gefühle Traurigkeit, Zorn, Angst und Freude kennen – personifiziert durch die Kobolde Heulibold, Zornibold, Bibberbold und Freudibold. Sie lernen dadurch, über ihre eigenen Gefühle zu sprechen und auf die Gefühlslage anderer Kinder einzugehen. Die Geschichte wurde auch von der Augsburger Puppenkiste inszeniert und steht als Buch, Hörspiel und Film zur Verfügung.
Zweite Maßnahme für die Kinder ist der Spielzeug-macht-Ferien-Tag. An einem Tag in der Woche spielen die Kinder ohne herkömmliches Spielzeug. Die Kinder lernen so, sich mit sich selbst und den anderen Kindern zu beschäftigen und kreativ zu spielen.
In der dritten Maßnahme, dem Meins-deins-unser-Spiel, lernen Kinder in der Gruppe spielerisch den Umgang mit sozialen Regeln. Im Vordergrund steht dabei die gegenseitige Unterstützung beim Einhalten der mit den Kindern gemeinsam vereinbarten Regeln. Die erfolgreichste Gruppe darf sich am Ende etwas wünschen - der Wunsch muss aber allen Kindern zugute kommen, zum Beispiel: eine Geschichte vorlesen oder gemeinsam kochen.
Papilio für Eltern und zu Hause
Den Eltern werden die Inhalte und Ziele der Papilio-Maßnahmen in Elternabenden vermittelt, damit sie auf Rückmeldungen der Kinder eingehen können. Papilio bietet zudem die Möglichkeit, dass sich Eltern im entwicklungsfördernden Erziehungsverhalten weiterbilden und die Geschichte „Paula und die Kistenkobolde“ zu Hause pädagogisch nutzen. Speziell dieser Anteil an Kinderkulturpädagogik in Kooperation mit der Augsburger Puppenkiste verleiht Papilio eine Ausstrahlung, die jenseits von Professionalität und Wissenschaft Kinder wie Erwachsene fasziniert und begeistert.
Für den Alltag geeignet
Das Besondere an Papilio ist seine Alltagstauglichkeit: Das Präventionsprogramm beschränkt sich nicht auf einzelne Aktionen und es arbeitet nicht mit externen Spezialisten. Vielmehr bilden die Erzieher die zentrale Vermittlungsperson. Dass das funktioniert, hat ein Modellprojekt mit begleitender wissenschaftlicher Studie im Raum Augsburg bewiesen.
Auf den Vortrag folgte eine rege und interessante Diskussion zum Thema.
Projekt wird im Landkreis auch praktisch umgesetzt
Frau Claudia Wernhard als Kindergartenfachberaterin des Landkreises hat hier die Initiative ergriffen, so dass Papilio am 21. Oktober ganztägig in Donauwörth im Tanzhaus vor Fachpublikum aus Kindergärten, Politik und Studierenden der Fachakademie vorgestellt wird.
Im Rahmen dieser Veranstaltung wird die Puppenkiste Augsburg das Stück „Paula und die Kistenkobolde“ vorführen. Dabei wird das Projekt spielerisch erklärt.


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