Interview mit Donauwörths Oberbürgermeister Armin Neudert
myheimat: Herr Neudert, im Jahr 2008 wurden Sie zum Oberbürgermeister gewählt. Welches Zwischenfazit Ihrer Amtszeit ziehen Sie? Was sind Ihre politischen Ziele bis zu den nächsten Wahlen im Jahr 2014?
Neudert: Im Blick meines Leitmotivs „Neues auf Bewährtem Bauen“ konnte Donauwörth zusammen mit vielen verantwortungsbewussten Menschen weiter positiv entwickelt werden. Meine bisherige Bilanz macht Mut für weitere Anstrengungen. Auch zukünftig ist mir der Dreiklang in unserer Stadt, wirtschaftlich prosperierend, mit sozialer Verantwortung und ökologischer Ausrichtung, sehr wichtig. Die Bandbreite ist dabei enorm groß: Sie reicht von der Weiterentwicklung Donauwörths als moderner und innovativer Wirtschaftsstandort über eine Vielfalt an Kinderbetreuungsmöglichkeiten, dem Projekt „Soziale Stadt“ in der Parkstadt mit dem Mehrgenerationenhaus, über die Einführung und Entwicklung der Doppik in der Verwaltung (kaufmännisches Rechnungswesen) bis hin zur Positionierung Donauwörths als Energie- und Umweltstadt.
myheimat: Donauwörth liegt zwischen den Autobahnen A 7, A8 und A9 und als Eisenbahnknotenpunkt mit täglich 300 Züge mit direkten Verbindungen nach München, Nürnberg, Stuttgart, Ulm und Regensburg günstig. Wie beurteilen Sie die Situation der Infrastruktur in Ihrer Stadt nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten?
Neudert: Mit der Fertigstellung des vierspurigen Anschlusses der B 2 nach Augsburg ist Donauwörth optimal an die A 8 angeschlossen (25 Minuten Fahrzeit). Die Anschlüsse an die A 7 (Aalen, Ellwangen) und die A 6 (Nürnberg) konnten in den letzten Jahren kontinuierlich verbessert werden, ebenso die B 16 in Richtung Ingolstadt (Umfahrung Oberhausen). Auf der Strecke nach Günzburg (B 16 zu A 8) und Ulm stehen in den nächsten Jahren hoffentlich weitere Ver-besserungen (Umfahrung Dillingen etc.) an. Insgesamt kann nicht mehr, wie noch vor zehn Jahren, von einer Lage „zwischen den Autobahnen“ gesprochen werden. Die wichtigsten Ver-kehrsanbindungen sind vorhanden und gut. Die Verkehrsanbindungen mit der Bahn sind in Donauwörth für eine Stadt ihrer Größenord-nung seit jeher weit überdurchschnittlich. Mit dem Park and Ride – Parkhaus am Bahnhof ist seit 2003 auch ein sehr guter Umsteigepunkt für Bahnreisende vorhanden. Mit dem Anschluss an drei überregionale Bahnlinien (Nürnberg – Augsburg – München, Donautalbahn Ulm – Regensburg und Donauwörth – Aalen – Stuttgart) ist bahnmäßig eine tatsächlich gute Anbin-dung vorhanden.
myheimat: Wie steht es um die Infrastruktur aus sozialen Gesichtspunkten? Gibt es einen Schulbus? Ist es für Senioren möglich, alle Wege des täglichen Lebens mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen?
Neudert: Donauwörth verfügt über eine Reihe von sozialen Einrichtungen, welche eine großartige Arbeit leisten. Für die Schülerbeförderung besteht ebenso ein Busnetz wie für die Bürgerschaft allgemein. Ein neues Stadtbuskonzept soll künftig die Erreichbarkeit aller wichtigen Punkte in der Stadt verbessern. Verschiedene Haltestellen erhalten zum leichteren Einstieg einen erhöhten Bordstein.
myheimat: Wie hat sich Wirtschaftskrise auf die Konjunktur in ihrer Stadt ausgewirkt?
Neudert: Die Wirtschaftskrise tangiert auch die Finanzen der Stadt Donauwörth spürbar. Die Ge-werbesteuer und der Gemeindeanteil an der Einkommenssteuer sind 2009 zurückgegangen und werden 2010 deutlich weiter sinken. Das bedeutet für die Kommune, dass zum Beispiel im Unterhalts- und Investitionssektor gekürzt werden muss, um ein größeres Anwachsen der Verschuldensquote zu verhindern und vor allem auch den Handlungsspielraum künftiger Haushaltsjahre nicht zu gefährden. Andererseits konnten in den letzten Jahren im beträchtlichen Umfang Schulden reduziert werden, so dass sich nunmehr auch finanziell neue Gestaltungsspielräume ergeben.
myheimat: Im Unterschied zu anderen Mittelzentren ist in Donauwörths Innenstadt eine lebendige Einzelhandelszene und auf der "grünen Wiese" eine Vielzahl an Gewerbegebieten zu beobachten. Großflächiger Einzelhandel auf der „grünen Wiese“ ist kaum zu finden. Was tut die Stadt, zum einen um den lokalen/regionalen Einzelhandel noch weiter zu fördern und auszubauen sowie zum anderen, um Donauwörth für Gewerbeneuansiedlungen auf der "grünen Wiese" attraktiv zu gestalten?
Neudert: Im Jahre 2003 hat sich die Stadt Donauwörth nach umfangreichen Erhebungen im Bereich Einzelhandel, Kaufkraft, Branchenmix etc. mit einem Einzelhandelskonzept für Donauwörth beschäftigt. Dabei wurde beschlossen, keinen großflächigen Einzelhandel (Sonderflächen nach Baunutzungsverordnung über 800 m² Verkaufsfläche) „auf der grünen Wiese“, d. h. in Gewerbegebieten außerhalb des Stadtzentrums, zuzulassen. Im Innenstadtbereich werden durch die großartigen Aktivitäten der City-Initiative-Donauwörth sowie die fortlaufende Stadtsanierung und dem weiteren Ausbau der zahlreichen dezentralen und ortsnahen Parkhausangebote (zuletzt 2009 Eröffnung des Parkhauses am Weidenweg) ein gutes Klima für den Einzelhandel erzeugt.
myheimat: Die Alfred-Delp-Kaserne in Donauwörth soll künftig Platz für mehr Soldaten bieten. Werden somit auch neue Arbeitsplätze geschaffen? Sind Sie Befürworter der Wehrpflicht oder würden Sie eher für die Einführung einer Berufsbundeswehr stimmen?
Neudert: Die anstehenden Sanierungsmaßnahmen sind meines Erachtens ein Beitrag zur Stabilisierung des zukunftsorientierten Bundeswehrstandortes Donauwörth. Die Soldaten der Bundeswehr haben zusammen mit ihren Verbündeten jahrzehntelang im Besonderen in Europa den Frieden und die Freiheit gesichert – die längste Friedensperiode der deutschen Geschichte. Der solda-tische Dienst in der Bundesrepublik Deutschland hatte gerade nicht als Berufsarmee, sondern als eine in die Gesellschaft integrierte Armee mit jungen Menschen, die ihr Bekenntnis zu unserer freiheitlichen, demokratischen Grundordnung ablegen, in dieser Form einen sehr guten Beitrag geleistet zur Stabilität unseres Landes.
myheimat: Donauwörth besitzt eine sehr aktive kulturelle Szene. Welche Veranstaltung war Ihr persönliches Highlight der „Donauwörther Kulturtage“?
Neudert: Das Eröffnungskonzert mit der Württembergischen Philharmonie Reutlingen. Bei diesem hervorragenden Konzert konnten wir die Donauwörtherin Veronika Eberle als Solistin erleben. Sie hat bereits zahlreiche renommierte nationale und zwischenzeitlich auch internationale Preise erzielt.
myheimat: Welche Kulturveranstaltung besuchen Sie privat? Gehen Sie gern ins Theater, Museum oder Kino?
Neudert: Sowohl als auch. Auf unserer Freilichtbühne wird durch das Theater Donauwörth Hervorragendes geboten. Unsere Sonderausstellungen in den Museen sind ansprechend und stets einzigartig. Gerne besuche ich ab und an eine überregionale Ausstellung, auch um mich inspirieren zu lassen. Ein gelegentlicher Kinobesuch rundet das Kulturinteresse ab.
myheimat: Das Käthe-Kruse-Museum bzw. die Manufaktur hat seinen Sitz in Donauwörth. Welche Rolle spielt das für Ihre Region? Sowohl touristisch als auch wirtschaftlich?
Neudert: Das Käthe-Kruse-Puppenmuseum ist überregional bekannt. Es hat einen internationalen Stellenwert erreicht. Über die Marketingaktivitäten der Romantischen Straße wird das Museum weltweit beworben. In der Museumslandschaft der Großen Kreisstadt Donauwörth ist dieses mit seinen wechselnden Sonderausstellungen das Zugpferd. Für den Donauwörther Tourismus stellt es neben dem hohen Faktor des Freizeittourismus und den historischen und kunsthistorischen Besonderheiten der Stadt im kulturellen Bereich ein wichtiges Aushängeschild dar. Wirtschaftlich gesehen nimmt dabei der Tourismus in der Stadt einen immer bedeutsameren Faktor ein.
myheimat: Nach all den politischen Themen noch ein private Frage als Abschluss. Wobei können Sie sich am besten entspannen? Und auf welche jährlich wiederkehrende Veranstaltung in Donauwörth freuen Sie sich besonders?
Neudert: Entspannung finde ich am ehesten in der Natur, zu Hause in der Familie, beim Spielen und Toben mit meinem vierjährigen Sohn Georg. Viele besondere Veranstaltungen wären zu nennen, zum Beispiel die Kinderkulturtage und der Romantische Weihnachtsmarkt im Ried.




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