Flüchtlingsproblematik stellt auch den Bezirk Schwaben vor neue Herausforderungen

Schwaben: Bezirk | Augsburg (pm). „Die Prognosen und Informationen überholen sich beinahe täglich“, betonte Bezirkstagspräsident Jürgen Reichert bei der heutigen Sitzung des Sozial- und Psychiatrieausschusses beim Bezirk Schwaben. Traditionell beginnt die November-Sitzung dieses Ausschusses eigentlich mit den Haushaltsberatungen - dieses Mal stand aber ein ganz anderes Thema ganz oben auf der Agenda: Die Kostenerstattung für Jugendhilfemaßnahmen für minderjährige unbegleitete Flüchtlinge.

Von Gesetz wegen sind die Jugendämter der Landkreise und kreisfreien Städte fachlich zuständig, die bayerischen Bezirke jedoch gegenüber den Jugendämtern kostenerstattungspflichtig. Für Minderjährige wird dieser Aufwand vom Freistaat Bayern den Bezirken wiederum zurückerstattet, nicht jedoch für junge Volljährige, die auch nach dem 18. Lebensjahr noch Jugendhilfemaßnahmen erhalten. Hier trägt der Bezirk die Kosten alleine.

Ging es 2013 noch um 209 Kinder und Jugendliche und 2014 um 235 minderjährige Flüchtlinge, so sind heuer schon bis zum September in Schwaben 1395 neue Fälle hinzugekommen. „Wir gehen im Haushalt für das kommende Jahr von einer Nettobelastung von mindestens 10 Millionen Euro aus“, so Bezirkstagspräsident Jürgen Reichert.

Die Entwicklung sei bislang noch schwer abzuschätzen, „da es wenig Erfahrungen damit gibt, wie, in welcher Form und wie lange Betreuung für diese jungen Menschen notwendig ist“. Klar aber sei, dass insgesamt mit der Flüchtlingsproblematik auch auf die Bezirke neue Herausforderungen zukämen: „Wir verzeichnen jetzt schon steigende Zahlen in der Kinder- und Jugendpsychiatrie und auch in der Erwachsenenpsychiatrie wird der Aufnahmedruck noch steigen. ebenso aber werden auch andere Einrichtungs- und Versorgungssysteme in Anspruch genommen werden müssen, von den heilpädagogischen Einrichtungen für Kinder bis hin zu den Hilfen für Erwachsene“, führte Reichert aus. „Dazu kommt, dass nicht nur Menschen mit ganz anderen Biographien in unser Versorgungssystem kommen, sondern auch mit einem anderen kulturellen und religiösen Hintergrund, der Ärzte, Pfleger, Pädagogen und Therapeuten vor neue Herausforderungen stellt.“
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