Vogel des Monats Mai – die Wiesenweihe

Wiesenweihe (Foto: Estner)

Im gesamten Ries können derzeit balzende Wiesenweihen beobachtet werden. Dabei ist dieser schlanke Greifvogel gar nicht so häufig, steht er doch auf der Roten Liste als vom Aussterben bedrohte Art. Das Wiesenweihenvorkommen im Ries ist das einzige im Regierungsbezirk Schwaben. Nur das sehr erfolgreiche Artenhilfsprogramm macht es möglich, dass hier dem „Skydancing“ der Wiesenweihen zugeschaut werden kann.


Erkennungsmerkmale


Wiesenweihen sehen den verwandten Kornweihen zum Verwechseln ähnlich: Die Männchen sind grau gefärbt mit schwarzen Flügelspitzen, die Weibchen braun mit einer gestrichelten Unterseite. Die Natur hat es uns jedoch relativ einfach gemacht, Wiesen- von Kornweihen zu unterscheiden: Wenn die Wiesenweihen im April aus ihren Winterquartieren kommen, ziehen die hier überwinternden Kornweihen in ihre nördlicher gelegenen Brutgebiete. Jetzt kann man sich also ziemlich sicher sein, eine Wiesenweihe vor sich zu haben.
Mit nur 300 Gramm Körpergewicht ist die knapp Bussard große Wiesenweihe ein Leichtgewicht. Die verwandte Rohrweihe ist nur etwa 5 cm größer und bringt um die 500, die schwereren Weibchen sogar bis zu 800 Gramm auf die Waage.
Charakteristisch für Weihen ist der gaukelnde Flug. Sie spreizen die Flügel v-förmig nach oben und suchen so dicht über dem Boden nach Nahrung. Diese besteht meist aus Mäusen und in ihrem Winterquartier südlich der Sahara auch aus Heuschrecken.

Die Wiesenweihe – ein Weihenvogel in der Wiese?

Der Artname deutet auf den Lebensraum Wiese hin. Und tatsächlich waren der ursprüngliche Lebensraum feuchte Niederungen. Diese Gebiete sind im Laufe der letzten Jahrzehnte durch Landnutzungsänderungen selten geworden. Daraufhin hat sich die Vogelart angepasst und brütet nun in Äckern, vorwiegend in Wintergetreide. Das birgt jedoch Gefahren für die Vögel, da die Ernte meist schon stattfindet, wenn die Küken noch nicht flugfähig sind. Die natürliche Abwehrhaltung der juvenilen Weihen besteht aus festem Zugreifen. Packt eine junge Wiesenweihe an das Schneidwerk eines Mähdreschers bei der Ernte, hat dies verheerende Folgen für die Jungtiere.

Erfolgreiches Artenschutzprogramm im Ries

Um dem seltenen Vogel eine erfolgreiche Brut zu ermöglichen, setzt sich Konrad Bauer seit 17 Jahren für ihn ein. Während unzähliger Beobachtungsstunden lokalisiert er die Nester, um dann die Landwirte über die Bruten in ihren Schlägen zu informieren. Seit 2012 nutzt Bauer eine Methode zum Monitoring des Schlupf- und Bruterfolgs, die besonders störungsarm ist: Er fliegt einen Oktokopter, an dem eine Kamera angebracht ist, über den Neststandort. So kann er aus der Luft einen Blick in die Nester werfen, ohne eine Spur für Beutegreifer wie den Fuchs zu legen. Das Artenhilfsprogramm läuft so erfolgreich, dass die Population ihren bisherigen Höchststand mit 29 Brutpaaren im Jahr 2012 erreichte. Das zweitgrößte Brutvorkommen in Bayern befindet sich damit hinter Mainfranken im Ries, gefolgt von Niederbayern mit wenigen Paaren als dem dritten Brutvorkommen. Ehrenamtlich ist der Wiesenweihenschutz nun nicht mehr zu bewerkstelligen, weshalb Konrad Bauer Unterstützung durch die Gebietsbetreuung Nördlinger Ries erhält.

Gute Zusammenarbeit mit Landwirten

Ebenso lange wie Konrad Bauer den ehrenamtlichen Wiesenweihenschutz betreibt, läuft die gute Zusammenarbeit mit den Rieser Landwirten. Sie sparen bei der Ernte eine Fläche von 50x50 Metern um das Gelege herum aus und pflügen diese Restfläche erst um, wenn die Wiesenweihen ausgeflogen sind. Für den Ernteverlust erhalten sie Ausgleichszahlungen.

„Skydancing“

Aufgrund des jahrelangen Artenschutzes im Nödlinger Ries, bei dem Vogelschützer, Behörden und Landwirte Hand in Hand arbeiten, kann die Balz der Wiesenweihen hier beobachtet werden. Hierbei steigen die Männchen bis zu 2 Kilometer in den Himmel auf und lassen sich dann fallen. Erst wenige Meter vor dem Boden öffnen sie ihre Schwingen und bremsen ab. Ziel des Spektakels ist es natürlich, Weibchen anzulocken. Ist das gelungen, lässt sich das Weibchen von ihrem Männchen Mäuse bringen, um die Fitness beurteilen zu können. Die Beuteübergabe findet in der Luft statt. Bringt das Männchen Mäuse in ausreichender Zahl, ist es wohl auch als Partner für eine Brut geeignet. Haben sich die Paare gefunden, wird es ruhig über den Äckern. Die Weihen schreiten zur Brut und sind kaum mehr zu sehen. Zwei Jahre später, wenn auch die Jungvögel aus den Winterquartieren in Afrika ins Ries kommen, sieht man bei einem guten Bruterfolg noch mehr Wiesenweihen in der Luft um die Weibchen tanzen.


Judith Kronberg ist Gebietsbetreuerin im Nördlinger Ries. Träger des Projektes sind der Rieser Naturschutzverein, die Schutzgemeinschaft Wemdinger Ried sowie der Landkreis Donau-Ries. Gefördert wird das Projekt vom Bayerischen Naturschutzfonds (BNF) und vom Europäischen Sozialfonds (ESF).
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