Vogel des Monats Juli – die Schafstelze

^Bei einem Spaziergang zwischen den Feldern des Nördlinger Rieses sieht der aufmerksame Beobachter vereinzelt gelbe Punkte zwischen den Ähren leuchten. Auf den ersten Blick sehen diese Farbtupfer aus wie Blüten. Ein einfaches „tsip tsip“, oft wiederholt, weist jedoch auf einen Vogel in seinem Revier hin – die Schafstelze. Die Schafstelze (Motacilla flava) ist Brutvogel im Nördlinger Ries und gut erkennbar an ihrem leuchtend gelben Bauch.

Verwandtschaftsverhältnisse

Schafstelzen sind schlanke, etwa 16 cm große, langschwänzige Singvö-gel. Die Unterseite ist in einem satten Gelb gefärbt, das bei den Weibchen etwas matter ausfällt. Die Oberseite ist schlicht graugrün bis graubraun. In Mitteleuropa gibt es zahlreiche Unterarten der Schafstelze, die sich durch unterschiedliche Färbungen und Muster der Kopfzeichnung unterscheiden. Die im Ries vorkommende Unterart ist die Wiesenschafstelze (Motacilla flava flava), auf die über 95 Prozent der Populationen in Mitteleuropa entfallen. Bei der Wiesenschafstelze ist der Kopf blaugrau gefärbt mit weißem Überaugenstreif.
Besser bekannt, da sie auch im Siedlungsbereich vorkommt, ist ihre nahe Verwandte, die Bachstelze, mit ihrer schwarz-weißen Färbung. Eine weitere Verwandte der Schafstelze ist die auch im Ries an Bach- und Flussläufen ganz vereinzelt vorkommende, ähnlich wie die Schafstelze gefärbte Gebirgsstelze.

Brutgeschäft

Schafstelzen sind Langstreckenzieher. Ihr Winterquartier liegt im tropi-schen Afrika und Asien. Ab Anfang April bis Anfang Mai treffen die Sing-vögel an ihrem Brutplatz in Mitteleuropa ein. Die Männchen kommen ein bis zwei Wochen vor den Weibchen an und besetzen die Reviere. Gebrü-tet wird in einer Mulde auf dem Boden. Die Weibchen legen ab Mitte Mai bis Anfang Juni 5-6 Eier, die sie vorwiegend selbst bebrüten. Tagsüber werden sie kurzfristig von den Männchen abgelöst. Die Brutdauer beträgt 12 bis 13 Tage, nach weiteren 14 bis 16 Tagen sind die jungen Schafstel-zen voll flugfähig. Die Brutzeit ist damit im Juli meist abgeschlossen, späte Bruten können noch bis Mitte August benötigen.
Ab Ende Juli sind oft große Schafstelzentrupps zu beobachten. Von Ende Juli bis Ende September/Anfang Oktober bilden Schafstelzen Schlafplatzgemeinschaften, die mehrere Tausend Tiere umfassen können.

Lebensraum

Der ursprüngliche Lebensraum des Singvogels waren Feuchtwiesenbiotope. In der Kulturlandschaft brütete er auf extensiv bewirtschafteten Streu- und Mähwiesen und Viehweiden. Sowohl Streuwiesen, als auch extensiv bewirtschaftete Standorte haben in den letzten Jahrzehnten abgenommen. So besiedelt die Schafstelze seit dem 20. Jahrhundert vermehrt Hackfrucht- und Getreideäcker. Besonders gerne werden Rapsfelder besiedelt. Die Nahrungssuche findet oft an Wegen statt. Als Nahrung dienen kleine, meist fliegende Insekten, Larven, Käfer und Heuschrecken. Typisch für die Schafstelze ist, dass sie auf einer Ansitzwarte sitzt und durch kurzes Hochfliegen ihre Beutetiere aus der Luft greift.


Gefährdung

Als bodenbrütende Vogelart ist die Schafstelze von Landnutzungsände-rungen in Feuchtwiesen direkt betroffen. Aber auch Eingriffe wie Grund-wasserabsenkung, starke Düngung mit schnellem, hohem und dichten Pflanzenwuchs sowie vorverlegte Mahd und die Versiegelung der Land-schaft machen dem Singvogel zu schaffen. In Bayern hat der Bestand dadurch von 1975 bis 1999 um 20 bis 50 Prozent abgenommen. In Ackerlagen, in denen die Schafstelze geeignete Brutreviere findet, nimmt der Bestand langsam zu. Bisher ist die Bilanz jedoch noch negativ.
Im Ries ist die Schafstelze noch verbreitet, aber nicht häufig im Offenland anzutreffen. Besonders hart scheinen die Schafstelzen im Ries vom nas-sen und kalten Sommer 2013 getroffen worden zu sein. Auf einer Kontrollfläche von ca. 500 ha hat sich der Brutbestand von 2013 auf 2014 etwa halbiert.

Schutz

Zum Schutz der Schafstelze trägt zum einen ein Anstieg der Strukturviel-falt in Ackerlagen bei. Dazu zählen zum Beispiel die Erhöhung der Anbauvielfalt und die Verkleinerung der Schlaggrößen. Auch die Extensivierung der Nutzung sowie reduzierter Pestizid- und Düngemitteleinsatz erhöhen die Qualität des Lebensraums für die Schafstelze. Zum anderen wirkt sich die extensive Nutzung der Wiesengebiete positiv für die Vogelart aus. Da die Vögel im Juni noch mitten im Brutgeschäft stecken, hat eine Mahd ab frühestens Ende Juni äußerst positive Auswirkungen auf den Bruterfolg. Optimal für den Schutz der Art ist die Durchführung umfassender Schutzkonzepte, wie sie beispielsweise in den Pfäfflinger Wiesen umgesetzt werden. Hier findet durch Vertragsnaturschutzprogramme eine Staffelung der Mahdtermine bis in den Spätsommer hinein statt. Davon profitiert nicht nur die Schafstelze, sondern alle bodenbrütenden Vogelarten.

Judith Kronberg ist Gebietsbetreuerin im Nördlinger Ries. Träger des Pro-jektes Gebietsbetreuung sind der Rieser Naturschutzverein, die Schutz-gemeinschaft Wemdinger Ried sowie der Landkreis Donau-Ries. Geför-dert wird das Projekt vom Bayerischen Naturschutzfonds (BNF) und vom Europäischen Sozialfonds (ESF).

Im Rahmen eines kostenlosen Kurzvortrages über Wiesenbewohner kön-nen sich interessierte Gruppen über die Bewohner der Rieser Wiesenge-biete informieren.

Kontakt:
Dipl.Geogr. Judith Kronberg
Gebietsbetreuerin Nördlinger Ries
Landratsamt Donau-Ries
Landespflege
Pflegstr. 2
86609 Donauwörth
Tel.: 0906 74-302
Judith.Kronberg@lra-donau-ries.de
www.riesnatur.de
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