Mit Zyankali und anderen Tricks Feinde in Schach halten

Blauflügel-Ödlandschrecke (Foto: Herr Partsch)

Vortrag der Heide-Allianz über prächtige und gut getarnte Sonnenanbeter der Riesrand-Heiden


Rund 80 Zuhörer waren zu dem Vortrag des Zoologen Matthias Dolek über seltene Heuschrecken und Schmetterlinge der Magerrasen im Ries gekommen. Eingeladen hatten die Volkshochschule Hohenaltheim und die Heide-Allianz Donau-Ries, die sich um Erhalt und Optimierung der wertvollen Magerrasen im Landkreis Donau-Ries kümmert. Auch die Gemeinde Hohenaltheim beteiligt sich am LIFE-Projekt der Heide-Allianz und stellt Flächen für die Magerrasenpflege zur Verfügung, so Bürgermeister Dr. Kavasch.

Mit beeindruckenden Fotos, Suchbildern, für den Laien oft schwer unterscheidbarem Heuschrecken-Gezirpe und spannenden Informationen zur Lebensweise der kleinen Insekten versetzte Dolek die Zuhörer gedanklich auf die Heideflächen. Einige Arten, die Dolek vorstellte, sind mittlerweile auch im Ries nur noch auf ganz wenig Heideflächen zu finden. Ihnen allen ist gemeinsam, dass sie extrem wärmebedürftig sind und sich dort am wohlsten fühlen, wo die Vegetation von den Schafen sehr kurzrasig, mager und lückig gehalten wird, oftmals von Steinen und Felsbändern durchsetzt.

Die seltenen Schmetterlinge benötigen zusätzlich die passende Futterpflanze. So braucht z.B. die Raupe des Silberblauen Bläulings den Hufeisenklee. Doch kann der Schmetterling nur dort vorkommen, wo der Hufeisenklee sonnenbeschienen ist und im engen Kontakt mit Geröll und Steinen polsterartig wächst. Nur dann ist es der unter den Polstern der Pflanze lebenden Raupe warm genug. Sobald die Futterpflanze durch zu viele Nährstoffe hochwüchsig wird, ist der Lebensraum für den seltenen Schmetterling verloren. Der Thymian-Ameisenbläuling braucht neben dem Thymian als Futterpflanze auch noch die passende Wirtsameise, in dessen Bau sich die Raupe von den Ameisen eintragen lässt. Durch einen besonderen Duft betört sie die Ameisen, so dass sie von diesen wie ihre eigene Brut gehegt und gepflegt wird, so lange bis nach der Verpuppung der Falter schlüpft. Früher war der Thymian-Ameisenbläuling auf vielen Heiden im Ries verbreitet, heute ist er hier fast vom Aussterben bedroht. Und dann gibt es noch die Schmetterlings-Gruppe der „Widderchen“, die im gesamten Körper, außer dem mit Honig gefüllten Kropf, Zyankali enthält.
Die bestens getarnte und an den kargen Lebensraum angepasste Blauflügelige Ödlandschrecke, die auf noch rund 30 Magerrasen im Landkreis zu Hause ist, entkommt auf andere Weise ihren Feinden. Bei jeder Häutung passt sich ihre Farbe der Umgebung an und ist kaum von den Felsen und Steinen zu unterscheiden. Wird sie doch von einer Eidechse oder einem Vogel entdeckt, fliegt sie auf, zeigt kurz ihre blauen Hinterflügel, um dann schnell wieder im Grau von Fels und Gestein zu verschwinden.

Durch die Pflegemaßnahmen der Heide-Allianz wie Entbuschungsmaßnahmen werden zuwachsende Heideflächen wieder geöffnet und für die Beweidung zugänglich gemacht. Derartige Maßnahmen sind dringend erforderlich, damit die Schafe die Heiden beweiden können und so kurzrasige, magere Lebensräume für die kleinen Bewohner der Ries-Randheiden erhalten bleiben.


LIFE+ Natur-Projekt Heide-Allianz „Biologische Vielfalt und Biotopverbund im Nördlinger Ries und Wörnitztal“:


- Laufzeit 08/2013 bis 09/2018
- Projektgebiet: FFH- und Vogelschutzgebiete (NATURA 2000-Gebiete) am südlichen Riesrand und südl. Wörnitztal
- Gesamtvolumen: 2,5 Mio €
- Förderung durch die Europäische Union (1,25 Mio €)
- Projektträger und –Partner: Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz, Landkreis Donau-Ries, Rieser Naturschutzverein, Schutzgemeinschaft Wemdinger Ries, Bund Naturschutz Kreisgruppe Donau-Ries
- nähere Informationen: www.life-heide-allianz.de, Geschäftsstelle Heide-Allianz, Landratsamt Donau-Ries, info@life-heide-allianz.de, 09906/74-123
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