Der Vogel des Monats Januar – der Merlin

(Foto: N. Estner)
Der Name Merlin erinnert an den Zauberer aus der Artussage. Neben diesem Zauberer trägt jedoch noch ein Vogel den Namen Merlin: der kleinste in Deutschland vorkommende Falke (Falco columbarius). Der Name leitet sich vom mittelhochdeutschen „smirlin“ ab, was „Zwergfalke“ bedeutet.

Kleiner Vogel, große Beute


Merlinmännchen und –weibchen sind unterschiedlich gefärbt. Die Männchen sind oberseits blaugrau. Die Brust ist rötlichgelb gefärbt mit einer dünnen, dunklen Strichelung. Die Oberseite der Weibchen ist von braungrauer Färbung, die Brust ist gelblichweiß und kräftig dunkel gestreift.

Mit einer Körpergröße von 25 – 30 cm ist der kleine Greifvogel nur wenig größer als eine Amsel – und diese steht unter anderem bei ihm auf dem Speiseplan. Der kleine Falke ernährt sich von Kleinvögeln bis Drosselgröße. Dazu zählen neben Drosseln zum Beispiel Finken und Ammern. Während der Brutzeit frisst der Merlin auch Mäuse und Lemminge.

Brut ohne Eintrag von Nistmaterial


Der kleine Falke brütet in der Taiga und Waldtundra Eurasiens und Nordamerikas sowie in Großbritannien. Er bevorzugt offenes, baumarmes Gelände und brütet in Heiden und Hochmooren. Typisch für Falken ist, dass sie kein Nistmaterial eintragen. Stattdessen nutzen sie bereits vorhandene Baumnester von Krähen oder Greifvögeln. Alternativ legt der Merlin seine Eier direkt auf Felsbänder oder er legt ein Bodennest an, das aus einer einfachen Mulde besteht. Das Weibchen legt drei bis fünf Eier, die von beiden Partnern abwechselnd bebrütet werden. Die Bebrütung erfolgt erst ab dem letzten Ei, sodass die Küken gleichzeitig schlüpfen. Bis zu einem Alter von zehn Tagen werden sie vom Weibchen gehudert, mit einem Alter von etwa einem Monat sind sie selbständig.


Skandinavische Vögel im Ries zu beobachten


Bei der Population Großbritanniens handelt es sich im Wesentlichen um Standvögel, d.h., die Merline brüten und überwintern dort. Die in Skandinavien brütenden Tiere sind Zugvögel und ziehen bis Mitte September aus ihren Brutgebieten weg bis Südeuropa, Nordafrika und Vorderasien. Auch Bayern nutzen sie als Überwinterungsgebiet. Sie bevorzugen auch im Winter offene, baumarme Landschaften und können daher auch im Nördlinger Ries regelmäßig beobachtet werden. Die in Russland brütenden Merline überwintern weiter östlich. Sie ziehen ins Mittelmeergebiet und nach Vorderasien.

Rasanter Bestandseinbruch


Durch den verstärkten Einsatz von Pestiziden nahm der Brutbestand des Merlins von 1950 bis 1970 stark ab. Problematisch wirkte sich insbesondere der Einsatz von DDT aus. DDT wurde seit den 1940er Jahren als Insektizid eingesetzt. Merline als Greifvögel stehen am Ende der Nahrungskette, wodurch sich DDT in ihrem Gewebe anreichert. DDT führt bei Greifvögeln zu einer verringerten Eischalendicke. Bereits beim Bebrüten zerbrachen die Eier oftmals, wodurch der Bruterfolg schlagartig sank. Darüber hinaus ist der Merlin durch einen Rückgang ihm zur Verfügung stehender Nebelkrähennester in Hochmooren gefährdet, da er die Nester als Brutplätze nutzt. Auch menschliche Störungen in den Brutgebieten hemmen seinen Bruterfolg.


Schutzmaßnahmen


Nachdem der Einsatz des Biozids DDT ab 1970 verboten wurde, kam es zu einer Bestandserholung des Merlins. Eine zusätzliche Schutzmaßnahme ist die Ausbringung künstlicher Nisthilfen in Hochmooren, um dem Merlin Brutmöglichkeiten zu schaffen.

Wissenswertes über Falken


Die Anatomie der Falken ist auf einen aktiven Flug ausgerichtet. Im Gegensatz zu beispielsweise Adlern lassen sich Falken nicht mit der Thermik tragen, sondern ihre Fortbewegung erfolgt aktiv über Flügelschläge.

Falken sind Bisstöter. Sie töten kleine Beutetiere durch einen Biss in die Schädeldecke und größere Beute durch einen Biss in die Halswirbelsäule. Dadurch werden die Beutetiere direkt getötet. Angepasst an diese Vorgehensweise sind Falken durch eine Ausbuchtung am Schnabel, den sogenannten Falkenzahn. Die Füße der Falken dienen – im Gegensatz zu denen von Weihen und Adlern – nur zum Fangen und Halten der Beute, nicht zum Töten (Eine Ausnahme bildet der Wanderfalke. Durch die Wucht des Aufpralls beim Fangen wird die Beute meist sofort getötet).

Beeindruckend ist die Sehfähigkeit von Falken, denn auch sie haben „Adleraugen“. Sie besitzen in beiden Augen ein zusätzliches Zentrum des schärfsten Sehens, die sogenannten Sehgruben. Das eine Zentrum des schärfsten Sehens ist nach vorne gerichtet. Damit können Falken ihre Beute oder ihr Ziel fixieren. Das andere Paar Sehgruben ist seitlich ausgerichtet. So können Falken im Flug navigieren, indem sie ihren aktuellen Standort erfassen, sich auffällige Landmarken merken und ihr Tempo abschätzen. Falken können also gleichzeitig Beute verfolgen, die Umgebung scannen und sich den Weg merken. Menschen hingegen haben nur ein Paar Sehgruben und können ihren Blick daher nicht gleichzeitig auf Weg und Ziel richten.

Durch 15 Halswirbel ist die Halswirbelsäule eines Falken so beweglich, dass er sie um 180 Grad drehen kann.

Judith Kronberg ist Gebietsbetreuerin im Nördlinger Ries. Träger des Projektes Gebietsbetreuung sind der Rieser Naturschutzverein, die Schutzgemeinschaft Wemdinger Ried sowie der Landkreis Donau-Ries. Gefördert wird das Projekt vom Bayerischen Naturschutzfonds (BNF) und vom Europäischen Sozialfonds (ESF).
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