Der Vogel des Monats Februar – der Raubwürger

(Foto: N. Estner)
Bei Singvögeln hat man meist kleine Vögel vor Augen, die sich von Sämereien oder Insekten ernähren. Eine Singvogelart ist jedoch als Wintergast im Ries zu beobachten, die mit ihrer Größe von 24 – 25 cm nur etwa amselgroß ist. Dennoch ernährt sie sich nicht nur von Insekten, sondern auch von kleinen Wirbeltieren. Bei diesem Wintergast handelt es sich um den Raubwürger (Lanius excubitor).

Vom Aussterben bedroht


Raubwürger sind von Europa bis Zentralsibirien verbreitet. Ursprünglich brüteten sie regelmäßig in ganz Mitteleuropa. Seit dem Anfang des 20. Jahrhunderts sind die Brutbestände rückläufig. Heute sind Raubwürger selten und brüten oft nur verstreut in Einzelpaaren. Auf der Roten Liste wird der Singvogel als vom Aussterben bedrohte Art geführt. Im Ries und im Donau-Ried war bis in die 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts der Raubwürger Brutvogel in einzelnen Paaren. Lebensraumverschlechterungen waren die Ursache für sein Verschwinden.


Räuber mit schwarzer Maske


Das Gefieder des Raubwürgers ist schwarz, grau und weiß gefärbt. Die Partie vom Schnabel über das Auge bis fast in den Nacken ist schwarz. Deshalb sagt man auch, dass der Raubwürger eine schwarze Maske trägt.

Was den einzelnen Vogelarten als Hauptnahrung dient, ist meistens an der Schnabelform erkennbar. So auch beim Raubwürger: Er hat einen kräftigen Hakenschnabel, mit dem er Wirbeltiere durch einen Biss ins Genick töten kann.

Vogel mit Speisekammer


Raubwürger sind tagaktiv. Als Ansitzjäger sitzen sie meist auf exponierten Warten wie Baumspitzen oder Leitungen. Von dort aus beobachten sie ihr Revier und ihre Beute. Sie nutzen aber auch den Rüttelflug, also das Fliegen auf der Stelle, um nach Beute zu spähen. Einen großen Teil ihres Nahrungsbedarfs decken Raubwürger mit Insekten. Vor allem während der Aufzuchtphase der Küken und im Winter reicht das als Beute jedoch nicht aus. Sie fressen dann auch kleine Wirbeltiere wie Frösche, Eidechsen, Mäuse und Singvögel. Entdeckt der Raubwürger ein Beutetier vom Ansitz oder dem Rüttelflug aus, schlägt er es normalerweise auf dem Boden. Seine Beute transportiert er größtenteils mit den Füßen. Oft übernimmt er sie erst während des Fliegens vom Schnabel in die Fänge.

Raubwürger legen Futterspeicher an. Dazu nutzen sie Hecken, vorzugsweise mit Dornen. Dort können sie die Beutetiere aufspießen oder in Astgabeln klemmen. Der Futterplatz befindet sich meist auf einem waagerechten Ast. Dort reißt der Raubwürger kleine Stücke aus seinem Beutetier heraus und verfüttert sie an seine Jungen oder frisst sie selbst.


Anspruch an Vielfalt


Als Brutgebiet bevorzugt der Singvogel halb offene Landschaften mit einem Wechsel aus offenen und dichteren Bereichen mit Hecken, Feldgehölzen und Bäumen. Exponierte Warten wie Baumspitzen nutzt der Raubwürger als Jagdwarten. Raubwürger sind Teilzieher. Das bedeutet, ein Teil der Population verbringt den Winter in den Brutgebieten, der andere Teil zieht in südlichere Bereiche. Die Winterreviere weisen meist eine ähnliche Struktur auf wie die Brutreviere, sind aber größer. Das Nördlinger Ries ist solch ein Gebiet, in das regelmäßig Raubwürger aus nördlicher gelegenen Brutgebieten zum Überwintern ziehen. Diese ziehenden Vögel sind ihrem Winterrevier meist treu und kehren jeden Winter dorthin zurück.

Strukturreiche, halboffene Landschaften mit einem hohen Nahrungsangebot sind auch im Ries selten geworden, sodass der Raubwürger nur noch an wenigen Stellen im Ries unregelmäßig anzutreffen ist. Mit viel Glück kann man ihn beispielsweise noch im Schwalbtal, im Wemdinger Ried oder auf dem Albuch beobachten.

Wohngemeinschaft mit Drosseln


Raubwürger bevorzugen übersichtliches Gelände mit Kuppen als Brutrevier. So können sie über Sitzwarten Sichtkontakt zu Reviernachbarn halten. Obwohl Raubwürger ihr Revier gegenüber Nachbarn verteidigen, ist dieser Sichtkontakt wichtig für sie. Wenn ein Revierpaar sein Revier aufgibt, kann es vorkommen, dass die angrenzenden Paare ihr Revier ebenfalls verlassen. Wie durch einen Dominoeffekt kann auf diese Weise ein ganzes Gebiet geräumt werden.

Oft brüten Raubwürger in der Nähe von Wacholderdrosseln. Aus dieser Lebensgemeinschaft zieht der Raubwürger den Vorteil der Feindabwehr durch die Drosseln. Im Gegenzug stehen die in der Nähe brütenden Wacholderdrosseln nicht auf dem Speiseplan der Raubwürger, obwohl sie von ihrer Größe her noch in ihr Nahrungsspektrum fallen würden.

Gefährdung


Insbesondere durch Strukturänderungen ist sein Lebensraum und damit der Raubwürger selbst gefährdet. So leidet der Raubwürger unter einer Abnahme der Streuobstbestände sowie dem Verlust von Feuchtgebieten und Mooren durch Trockenlegung, Bebauung und Aufforstung. Wegebau durch geeignete Bruthabitate kann zu einer Fragmentierung führen, sodass das Gebiet letztlich nicht mehr für die Vogelart als Brutgebiet nutzbar ist. Sukzession nach Nutzungsaufgabe kann ein vormals geeignetes Brutgebiet unattraktiv machen, da Raubwürger auch auf offene Bereiche angewiesen sind. Störungen an Brutplätzen durch Freizeitnutzung erhöhen die Gefahr der Nestprädation. Durch den Einsatz von Pestiziden verringert sich das Nahrungsangebot, durch Düngemitteleinsatz kommt es zu schnellerem Aufwuchs und dadurch zur schlechteren Erreichbarkeit der Beute. Durch den Einsatz von Nagergiften können Feldmausgradationen ausbleiben. In Kältewintern kann dadurch eine wichtige Nahrungsgrundlage wegbrechen. Insbesondere bei feucht-kalter Witterung und in Kältewintern kann es durch Habitatveränderungen zu großen Verlusten kommen.

Schutzmaßnahmen


Als Schutzmaßnahmen dienen Maßnahmen, die Habitatveränderungen entgegen wirken. Dazu zählen der Erhalt von Streuobstwiesen, Mooren und reich strukturierter Kulturlandschaft mit Sitzwarten und unasphaltierten Feldwegen. Auch die Vermeidung von Störungen führt zu geringeren Prädationsraten und damit zum Schutz der seltenen Vogelart.

Judith Kronberg ist Gebietsbetreuerin im Nördlinger Ries. Träger des Projektes Gebietsbetreuung sind der Rieser Naturschutzverein, die Schutzgemeinschaft Wemdinger Ried sowie der Landkreis Donau-Ries. Gefördert wird das Projekt vom Bayerischen Naturschutzfonds (BNF) und vom Europäischen Sozialfonds (ESF).
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