Der Vogel des Monats Dezember – die Sumpfohreule

Sumpfohreule , Foto: N. Estner
Donauwörth: Landratsamt Donau-Ries | Im Winter ist die Vogelwelt im Ries meist unauffällig. Die Zugvögel haben das Ries verlassen. Die Vögel, die den Winter im Ries verbringen (Standvögel) versuchen möglichst wenig Energie zu verbrauchen, da die Nahrungsverfügbarkeit knapper ausfällt als im Sommer. Außerdem benötigen sie mehr Energie, um bei kalten Temperaturen ihre Körpertemperatur aufrecht zu halten. Dennoch gibt es Arten, die in nördlicheren Gebieten brüten und nach Süden ins Ries ziehen, um hier zu überwintern. Ein sehr faszinierender Gast ist die Sumpfohreule (Asio flammeus).

Tagaktive Eule
Die Sumpfohreule ist der Waldohreule zum Verwechseln ähnlich. Sie ist 34 – 42 cm groß und damit etwas kleiner als die Ringeltaube. Die Flügelspannweite der Sumpfohreule beträgt etwa einen Meter. Sie fliegt gaukelnd, was an das Flugbild von Weihen erinnert. Das Gefieder der Sumpfohreule ist hell und stark gestreift. Sie hat sehr kleine Federohren auf dem Kopf, die aber nicht als Gehörorgan dienen. Die Ohröffnungen liegen an der Schädelseite unter den Federn verborgen. Die Iris der Sumpfohreule ist gelb. Das ist ein sicheres Unterscheidungsmerkmal zur Waldohreule, deren Iris orange gefärbt ist. Eine weitere Besonderheit, die einem die Unterscheidung vereinfachen kann, ist, dass Sumpfohreulen teilweise tagaktiv sind. Die Waldohreule ist erst ab der Dämmerung zu sehen und jagt nachts.

Große Verbreitung, seltene Art
Sumpfohreulen haben ein großes Verbreitungsgebiet. Sie kommen in Eurasien, in Teilen von Nord-, Mittel- und Südamerika, auf Hawaii, den Galapagos- und den Falklandinseln vor. Trotz des großen Verbreitungsgebietes sind Sumpfohreulen nicht häufig. Ganz im Gegenteil, mit einem Brutbestand von 140 – 560 Brutpaaren in Mitteleuropa sind Sumpfohreulen vom Aussterben bedroht, in Bayern gelten sie als Brutvogel bereits als ausgestorben. Nur auf den ost- und westfriesischen Inseln bestehen stabile Brutvorkommen.

Sumpfeule
Der Name Sumpfohreule deutet auf die kleinen Federohren und auf den Lebensraum Sumpf hin. Neben Sümpfen kommt die Art in Feuchtgebieten, Mooren, Dünen und Salzwiesen vor. Sie benötigt offene Landschaften mit niedriger, aber deckungsreicher Vegetation.

Speiseplan

Die seltene Eule ernährt sich hauptsächlich von Wühlmäusen. Bei einem Mangel an Mäusen stellt sich die Sumpfohreule auf Vögel und andere Kleinsäuger um. Die geschlagene Beute kann die Größe von Lachmöwe, Schleiereule und kleinen Enten erreichen. Dadurch, dass Mäuse als Hauptbeute dienen, ist der Brutbestand der Sumpfohreulen durch Mäusegradationsjahre beeinflusst und schwankt dementsprechend.

Nest und Nachwuchs

Sumpfohreulen sind Bodenbrüter. Die Weibchen legen in einem Abstand von 1-2 Tagen 7 – 10 Eier in einer Mulde auf dem Boden ab. Bebrütet wird ab dem ersten Ei. Das führt dazu, dass die Küken asynchron schlüpfen. Sie haben zunächst geschlossene Augen und Ohren.

Gefahren für die Sumpfohreule
Als Art, die in einem gefährdeten Lebensraum brütet, ist die Sumpfohreule vor allem durch Verlust ihres Lebensraumes gefährdet. Durch Entwässerung und Aufforstung von Mooren, Torfabbau und der intensiven Nutzung von Feuchtgrünland schwindet der Lebensraum der Sumpfohreule und damit auch die Eule selbst. Eine weitere Gefahr besteht im Ausbleiben der Mäusegradationen durch Lebensraumverlust, Bodenverdichtung, Wegebau und gegen die Nager eingesetztes Gift, sogenanntes Rodentizid. Hinzu kommen Störungen durch Freizeitnutzung und Tourismus, landwirtschaftliche Nutzung wie Mahd während der Brutzeit, Prädation, ungünstige Witterungseinflüsse und Überschwemmungen.

Schutz
Dem Schutz der seltenen Eulenart dient vor allem Lebensraumschutz, d.h. der Schutz von großflächen Wiesengebieten mit eingestreuten Brachflächen, in denen Sumpfohreulen am Boden ruhend den Tag verbringen. Darüber hinaus kommt der Eule eine Mahd außerhalb der Brutzeit zugute sowie die Reduktion von Nagergiften (Rodentizide) in Wiesengebieten.

In Bayern ausgestorbener Brutvogel brütet im Ries
Im Ries sind Sumpfohreulen regelmäßig in den Wintermonaten zu beobachten, bevor sie ab Februar wieder an ihre Brutplätze ziehen. Sensationell waren die Sumpfohreulenbruten im Ries in den Jahren 2005 und 2012. Bis dahin wurde die Sumpfohreule in Bayern in der roten Liste als ausgestorbener Brutvogel geführt. Aufgrund starker Nagerbestände in den jeweiligen Winter- und Frühjahrsmonaten blieben einige überwinternde Sumpfohreulen im Ries und brüteten. Auffällig waren ihr tagaktives Verhalten und ihre Agressivität gegenüber Greifvögeln.
Durch ehrenamtlich organisierten Brutplatzschutz in Kooperation mit den Flächenbewirtschaftern und dem Landratsamt Donau- Ries wurden bewirtschaftungsbedingte Verluste ausgeschlossen. Daher waren die Brutpaare sehr erfolgreich. Fünf erfolgreiche Brutpaare brachten in den beiden Jahren 26 Junge zur Flugfähigkeit.
Ob 2015 die derzeit im Ries verweilenden Sumpfohreulen dank einer sich aufbauenden Mäusepopulation wieder brüten werden?

Kuriositäten über Eulen

Schaut man einer Eule ins Gesicht, sind die großen Augen besonders auffällig. Das liegt zum einen an der tatsächlichen Größe der Augen. Sie nehmen etwa ein Drittel des Schädels ein. Beim Menschen entspräche das Augen in Apfelgröße. Zum andern sind die Augen von Eulen fest mit dem Schädel verbunden und daher nicht beweglich. Eulen müssen also den Kopf drehen, wenn sie ein Objekt fokussieren möchten. Das Drehen des Kopfes ist für Eulen aber kein Problem, denn ihre Halswirbelsäule ist durch 14 Halswirbel extrem beweglich. Selbst Giraffen haben nur sieben Halswirbel. Eulen können so den Kopf um 270 Grad wenden. Sie können den Kopf auch um 180 Grad neigen. Dann steht der Kopf kopf. Beute, die direkt vor ihren Füßen liegt, scheinen Eulen nicht sehen zu können. Sie müssen immer ein paar Schritte zurück gehen, um sie fokussieren zu können. Man nimmt daher an, dass Eulen weitsichtig sind.
Eulen können gut sehen, aber in völliger Dunkelheit ist ihr Sehvermögen nicht so gut, wie oft angenommen. Was ihr zur sicheren Ortung der Beute hilft, ist ihr ausgezeichnetes Gehör. Der Schleier, also die um die Augen ringförmig angeordneten Federn, bildet eine Art Schalltrichter und leitet den Schall zu den Ohröffnungen.

Bekannt sind Eulen für ihren lautlosen Flug. Dieser ist auf die Struktur ihrer Federn zurück zu führen. Sie sind gezähnt und steif an der Flügelvorderkante, weich am Hinterrand und auf der Oberfläche mit Flaum besetzt. Durch diese Merkmale werden die Luftverwirbelungen und damit der Schall optimal reduziert, was in dem lautlosen Fliegen deutlich wird.
Von den vier Zehen einer Eule ist eine eine sogenannte Wendezehe. Die dritte, nach vorn gerichtete Zehe kann nach hinten gedreht werden, um Beute besser packen zu können.

Judith Kronberg ist Gebietsbetreuerin im Nördlinger Ries. Träger des Projektes Gebietsbetreuung sind der Rieser Naturschutzverein, die Schutzgemeinschaft Wemdinger Ried sowie der Landkreis Donau-Ries.
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