Wohin geht die Zeit, wenn sie geht?

Günter Katheder-Göllner (links) und Christian Rindsfüßer, die Verfasser des Zeitatlas
 
Der Zeitbelastungs-Index für den Landkreis Donau-Ries
Unter welchen Bedingungen geraten Eltern in Zeitstress? Zeitatlas Donau-Ries liefert Antworten

Öffnungszeiten, Verkehrsanbindungen, die Entfernung zu Ärzten und Geschäften oder die Unterrichts- und Betreuungszeiten der Kinder – viele Faktoren bestimmen darüber, ob Eltern Familie und Beruf ohne Zeitstress vereinbaren können. Sind die Zeiten im Alltag nicht aufeinander abgestimmt, geraten Mütter und Väter schnell aus dem Takt. Um die regional unterschiedliche Zeitbelastung von Familien zu analysieren hat der Landkreis Donau-Ries gemeinsam mit seinen Partnern im Lokalen Bündnis für Familie Donau-Ries den „Zeitatlas Donau-Ries“ entwickelt.

Mehr als 40% der Familien im Landkreis Donau-Ries leiden regelmäßig unter Zeitstress; fast die Hälfte fühlt sich manchmal überfordert oder häufig zu stark gefordert; mehr Zeit ist vielen Familien wichtiger als mehr Geld.“ So lauten einige Ergebnisse einer Befragung von Familien, die im Rahmen der Modellprojekts „Zeit für Familie“ durchgeführt wurde (Wie berichtet, wurde der Landkreis Donau-Ries im Mai 2012 vom Bundesfamilienministerium [BMFSFJ] als einer von fünf Pilotstandorten bundesweit ausgewählt, um Instrumente für eine kommunale Zeitpolitik für Familien zu entwickeln).

Unterschiedliche Lebensverhältnisse, unterschiedliche Zeitkonflikte

„Die Lebensverhältnisse sind in unserer Region sehr unterschiedlich“, weiß Landrat Stefan Rößle. „Und diese unterschiedlichen Lebensbedingungen können bei Familien auch zu unterschiedlichen Zeitkonflikten führen.“ Die Befragung bestätigte diese Vermutung: Während beispielsweise in Donauwörth Zeitkonflikte vor allem durch Krankheit der Kinder oder durch Überstunden verursacht werden, sorgen in Rögling und Tagmersheim hauptsächlich die langen Wege für Zeitstress in Familien.

Um diesen regionalen Unterschieden auf die Spur zu kommen, wurde der Zeitatlas Donau-Ries entwickelt. „Unsere Idee war es, Indikatoren zu finden, mit denen wir die regional unterschiedliche zeitliche Belastung von Familien darstellen können“, erläutert Günter Katheder-Göllner, Bündniskoordinator und Familienbeauftragter des Landkreises die Zielsetzung dieses Vorhabens.
Wann beginnt der Schulunterricht? Wie lange hat die KITA geöffnet? Wie weit ist es zum nächsten Kinderarzt? Gibt es Einkaufsmöglichkeiten vor Ort? Zahlreiche Quellen wurden ausgewertet; ergänzend flossen auch Angaben der Städte und Gemeinden in die Untersuchung ein. Neben diesen infrastrukturellen Rahmenbedingungen wurden auch die individuellen Lebensverhältnisse der Familien analysiert. Dazu gehören beispielsweise Informationen darüber, wie viele Kinder in den Haushalten leben, wie viele Mütter oder Väter alleinerziehend sind und wie hoch das Haushaltseinkommen ist.
Karten machen Zeitkonflikte sichtbar

In einem Zeitbelastungs-Index führt der Zeitatlas die Faktoren für Zeitkonflikte zusammen. Je nachdem welche und wie viele Indikatoren zusammentreffen, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit dafür, dass Familien unter Druck geraten. Der „Zeitatlas Donau-Ries“ liefert somit Hinweise darauf, wann und wie im Zusammenspiel von Infrastruktur und individuellen Lebensverhältnissen Zeitkonflikte entstehen können. Anhand von Karten und Grafiken wird das trockene Zahlenmaterial in anschauliche und nachvollziehbare Darstellungen übersetzt.

„Wir wollten ein lesbares und verständliches Werk schaffen, das als Diskussions- und Arbeitsgrundlage für Lösungen vor Ort dienen soll“, formuliert der Projektverantwortliche Katheder-Göllner den Anspruch an den Zeitatlas Donau-Ries. Unterstützung erhielt er bei diesem Vorhaben vom sozialwissenschaftlichen Institut SAGS. Die Augsburger Firma steuerte das statistische Know-how bei und gewährleistete, dass die Berechnungen stimmen. „Mit dieser Sache haben wir Neuland betreten“, merkt dazu der SAGS-Chef Christian Rindsfüßer an.

Erste positive Resonanz
Das Bundesfamilienministerium zeigt sich überzeugt, dass dem Landkreis Donau-Ries hier eine wegweisende Sache gelungen ist. So äußert das BMFSFJ im Vorwort die Hoffnung, dass „die guten Ergebnisse aus dem Landkreis Donau-Ries vielen Kommunen Anregung geben werden, wie Familienzeitpolitik vor Ort angepackt und umgesetzt werden kann“. Bei Tagungen in Berlin und Mainz stieß die Vorstellung von „Zeitatlas“ und „Zeitwerkstätten“ (dem zweiten Baustein des Projekts im Donau-Ries) bereits auf großes Interesse. Nicht nur diese erste positive Resonanz auf die Projektergebnisse stimmt Landrat Stefan Rößle zuversichtlich, dass sich die Mitwirkung als Pilotstandort gelohnt hat. „Zusammen mit unseren Projekt- und Bündnispartnern haben wir viele gute Ideen entwickelt, um Familien in unserer Region mehr Zeit für Familie zu verschaffen“. Nun gelte es, aus den Ideen konkrete Projekte und Angebote zu entwickeln. Erste Schritte dazu sind bereits gemacht. „Wir bleiben dran!“, das war dann auch die einhellige Meinung bei einem Projekttreffen, das vor kurzem in der VHS Donauwörth stattfand. „Und dafür opfern wir auch gerne einen Teil unserer Zeit“.

Hintergrund:

Am 15. Mai 2012, dem Aktionstag der bundesweiten Initiative „Lokale Bündnisse für Familie“, hat Bundesfamilienministerin Kristina Schröder den Startschuss für das Pilotprojekt „Kommunale Familienzeitpolitik“ gegeben.
Der Landkreis Donau-Ries ist einer von bundesweit fünf Standorten, an denen Lokale Bündnisse für Familie mit zahlreichen Partnern Konzepte und praktische Maßnahmen entwickeln, wie sich Zeitkonflikte für die Familien vor Ort entschärfen lassen.

Ziel ist es, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie und damit die Lebensqualität von Familien zu verbessern. Die anderen vier Standorte sind: Aachen, Herzogenrath, Neu Wulmstorf und der Saalekreis.

Im Landkreis Donau-Ries gehören zu den Projektpartnern unter anderem der Landkreis Donau-Ries selbst, die Gemeinden Asbach-Bäumenheim, Mertingen, Rögling, Tagmersheim sowie die Stadt Donauwörth, die Fa. Eurocopter, der Wirtschaftsförderverband, die Agentur für Arbeit, das Mehrgenerationenhaus Donauwörth und die Fachstellen ÖPNV und Kindertagesbetreuung im Landratsamt.
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