Notenkessel - Judy Bailey unplugged
Pat zaubert sein Schüttel-Ei weg, Gerald groovt ohne Ende, Roy spielt den ahnungslosen Engländer und einen richtig guten Akustikgitarrenbass.
Großes Finale im „Donauwörther Notenkessel 2011“: Judy Bailey unplugged, was hier soviel bedeutet wie die kleine Bandbesetzung. Vier Leute auf der Bühne. Aber es ist faszinierend, was diese für eine tolle Musik abliefern. Das groovt so richtig gut.
Fangen wir mal mit dem Mann im (optischen) Hintergrund an: Gerald Lieberum am Schlagzeug oder an der Cajon. Ein Profimusiker aus der Reggae-Band Heaven Bound, aus der Band zum Living-Gospel-Choir, aus dem Tonstudio, aus der JazzHouseBand. Vielseitig eben. Und einfühlsam. Wegen ihm zuckten jedem die Beine.
Roy Johnson sitzt hinter seiner Akustikbassgitarre und griffelt sich einen ab. Cool, was er für Gänge rüberwachsen lässt. Das macht richtig Freude! Was er kann, zeigte er bei seinem Basssolo. Klasse. Und gleich anschließend legt er ein Solo auf der Djembe hin bis ihm die Finger abfallen. Er war schon mal im Notenkessel zu Gast: 1999 – beim Dritten von insgesamt 15 Kesseln – damals mit seiner Vokalgruppe, den Roy-Johnson-Singers. Ach ja, singen tut er natürlich auch. Let the son shine.
Patrick Depuhl. Aha, Kommunikationswissenschaftler. Deshalb kann er so gut reden. Seine tiefe Stimme geht als Ben Becker durch, wenn er Judy gelegentlich übersetzt oder aus ihrem Buch (Und Ich Sang) liest. Aber eigentlich ist er als Sänger und Percussionist dabei. Bildet mit Roy und Judy einen satten oder soften Satzgesang. Je nachdem. Ja, es ist alles richtig gut an dieser kleinen Truppe. Und er ist der liebste Mann an ihrer Seite.
Die Frontfrau Judy Bailey. Einfach tolle Songs, die sie da geschrieben hat. Damit fängt es schon an. Fast immer eine Hookline, die man mitsingen kann. Surrounded. God will never let me down – No never let me down. Partysongs, in die man sich endlos hinein tanzen kann. Spirit of freedom (ihr FIFA-Song). Aber sie stellt auch Fragen, denn sie kommt grade von einer Afrika-Tour zurück. Hat Flüchtlingslager besucht. Und abgelegene Dörfer. Da musst du drei Stunden laufen, bis du Wasser hast. Es läuft nicht aus dem Wasserhahn. Und es ist lange nicht so sauber. Why? Warum geht es Einem so, dem Andern so? Sind wir doch alle Gottes Kinder, von ihm gemacht. Why? Sie fordert uns auf, etwas zu tun. Wir, sagt sie, müssen etwas tun. Wir, das Volk, sind es, die etwas tun können. We are the one, time for changing. Und sie macht Mut. Wenn die Dunkelheit das Licht von deinem Gesicht stielt. Das Universum gehört Gott. Und du hast einen Platz darin. Du bist geliebt, geliebt, geliebt. Auch dieses Konzert hätte gerne fünf Stunden dauern können. Siehe Lesung von Patrick aus Judys Buch. Gut, dass es den Notenkessel gibt. Ach ja, und Donauwörth ist jetzt nicht mehr der einzige Ort, der fehlt auf Judys Tour-Liste. Gott sei Dank.



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