Lehrer-Not an den Berufsschulen

An Berufsschulen fehlen Lehrer im Bereich Metall. Das führt dazu, dass Stunden ausfallen und vereinzelt ein Fach gar nicht unterrichtet werden kann. Lehrkräfte zu finden, ist gar nicht so einfach
Bildung: Vor allem im Fachbereich Metall fehlen Pädagogen.
Nun hat sich der IHK-Prüfungsausschuss Nordschwaben eingeschaltet und stellt klare Forderungen

von Alexandra Schneid

Fehlende Lehrkräfte, ausfallende Unterrichtsstunden und Stoff, den Schüler mühsam nachholen müssen: Diese Situation beobachtet Michael Meier seit etwa eineinhalb Jahren. Er ist Ausbilder für Industriemechaniker bei dem Donauwörther Unternehmen Airbus Helicopters. Einige seiner Auszubildenden hätten vergangenes Jahr vier Monate lang keinen Sozialkundeunterricht gehabt, berichtet er. Es gab einfach keine Lehrer an der Berufsschule.

Um auf dieses Problem aufmerksam zu machen, hat der IHK-Prüfungsausschuss Industriemechaniker Nordschwaben (Berufsschulen Donauwörth, Lauingen und Nördlingen) ein Schreiben verfasst. Es wurde auch an Bettina Kräußlich, die Leiterin der IHK-Regionalgeschäftsstelle Nordschwaben, an Landrat Stefan Rößle, an Johann Häusler, der handwerks- und mittelstandspolitische Sprecher der Freie-Wähler-Landtagsfraktion, sowie Regierungspräsident Karl Michael Scheufele geschickt.

In dem Schreiben heißt es, dass Pflichtfächer im Metallbereich "nicht mehr in vollem Umfang unterrichtet werden können", da der Lehrernachwuchs fehle. Diese Situation werde sich zuspitzen, wenn in den nächsten Jahren Lehrer pensioniert werden oder in Altersteilzeit gehen. Außerdem sei das Leistungsniveau der Schüler sehr unterschiedlich. Das bedeute, dass eigentlich noch mehr Lehrkräfte nötig wären.

Winfried Schiffelholz, der Leiter der Ludwig-Bölkow-Berufsschule Donauwörth, kennt die Probleme nur zu gut. Er sagt: "Die Pflichtfächer können wir noch notdürftig abdecken. Mangel herrscht ausschließlich im Metallbereich."

Am Staatlichen Beruflichen Schulzentrum Nördlingen sieht die Situation im Bereich Metall und teilweise in Elektrotechnik nicht anders aus. Um Lehrerstunden zu sparen, werde eine Klasse mit über 30 Schülern nicht in zwei Gruppen aufgeteilt, erklärt Schulleiter Martin Neumann. "Damit geht die individuelle Betreuung zurück und der Lehrerjob wird anstrengender. Die Qualität der Ausbildung wird dadurch nicht besser", sagt er. An beiden Berufsschulen seien schon Unterrichtsstunden komplett entfallen.

Der Donauwörther Direktor Schiffelholz sagt, dass Lehrer den verpassten Stoff "intensiver durchnehmen müssen. Die Betriebe können sich darauf verlassen, dass der Schulstoff in der Schule vermittelt wird". Die ausgefallenen Sozialkundestunden der Schüler versuchte Ausbilder Michael Meier, durch verstärkte Prüfungsvorbereitung auszugleichen - freiwillig versteht sich. Irgendwo müssten die Schüler ja den Stoff nachholen, sagt er. Denn: "Die Prüfungen der IHK sind einheitlich."

Lehrernachwuchs zu gewinnen, sei gar nicht so einfach, weiß Schiffelholz. Er glaubt, dass es zu wenige Studenten im Bereich Metall gebe. Und diejenigen, die das Fach studiert haben, gingen eher in die Wirtschaft. "Da kann man gut Geld verdienen", sagt Schiffelholz und rechnet vor: Ein Referendar bekommt im ersten Jahr zwischen 1000 und 1200 Euro - weniger als mancher Azubi im dritten Lehrjahr.
Der Nördlinger Schulleiter Martin Neumann glaubt, dass das berufliche Lehramt ein "Riesen-Imageproblem" habe und die Wirtschaft aus Sicht von Berufseinsteigern deutlich attraktiver scheine.

Um den Lehrermangel an der Berufsschule Donauwörth ein Stück weit auszugleichen, setzt die Einrichtung nebenberufliche Lehrkräfte und Fachlehrer ein. Der Nördlinger Direktor Martin Neumann ist froh über die nebenberuflichen Lehrkräfte. Sie übernehmen 90 Wochenstunden, die ansonsten ersatzlos ausfallen würden. Er hofft, nächstes Schuljahr ein bis zwei Stellen zu bekommen, brauchen würde er vier.

Der IHK-Prüfungsausschuss und zahlreiche mittelständische Ausbildungsbetriebe in Nordschwaben fordern aufgrund der vorhandenen Probleme, dass unter anderem Quereinsteiger leichter Berufsschullehrer werden können. Sie sprechen sich für eine höhere Bezahlung der Berufsschullehrer aus und fordern, mehr Lehrer in der Fachrichtung Metalltechnik einzustellen. Das Anliegen des IHK-Prüfungsausschusses ist, Fachkräfte in der Region zu sichern.

Johann Häusler, der Landtagsabgeordnete der Freien Wähler, äußerte sich in einer Pressemitteilung zu der Situation: "Die Wirtschaft in unserer Region lebt vom Erfolg unseres regionalen Mittelstandes." Um wettbewerbsfähig zu sein und die Heimat für junge Leute attraktiv zu halten, müsse man "angehenden Fachkräften eine optimale Ausbildung ermöglichen".


Kein Dauerzustand
Kommentar von Alexandra Schneid
Fehlende Berufsschullehrer

Die Situation an Berufsschulen ist besorgniserregend. Stunden im Fachbereich Metall fallen aus, vereinzelt können Fächer gar nicht unterrichtet werden, weil Lehrer fehlen. Die gehäuften Lerninhalte müssen vermutlich im Unterricht durchgepeitscht werden. Wer mit dem Tempo nicht mithalten kann, muss sich den verpassten Stoff wohl oder übel selbst aneignen. Ausreichend Zeit für individuelle Betreuung und kleine Lerngruppen gibt es nicht.

Es darf kein Dauerzustand sein, dass ausbildende Betriebe die ausgefallenen Schulstunden abfedern müssen. Es darf auch nicht zur Regel werden, dass nebenberufliche Lehrkräfte und Fachlehrer die Aufgaben eines ausgebildeten Lehrers übernehmen, um das fehlende Personal auszugleichen.

Eine starke regionale Wirtschaft braucht Fachkräfte und die gewinnt man unter anderem durch eine fundierte Ausbildung. Diese kann nur erfolgreich verlaufen, wenn genügend Lehrer zur Verfügung stehen und in kleinen Klassen unterrichten. Die Lehrer-Not zu lösen ist nicht leicht, solange die Bezahlung in der freien Wirtschaft höher ist.
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1 Kommentar
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 13.04.2016 | 14:04  
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