Familie Walther und das Münster zu unserer Lieben Frau in Donauwörth

Wappen der Familie Walther im Chor des Münsters Zu Unserer Lieben Frau in Donauwörth

„…als man den ersten stain legt, da gab Elsbet, Conraten Walthers witib, hundert gulden auf denselben ersten stain an den pau und Marien, der mutter gottes, czu erre.“
So beschreibt Ulrich Walther (1419-1505) in seiner Familienchronik die Grundsteinlegung der neuen Pfarrkirche in Werd, heute Donauwörth, der Heimatstadt seiner Großeltern. Das genaue Datum der Grundsteinlegung für die neue Marienkirche erfahren wir aus der Geschichte des Klosters Heilig Kreuz des letzten Abtes Coelestin Königsdorfer. Er schreibt in Band 1: „Im Jahr 1444…am Montag nach Cantate legte er (Abt Heinrich Schmidlin) zum Lobe und unter dem Titel der in den Himmel aufgenommenen seligsten Jungfrau Maria den ersten Grundstein.“ Das bedeutet, dass vor genau 570 Jahren, am 11. Mai 1444, der Grundstein für den Neubau der Stadtpfarrkirche, dem heutigen Münster „Zu Unserer Lieben Frau“ gelegt wurde. Denn die 400 Jahre alte, von Mangold erbaute und dem Heiligen Ulrich geweihte Kirche war baufällig geworden und drohte einzustürzen. Deshalb ließ Abt Heinrich vom Kloster Heilig Kreuz als damaliger Patronatsherr mit Zustimmung des Stadtrates die Kirche abtragen. Der Turm stürzte von selber ein. Eine in der Nähe der Kirche stehende Jakobskapelle, für die Conrad und Elsbeth Walther ein Glasfenster mit dem Wappen der Familie Walther und der Jahreszahl 1380 gestiftet hatten, musste ebenfalls abgebrochen werden. Das Ehepaar Walther gehörte zu den großzügigsten Stiftern im 15. Jahrhundert in Donauwörth. An der Stelle der Waldenserhäuser, errichteten das Ehepaar Walther ein Pilgrim-Haus und ein Spital, das heute noch als Bürgerspital der Stadt Donauwörth existiert.
Bereits bei der Grundsteinlegung der Johanniskirche spendet Conrad Walther, ebenso für die Heilig-Kreuz-Kirche und für die alte Pfarrkirche Sankt Ulrich, in der er 1432 vor dem „Zwölfapostelaltar“ bestattet wird. Seine Frau Elsbeth (1351-1444) stammte aus der Donauwörther Patrizierfamilie Hager. Ein Verwandter Elsbeths - wahrscheinlich ihr Bruder- war 1400 bis 1425 Abt Johannes des Klosters Heilig-Kreuz. Ein Bruder des Abtes und wahrscheinlich auch Elsbeths war der Ratsherr Erhard Hager, der als Abgesandter der Stadt Schwäbischwerd beim Konzil von Konstanz, das vor genau 600 Jahren, am 5. November 1414 einberufen wurde, die Interessen seiner Heimatstadt vor dem Kaiser Sigismund gegen den Herzog Ludwig den Bärtigen vertrat.
Im selben Jahr der Grundsteinlegung starb Elsbeth Walther und wurde in der Vorgängerkirche der Heilig-Kreuz-Kirche vor dem „Sankt Michael Altar“ beigesetzt. Als 1456 das südliche Seitenschiff des neuen Gotteshauses einstürzte, entstand in der Stadt ein „Gemurmel“. Hatte der Baumeister Johann Knebel versagt oder waren die Gelder, die zum Bau verwendet wurden, etwa nicht „rechtmäßig“ erworben? Die Bürger gingen auf Nummer sicher. Es wurden neue Gelder gesammelt, und der Baumeister wurde ausgewechselt.
Ulrich Walther II. (1419-1505) der Enkel Elsbeth und Conrad Walthers, der in Augsburg Karriere gemacht hatte, war jetzt für die Vollendung des Kirchenbaus verantwortlich. Er war Handelsherr, Baumeister, bischöflicher Küchenmeister und Mitglied des Rates der Stadt Augsburg. Er hatte 1437 die reiche Augsburger Bürgerstochter Barbara Ridler (1420-1507) geheiratet. Das Ehepaar Walther–Ridler hatte 22 Kinder, und beim Tod Ulrich Walthers 1505 wurden 133 Seelen an Kindern, Enkeln und Urenkeln gezählt, deren „Stammmutter“ die Donauwörtherin Elsabeth Walther geborene Hager war.
Detaillierte Auskunft über die verwandtschaftlichen Verflechtungen der Familie Walther mit reichen Augsburger Familien gibt die Familienchronik Ulrich Walthers II. Außerdem ist sie Quelle für die zahlreichen Stiftungen der Familie Walther in Donauwörth und Augsburg.

Marx Walther (1456-1511), das 15. Kind Ulrich Walthers, hat die Aufzeichnungen seines Vaters Ulrich über die Stiftungen der Familie und die Familienchronik mit einigen Ergänzungen in sein Turnierbuch eingefügt. 1506 ließ Marx Walther von einem Maler ein Turnierbuch anfertigen, das heute in der Bayerischen Staatsbibliothek aufbewahrt wird. Die Bilder dieser Handschrift, bei denen es hauptsächlich um eine möglichst realistische Wiedergabe der Rüstungen und Waffen der Kämpfenden geht, geben ein anschauliches Bild der mancherlei Bräuche, die bei den kleineren Turnieren üblich waren. Der Urenkel der Donauwörtherin Elsabeth Walther hatte sein ererbtes Vermögen bedeutend vermehrt und konnte sich deshalb ganz seinen Neigungen widmen und das Leben und die ritterlichen Gepflogenheiten begüterter Junker nachahmen.
Bei seinem Abschied von den Turnieren im Jahr 1489 erschien Marx Walther, um seine Stärke zu zeigen, mit einem Spieß von solcher Länge und Schwere, dass diesen zwei Wappenmeister auf den Schultern herbeitragen mussten; und als er zu Pferde saß, ließ er zu aller Verwunderung einen fast vierzehnjährigen Knaben auf die Lanze setzen.

Im Münster Zu Unserer Lieben Frau finden sich heute noch Spuren dieser bedeutenden Stifterfamilie Walther. Im Chor der Kirche prangt neben der Heilig-Geist-Taube und dem alten Stadtwappen, dem ein köpfigen Adler, das prächtige Wappen der Familie Walther-Ridler. An der Nordwand des Chores ist die Heilige Barbara dargestellt. Hat Barbara Walther geborene Ridler ihre Namenspatronin malen lassen?
Wahrscheinlich hat sich auch die Ehefrau Marx Walthers Afra Walther (1441-1503), die aus der reichen Augsburger Kaufmannsfamilie Meuting stammte, ein Denkmal gesetzt.
Gegenüber der Heiligen Barbara an der Südwand des Chores sehen wir die Bistumspatronin, die Heilige Afra. Ihr zu Füßen ist das Wappen der Familie Meuting aus Augsburg: ein schwarzer Hund mit einem goldenen Halsband.
Dass der reiche Anton Fugger aus Augsburg, der Erbauer des Donauwörther Fuggerhauses, ein Urururenkel der Stifterin Elsbeth Walther ist, sei noch nebenbei erwähnt. Denn das ist bereits eine neue Geschichte!
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