Ein interessanter Dienstag in Heilig Kreuz: Wie sicher sind Handy und Internet?
Dieser Dienstag wird sicherlich vielen Schülern in Erinnerung bleiben, denn nicht nur gab es den ökumenischen Gottesdienst von Dekan Heidecker in der 1. und 2. Stunde - für die Schüler der 6. bis 9. Klassen gab es in der 5. und 6. Stunde auch einen Vortrag über Sicherheit im Internet und bei der Verwendung von Handys (welche - wie an allen Schulen - wirklich nicht mehr aus dem Schülerleben wegzudenken sind).
Die Volks- und Raiffeisenbank Donauwörth hatte mehrere Vorträge von Götz Schartner der IT-Security Firma 8com gesponsort, die in Heilig Kreuz, der FOS und am selben Abend auch für interessierte Eltern im Tanzhaus Donauwörth stattfanden.
Natürlich waren unsere Schüler am Anfang skeptisch, ob ein Erwachsener mehr Ahnung vom Netz und der Handynutzung hatte als sie (*grins*), aber Herr Schartner schaffte es durch mehrere anschauliche Experimente zu zeigen, wie verwundbar ungesicherte Handys sind: mit seinem aufgebauten Bluetooth-Netzwerk fand er bei den Schülern 10 Bluetooth-aktivierte Handys (man konnte dies live auf den zwei Leinwänden per Beamer beobachten) - er hatte mit Absicht nicht nach GMS-Handys gesucht, weil es zu viele Ergebnisse gegeben hätte - man konnte die Namen der Geräte, bzw. ihrer Besitzer, lesen.
Spätestens zu diesem Zeitpunkt waren die Jungen überzeugt und hörten aufmerksam zu.
Mit Einverständnis eines Mitarbeiters der RVB startete er dann einen Hackangriff auf dessen ungesichertes Handy, las MMS mit, ließ sein eigenes Handy vom manipulierten Gerät anrufen (was dieses Handy zu einem Lauschangriff werden ließ - beim Freisprechen versteht man anscheinend noch Stimmen, die bis zu 8m weit entfernt sind). Natürlich gab es dann auch Tipps, wie man diese Angriffe vermeiden kann.
Danach zeigte er, wie leicht der Zugang auf ungesicherte Server und PCs im Netz ist - einmal bei einfachem Passwort (welches eine Software mit simplem Ausprobieren von Vornamenpasswörtern innerhalb einer halben Minute geknackt hatte - dabei hatte sie in dieser Zeit 3500 Passwörter ausprobiert). Weiterhin ließ er den Rechner durch ein aufwändiges Passwort sichern und zeigte, dass man per Klicken auf einen Link in einer Phishing-Email - bei der man auf manipulierte Websiten kommt - das Passwort eines Rechners vollständig umgehen kann und trotzdem die Dateien eines fremden Rechners einsehen kann.
Gegen Ende des Vortrags ging Herr Schartner auf das Problem von sozialen Netzwerken ein und zeigte mit Hilfe von zwei Schülern der Klasse 8a, Florian Jung und David Saur, welche an zwei Notebooks in ICQ chatten durften, wie leicht es ist, diese Chats mitzuschneiden oder sich als einer der beiden Partner auszugeben.
Er ging auch auf die Probleme vom freiwilligen Hochladen von Dateien ins Internet ein (ob Texte oder Bilder) - ob von der betroffenen Person selbst oder von missgünstigen Bekannten - die auf die Dauer die berufliche Laufbahn beeinträchtigen können, weil sie nicht aus dem Netz zu bekommen sind.
Natürlich sprach Herr Schartner auch über die Tatsache, dass mit der sechsmonatigen Vorratshaltung von Daten heutzutage illegale Downloads über IP-Adressen ohne weiteres zuzuordnen sind - und wie teuer das werden kann.
Die meisten seiner Beispiele waren praktische Fälle, mit denen seine Firma zu tun gehabt hat, weil diese auch anbietet bei solchen Fällen Abhilfe zu schaffen. Herr Schartner hat das Internet nicht verteufelt, er versuchte den Schülern nur klar zu machen, dass der gesamte Aufbau der Technik des Internets nie dazu angelegt war, um Daten vertraulich zu halten, so dass man dies auch nicht als Regelfall erwarten kann.
Die 15-minütige Fragezeit am Ende des Vortrages wurde rege genutzt, selbst danach nahm sich Herr Schartner noch Zeit um mit einzelnen Schülern zu sprechen.
Da mir selbst bekannt ist, dass viele unserer Schüler in Lokalisten und SchülerVZ vertreten sind, hoffe ich, dass die Anregungen aufgenommen werden. Besonders dankbar war ich als Verantwortliche unserer Schülerzeitung auch dafür, dass Herr Schartner darauf hinwies, wie leicht fremde Texte und copyright-geschützte Bilder im Internet zu verfolgen sind - ich sage das meinen Redakteuren schon lange, aber als Lehrer ist man in der Beziehung auf Internetwissen ähnlich angesehen wie die eigenen Eltern ^^ - und das obwohl ich mein tägliches Brot mal ca. zwei Jahre als Onlineredakteur verdient habe, heh.
Auf den Seiten der Volksbank Bad Sollgau fand ich eine PDF-Datei von Herrn Schartner, die dem Vortrag in Heilig Kreuz ziemlich genau entspricht: ich kann diese Tipps nur allen empfehlen.
Addendum: Wolfgang Leitner hat in seinem Artikel über den Schartner-Vortrag am Dienstag Abend im Tanzhaus weitere gute Tipps zur Internet Sicherheit gesammelt: "Sicherheit im Internet" Workshop im Donauwörther Tanzhaus
Weiterveröffentlichungen:
> "bei der Verwendung von Handys (welche - wie an allen Schulen - wirklich nicht mehr aus dem Schülerleben wegzudenken sind)"
Das redet man sich ein!
Früher wurde einem auch verboten, Radios oder den Walkman zu benutzen - selbst Taschenrechner wurden verboten, wenn nötig. Da hat auch keiner kapituliert.
Heh, vielleicht habe ich mich missverständlich ausgedrückt: ausgeschaltet sind die Handys bei uns auch, aber das Verbot sie mitzunehmen führt zu großen Problemen mit Eltern und Schülern, weil ja auch kaum noch kostenpflichtige Telefonzellen in der Stadt zu finden sind - die Eltern möchten auf ihre Kinder außerhalb der Schulzeit zugreifen können.
Mir fällt immer auf, dass fast jeder ein Handy hat, wenn sie während der Schulaufgaben ausgeschaltet rechts auf dem Pult liegen, damit es beim Klingeln - wenn dann doch wieder einer vergessen hat vollständig auszuschalten - nicht zur Vergabe der Note 6 kommen muss - wie vom Kultusministerium eigentlich vorgesehen.
Wenn es trotzdem immer wieder einer vergisst, muss es eben ein Handyverbot geben. Zumindest in den Klassenzimmern, denn da müssen selbst Eltern ihre Kinder nicht erreichen können.
> "weil ja auch kaum noch kostenpflichtige Telefonzellen in der Stadt zu finden sind"
Früher hatte die Verwaltung ein Telefon - dort riefen Eltern notfalls an - hat völlig ausgereicht - dürfte heute auch kein Problem sein.
> "die Eltern möchten auf ihre Kinder außerhalb der Schulzeit zugreifen können"
Gabs früher auch nicht - und keiner ist gestorben.
Sorry, aber diese Handymacke im Volk ist albern.
Ok, jeder soll sein Spielzeug haben - aber es gibt Grenzen. Und eine Grenze ist die Schule.
Finde ich persönlich auch. Ich gehöre nicht zur Schulleitung und stelle hier die offizielle Position, soweit ich sie verstanden habe, dar. Ich weiß, dass unser Schulleiter Herr Bauer auch myheimat liest. Vielleicht antwortet er Ihnen ja direkt.
Den Artikel fand ich gut!
Auch die dort beschriebenen Aktionen bezüglich Sicherheit, usw.!
Meine Kritik ging wirklich nur in Richtung dieser Kapitulation vor dem Handy ;)
Ja, das hatte ich auch so verstanden ^^.
Addendum zum Thema:
Eine Studentin aus Augsburg schreibt gerade ein Abschlussarbeit über Cyber-Mobbing und sucht -außer Lehrern- auch Eltern und Jugendliche von 12-19 Jahren als Teilnehmer:
(Zitat)
Für meine Abschlussarbeit befrage ich nicht nur Lehrerinnen und Lehrer, sondern auch Jugendliche (12-19 Jahre) und Eltern. Daher wäre ich Ihnen sehr dankbar, wenn Sie Ihre Schüler und deren Eltern auf meine Umfrage aufmerksam machen könnten.
(Zitat Ende)
Hier ein Link aus ihrem Blog dazu
Umfragen zur Masterarbeit online!








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