Das Donau-Dampfschiff Ebersdorf in Donauwörth

Der Besuch des Dampfschiffes „Ebersdorf“ am 10. Juli 1894 in Donauwörth

„Wecket die Schläfrigen! Erzählet ihnen von der Probefahrt nach Donauwörth. Ermutigt die bisher noch Zagenden! Erzählet ihnen von der flotten Fahrt des Dampfers „Ebersdorf“.
Mit diesen begeisternden Worten beschreibt Generaldirektor Ludwig Auer den überraschenden Besuches des Wiener Dampfschiffs „Ebersdorf“ am Dienstag, den 10. Juli 1894 in Donauwörth.
Im März 1889, hatte Ludwig Auer, Direktor des Cassianeums, Magistratsrat und Vorstand des Handels- und Gewerbevereins zusammen mit dem rechtskundigen Bürgermeister Wilhelm Gebhardt den Süddeutschen Donauverein mit Sitz in Donauwörth gegründet. Anliegen des Vereins war die Wiederbelebung der Schifffahrt auf der oberen Donau. Seine in einer Versammlung am 2. April 1889 geäußerten Forderungen „ Donauwörth zu Hafenstadt für den Donau-Rhein-Verkehr zu gestalten“ und sein Appell „ Weg mit allen Bedenken, mit allen Zweifeln. Dem Muthigen gehört die Welt“ fanden freudige Zustimmung bei allen Mitgliedern. Immer wieder versucht Auer das Interesse an der Frachtschifffahrt bis Donauwörth zu wecken. So fand am 7. Mai 1889 der „Süddeutsche Donautag“ in Donauwörth statt. Zahlreiche Regierungsmitglieder, Vertreter der Donaustädte und Repräsentanten der Gewerbetreibenden waren dank der guten Beziehungen Ludwig Auers nach Donauwörth gekommen, um über die Wichtigkeit der Ausdehnung der Frachtschifffahrt auf der oberen Donau und eine Kanalverbindung zum Rhein zu diskutieren. Auch in Augsburg und München ist man an einer Anbindung an die Schifffahrt auf der oberen Donau interessiert. In Kenntnis der Initiativen Ludwig Auers in Donauwörth schickt der Augsburger Architekt Karl Albert Gollwitzer (1839-1917) am 6. September 1897 an den Magistrat der Stadt München eine Eingabe mit Vorschlägen für einen Anschluss der Städte Augsburg und München an Rhein und Donau. 1901 plant der Architekt einen Donau-Hafen in Augsburg und entwirft ein Werbeplakat für seine Hafenidee „Das Donau-Schiff im Augsburger Stadtgraben“, das im Architekturmuseum Schwaben in Augsburg liegt.
Der 10. Juli 1894 brachte laut Bericht im Donauwörth Anzeigenblatt „ein dahier lange nicht mehr gesehenes Schauspiel“. Abends um 20.30 Uhr legte der Dampfer „Ebersdorf“ im Donauwörther Hafen an. Trotz strömenden Regens wurde das Dampfschiff von zahlreichen Donauwörthern mit Böllerschüssen und einem Marsch der Städtischen Musikkapelle „feurig“ begrüßt. Nicht zu vergessen sind die vier weißgekleideten Festjungfrauen, die nicht nur prachtvolle Blumensträuße überreichten, sondern auch einen „Humpen edlen Weines“ kredenzten. Nach der Begrüßung durch Magistratsrat Ludwig Auer in Vertretung des beurlaubten Bürgermeisters Wilhelm Gebhardt und im Namen der städtischen Kollegien, begleitete man die „viellieben Gäste“ in den Saal des Hotels „Krebs“. Hier feierte man bis um ein Uhr früh und „die österreichischen Schiffsbeamten hatten durch ihr herzlich freundliches Benehmen in wenigen Minuten sich die achtungsvolle Liebe der Versammelten erobert“. Am nächsten Morgen hatten die Donauwörth und die Gäste Gelegenheit den stattlichen Dampfer zu besichtigen. Und ein Wunderwerk der Technik lag in Donauwörth vor Anker. Die „Ebersdorf“ und ihr Schwesterschiff „Prater“ wurden 1852 in der betriebseigenen Werft der königlich kaiserlichen Donaudampfschifffahrtsgesellschaft in Obuda in Budapest gebaut. Bezugnehmend auf Aufsätze in der Veröffentlichung „Donau-Schiffahrt“ Band 9 der Schriftenreihe des Arbeitskreises Schiffahrts-Museums Regensburg e.V. wissen wir, dass das Schiff fast 40 Meter lang und 3,66 Meter bzw. 7,54 Meter über den Radkästen breit war. Die Dampfschiffe „Prater“ und „Ebersdorf“ waren als Lokalschiffe für den Donaukanal in Wien gebaut worden. Die Namen wurden nach ihren Einsatzgebieten vergeben: die „Prater“ lag linksufrig und die „Ebersdorf“ rechtsufrig im Donaukanal. Der Name Ebersdorf erinnert an das früher dort gelegene Jagdschloss Kaiser Maximilians I., Kaiserebersdorf genannt. Da im Donau-Kanal in Wien wenig Platz zum Wenden war, handelte es sich bei den beiden Dampfschiffen um eine besondere Bauform, die als Doppelender-Bauform bezeichnet wurde. Der Bug und das Heck waren gleich ausgebildet, das Schiff besaß an beiden Enden eine Ruderanlage, so dass es ohne zu wenden, in beide Richtungen gleich gut fahren konnte.
Wegen des geringen Wasserstandes der Donau im Juli 1894 war die geplante Weiterfahrt nach Ulm nicht möglich. Deshalb kehrte die „Ebersdorf“ am nächsten Tag nach Regensburg zurück. In einer fünfzehn seitigen Broschüre „Das Wiener Dampfschiff Ebersdorf in Donauwörth am 14. Juli 1894“, in der Buchhandlung L. Auer in Donauwörth gedruckt, beschreibt Auer mit launigen Worten die „Donaukreuzfahrt“. In der Stunde wurden 15 Flusskilometer zurückgelegt, die Verpflegung war exquisit und die Stimmung der Gäste ausgezeichnet. Aber Ludwig Auer verschweigt nicht die Gefahrenstellen bei Steppberg, Großmehring und Eining, doch „gab es nirgends ein unliebe Störung der frohen Fahrt“. In Kehlheim verließen die Donauwörther Passagiere das Dampfschiff „Ebersdorf“ und kehrten mit dem Abendzug nach Donauwörth zurück.
Am 15. Juli 1894 wurde im Donauwörther Anzeigenblatt als „Gruß aus Immenstadt“, ein Gedicht des beurlaubten Bürgermeisters Wilhelm Gebhardt veröffentlicht.
„Zur Ankunft des Recognoscierungs-Dampfers in Donauwörth“
Ebersdorf! Welch Jubelruf ist es, den Dein Kommen schuf!
Böller-Salven, Festesfreuden! Sel’ge Ahnung, bess’rer Zeiten.
Ein erfreulich Morgenroth „Ebersdorf“ in Sicht uns bot.
Reich an neubelebtem Hoffen steht der schwäbisch‘ Strom Dir offen.
Stromeswellen, viel verheißend, hör ich rauschen, glitzernd gleißend.
Dröhnend hallts von Deinen Ufern, voll von frohen Vivatrufern.
Oftmals stund ich, konnt’s nicht fassen, daß Du hingingst so verlassen.
Reges Handeln, neues Leben will sich zeigen, neues Streben.
Fahre wohl! Zu Deinem Lauf „Ebersdorf“ Glück auf! Glück auf!
Trotz Ludwig Auers banger Frage „Wann werden wir wieder ein Dampfschiff sehen“ kam die „Ebersdorf“ kein zweites Mal nach Donauwörth. 1897 wurde das Dampfschiff an die Gesellschaft „Donau-Dampfschiffahrt Walhalla“ verkauft. Es bekam den Namen „Stella“ und beförderte täglich Passagiere von Regensburg nach Donaustauf. 1908 wurde „Ebersdorf – Stella“ nach Serbien verkauft und fuhr bis zur Verschrottung 1930 unter ungarischer Flagge und unter dem neuen Namen „Esztergom“
1
Einem Mitglied gefällt das:
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
1 Kommentar
56
Friedhelm Höfer aus Donauwörth | 08.04.2016 | 09:38  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.