Sprüche des Konfuzius
Dreifach ist der Schritt der Zeit:
Zögernd kommt die Zukunft hergezogen,
Pfeilschnell ist das Jetzt entflogen,
Ewig still steht die Vergangenheit.
Schiller, 1/Erste Strophe.
Dreifach ist der Schritt der Zeit:
Zögernd kommt die Zukunft hergezogen,
Pfeilschnell ist das Jetzt entflogen,
Ewig still steht die Vergangenheit.
Schiller, 1/Erste Strophe.
Ja, merkwürdig die Zeit: Die Vergangenheit steht still, ist unveränderlich; die Zukunft ist noch überhaupt nicht wirklich, eigentlich eine reine Möglichkeit - wo bleibt die Zeit? Wo ist Gegenwart? Der Augenblick? Also ein Herzschlag lang? So kurz? So wenig? Kaum eine Sekunde?
Verblüffend: Wer bedenkt, dass von der Wirklichkeit der Zeit allein der Augenblick der Gegenwart übrig bleibt, der mag mit Schiller und Goethe staunen!
Wir lassen uns täuschen, denn ein Augenblick scheint unablässig dem folgenden Moment zu weichen - ein scheinbar ewiger Strom - Wir schwimmen darin?
Zeit! Wirklichkeit?
Mir scheint in Anbetracht dieser ersten Strophe des Gedichtes der Anfang gemacht!
Grüße
Wolfgang
Und weiter geht es:
2.
Dreifach ist des Raumes Maß:
Rastlos fort ohn' Unterlaß
Strebt die L ä n g e; fort ins Weite
Endlos gießet sich die B r e i t e;
Grundlos senkt die T i e f e sich.
[ ... ]
Nur Beharrung führt zum Ziel,
Nur die Fülle führt zur Klarheit,
Und im Abgrund wohnt die Wahrheit.
Lieber Wolfgang,
ein schöner philosophischer Beitrag. Gefällt mir ausgesprochen gut.
Ich liebe Weisheiten oder Sprüche die zum Überlegen animieren.
Vielen Dank.
Liebe Grüße
Angelika
Die Gegenwart ist der Zustand zwischen der guten alten Zeit und der schöneren Zukunft.
(von Zarko Petan)
Ja, Angelika, natürlich erinnerte ich mich bei diesem Beitrag an Deinen, der vor einigen Wochen über die Zeit reflektierte: Vielleicht fühlten und fühlen sich deshalb so viele Autoren veranlasst, über die Zeit als Wahrheit und Wirklichkeit vor allem zu schreiben, da doch die Zeit als Realität uns zunächst als die einzig vorstellbare Dimension erscheint, innerhalb der wir als Menschen ein reales Sein erfahren.
Gerade an diesem Punkt beginnt die Reflexion über die Zeit spannend zu werden, da wir doch alle wissen, dass Zeit auch endlich ist, einen Anfang und ein Ende per se in sich trägt - und wir selbst quasi unaufhaltsam einem Ziel zustreben, ihm nicht ausweichen können, das - wie wir zu wissen meinen - uns aus eben dieser Realität herausführt.
Dort eben fängt die philosophisch-theoretische Betrachtung an, sich als eine existentielle zu erweisen, da wir spüren, w i e real diese einfachen Betrachtungen uns an einen Punkt bringen, an dem die allermeisten von uns - nicht weiterwissen.
Grüße zurück ins schöne München
Wolfgang
Lieber Wolfgang,
Du hast recht mit Deinen Worten und Betrachtungen. Ein klasse Kommentar. Ich bin mir sicher, dass das geheimnisvollste, interessanteste, und doch allgegenwärtigste Thema dieser Welt immer die Zeit sein wird.
Wünsche Dir eine gute Nacht.
Liebe Grüße
Angelika
Und Albert Einstein sagte:
Mehr als die Vergangenheit
interessiert mich die Zukunft,
denn in ihr gedenke ich zu leben.
... ein Motto, aus dem heraus jeder Zuversichtliche wohl auch zu leben bestrebt ist!
Apropos Einstein: gerade dieser geniale Physiker ist mit Blick auf Aphorismen und Zitate sehr ergiebig ... :-)
Grüße
Wolfgang
Man soll der Vergangenheit nicht nachlaufen und sich in der Zukunft nicht verlieren. Das Eine ist nicht mehr und das Andere ist noch nicht gekommen.
Leben ist hier und jetzt.
Passend vielleicht zu unseren Reflexionen über die Zeit - ein letztes Mal Goethe (5. Strophe aus dem Gedicht "Vermächtnis"):
Genieße mäßig Füll' und Segen,
Vernunft sei überall zugegen,
Wo Leben sich des Lebens freut.
Dann ist Vergangenheit beständig,
Das Künftige voraus lebendig,
Der Augenblick ist Ewigkeit.
Ich könnte mir vorstellen, dass, wenn jemand diese Zeilen zum ersten Mal liest, dieser spontan assoziiert: och, das ist ja banal! A bisserl Maß, a bisserl Vernunft - und das Rätsel der Zeit ist gelöst!?
Manches erschließt sich eben nicht nur durch reine Logik, die eins und eins zu addieren weiß, sondern erwächst aus eigenem Erleben, aus lebendiger Anschauung und einem geduldigen Betrachten.
Die Logik des Verstandes kann uns nicht dahin führen, dass das menschliche Sein sich zwar durch das Dasein auf der Erde im Werden manifestiert, aber keineswegs darin seinen Ursprung hat.
Blaise Pascal, der große Mathematiker und Philosoph, postulierte eben neben einer "logique de géometrie" eine "logique du coeur", was nur sehr unzureichend mit "Logik des Herzens" zu übersetzen wäre.
Würden wir heute noch wirklich etwas mit "Mitte unseres Seins" oder "Vernunft" oder "Inspiration" substantiell verbinden können, so träfen diese Begriffe wohl am ehesten.
Vielleicht wäre es nicht einmal glücklich, eine wirklich befriedigende Darstellung des Rätsels der Zeit zu konzipieren, denn sie könnte ja nur eine theoretisch-abstrakte Widerspiegelung dessen sein, was jede Individualität durch ihr Werden und ihre Entwicklung zu leisten und zu lösen vermag.
Ahnen wir, dass mit dem "Rätsel der Zeit", wie es hier nun vielfach angeklungen ist, auch zugleich eine andere Frage verbunden ist, nämlich jene nach Transzendenz, nach geistiger Existenz (allerdings nicht jene Verwässerung, die sich mit kognitiven Reflexionen begnügt), nach Ewigkeit und dem Ursprung menschlichem Seins?
Gerade in jenem Augenblick, da der Denker sich bewusst wird, dass nicht irgend eine philosophische Spekulation Gegenstand seines Erfassens ist, wenn er erkennt, dass, wie sein Leben begonnen hat, es in endlicher Zeit, auch aufhören wird, nämlich das Dasein, wie er es alltäglich im Leben erfährt, sondern eben - ja was? - eine der Säulen, auf denen seine begrenzte Daseinsform besteht, ja wie die Geburt so auch sie, das andere Tor.
Es gibt eine geniale Argumentation des Sokrates, in der er die rein geistige Existenz des Menschen begrifflich darlegt. Als ich diese zum ersten Mal las, war ich erstaunt und - enttäuscht zugleich: erstaunt, da mir schien, dass tatsächlich eine konsistente Darlegung nichtkörperlichen Lebens gelungen sei; enttäuscht, da sie mir so einfach, so leicht schien.
Nun, das führt jetzt allerdings weit über diesen Rahmen hinaus.
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