Sentenzen des Sommers I - Heimat: Wo bin ich zu Hause?
"Denn erkenne ich jene hohen, ursprünglichen Prinzipien,
aus denen ich selbst komme,
dann fühle ich mich w i e z u H a u s e."
(Anonym)
"Denn erkenne ich jene hohen, ursprünglichen Prinzipien,
aus denen ich selbst komme,
dann fühle ich mich w i e z u H a u s e."
(Anonym)
Wo ist meine Heimat? Was ist Heimat für mich?
Gewöhnlich denken wir an den O r t, an dem wir uns vorwiegend aufhalten und wo wir uns wohl fühlen.
Dann denken wir an die Menschen, vornehmlich jene, die wir sympathisch finden, die d o r t sind.
Vielleicht denken wir auch an das, was wir in und mit unserer Heimat machen, der natürlichen und der kulturellen Heimat, Natur dort und Kultur dort.
Ich finde diesen traditionellen Ansatz, "Heimat" zu definieren vortrefflich und gut, denn dieses Konzept beinhaltet wesentliche Aspekte einer Idee.
Diese Idee zielt auf mein Wesentliches, sofern es u m m i c h herum ist, aber nicht in einem zufälligen, akzidentiellen Sinn, sondern in einem wesenhaften Kontext.
Heimat, mein Zuhause ist dort, wo ich mich wesenhaft als Mensch entfalte, dort, wo ich Ich-selbst sein kann und dies auch erlebe.
Im Umkehrschluss: Wenn ich dort, w o ich bin, mich nicht wohl fühle, vieles vermisse, statt Freunde Fremde treffe, statt soziales Erleben Anonymität, statt Freude Traurigkeit, statt Geborgenheit Abgewiesen-werden, statt Glück Entfremdung, statt Lust Frustration, statt erfüllende, sinnstiftende Arbeit (Beruf), statt Liebe Einsamkeit und Vereinsamung, statt Familie die Abwesenheit derer, mit denen ich verwandt bin (durchaus zuerst im genetischen Sinn, aber wohl auch unter dem Aspekt Gleichgesinnter oder gar Seelenverwandter), ja, vieles wohl auch noch mehr, das aber im Wesentlichen, dann bin ich aktuell, dort wo ich bin, an jenem Ort, wohl auch nicht zu Hause.
Zu Hause sein, ist also zuerst eine emotionale Fragestellung, denn wenn das Gefühl nicht aufjauchzt beim Gedanken, zu Hause zu sein, dann ist es wohl kaum die Heimat, das Zuhause, wo ich aktuell bin.
Heimweh - Fernweh
Warum aber sind es zwei starke (und konträre) Wünsche, die wohl jeder von uns schon erlebt hat? Warum zwei? Und nicht nur "Heimweh", der Wunsch, nach Hause zu kommen?
Wer Lust hat, mag seine Ideen und Gedanken zu diesem durchaus in den letzten Jahren immer wieder aufgegriffenen Thema h i e r äußern und mit mir diskutieren.
Ich freue mich über viele, vielleicht ganz unterschiedliche Aspekte dieses großen, früher oft als zu "patriotisch" oder als zu "sentimental" gesehenen Themas, das weder nationalistisch noch in einem negativen Sinn zu "romantisch" sein muss ... .
Ps: Die Idee der Heimat sehe ich hier nicht nur im metaphysischen Sinn (darüber ließe sich auch, aber nicht nur in diesem Kontext diskutieren); sofern jemand im Erdenleben überhaupt eine Bedeutung sieht, wird er dem Ort, an dem er ist und lebt und arbeitet, Beachtung zumessen. Also keine Scheu, es ist gerade die Dynamik, die zwischen den einzelnen Aspekten der Heimat liegt, die mich so faszinierte, dass ich diesen Ansatz aufgriff ... .
Ein Aspekt, wenn man die geografisch-räumliche Perspektive einnimmt, läge dann zweifellos darin, dass eine bestimmte Region (Heimat) bestimmte Eigenschaften bei Menschen, wie manche behaupten, anzöge und begünstigte:
Man spricht vom "südländischen Temperament", "orientalischer Gastfreundschaft", der Geradlinigkeit der Menschen in den Bergen, dem aufrechten Charakter, der Bodenständigkeit u. v. m.
Gewiss, manche Prämisse, die in diese Richtung geht, ist zweifellos so oberflächlich und ungültig, wie den Menschen als "Zweibeiner" definieren zu wollen (Vögel würden auch somit als Zweibeiner der Gattung Mensch zugeordnet).
Vieles jedoch scheint praktisch Allgemeingut des Denkens geworden, anderes hingegen bleibt gewiss die Präferenz im Denken des Einzelnen.
Eine andere Frage wäre, ob nicht die Globalisierung sich auch auf diese vorhandenen (oder nichtvorhandenen) Eigenschaften der Menschen auswirke: Verschwinden allmählich die spezifischen Charakteristika der Kulturlandschaften? Würde damit nicht auch ein Stück "Heimat" verschwinden?
Es gibt noch eine andere Geisteshaltung, die im "Kosmopoliten", im Weltbürger, ein Ideal sieht, jemand, der überall auf dieser Erde, wo immer er sich aufhält, seine Heimat findet und sie erlebt.
Es hat auch etwas für sich, wenn ein Aphorismus, eine Betrachtung, wie hier, gleichsam online ein wenig aufgedröselt wird, ein bewusster Monolog zunächst, der vielleicht im Nachhinein für interessierte Leser leichter nachzuvollziehen und zu lesen ist: Bei dem Wetter, sommerlich schwül, wundert es mich auch nicht, dass wenige anscheinend Lust empfinden, über die Idee der Heimat zu reflektieren ... :-)
Oben, im Kontext der Kulturlandschaft als Heimat, deutete ich es an: Heimat ist nicht einfach gegeben, unveränderlich da, denn Heimat unter dem Aspekt des Lebensraumes, wo ich existiere, ist wie alles in der Raumwirklichkeit dem Werden unterworfen, der Evolution.
Wenn ich geboren werde, in einer Familie, dann ist diese bereits in einem sozialen Umfeld, und dieses selbst wie auch die Familie befinden sich in einem kontinuierlichen Wandel.
Wer Heimat also als "ewig" und "bleibend" sucht, findet sie gewiss nicht im Raum-Zeit-Kontinuum, in dem wir alle leben. Denn diese Weltwirklichkeit ist ja geradezu definiert durch Evolution und Entwicklung in allen Aspekten.
Dass ich mich in einem sozio-kulturellen Lebensraum wohl fühle, liegt gewiss nicht zuletzt daran, dass Menschen, inklusive meiner selbst, diesen gestalten.
Anders als in der Tierwelt kann sich Heimat nicht durch die regional sich entfaltende Flora und Fauna, durch die Natur allein, definieren. Im Gegenteil.
Wenn wir in unserer Gesellschaft heute darauf achten, dass elementare Errungenschaften, aber eigentlich auch und besonders zivilisatorische Standards überall, unabhängig von der geografischen Lage, bestehen und fortbestehen, dann treffen wir einen wesentlichen Punkt:
Wer möchte schon in einer Region leben, wo die Natur zwar unverfälscht und schön ist, aber leider z. B. keine Arbeitsplätze, keine nennenswerten Wirtschaftsstrukturen, Infrastrukturen, Schulen, öffentliche Einrichtungen nur minimal u. s. w. ausgeprägt sind?
Nein, Heimat ist vor allem auch ein sozio-kultureller Raum, gestaltet und geprägt durch Menschen, aufgebaut durch Menschen, in einer Entwicklung und einem Wandel, der als Fakt gegeben ist - das entscheidende Kriterium ist:
Wie möchte ich diese "Heimat" mitgestalten und entwickeln? Welche Entwicklungsziele habe ich selber?
Dies aber ist wesenhaft demokratisch, ja eigentlich der zentralste Grundgedanke der Demokratie: Partizipation bedeutet Gestaltung durch alle.
Vielleicht gab es tatsächlich eine Zeit, da es manchen oder sogar vielen ganz lieb war, dass "der Staat" gleichsam als zentraler "Versorger" da war.
Dass ich nicht missverstanden werde: ein vitales Gemeinwesen, eine starke, vitale Gemeinschaft durch ihre Individualitäten erscheint mir als Ideal, auch eine Gemeinschaft, die hilft und unterstützt, Schwachen und Bedrängten, Notleidenden, ihren Armen und In-Not-Geratenen, durch Unfall, Krankheit, etc.
Ein heißes, aktuelles Thema, ein wirklicher Brennpunkt Europas seit Jahren: Wenn Menschen, die in ihrer Heimat nichts, aber auch wirklich nichts zu verlieren haben, zu uns, nach Europa, kommen wollen - dürfen wir diese Armen abweisen?
Ist Europa nicht wirklich ein Paradies? Nein, gewiss nicht, wie kein Kontinent und kein Ort auf dieser Erde.
Aber dass Europa - und einige Staaten Eurapas etwas mehr als andere - für bedürftige Menschen aus Afrika z. B. w i e ein Paradies erscheint durch die Berichte, die sie in ihrer Heimat sehen und hören in den Medien, darf nicht wundern, wenn wir die "normalen" Lebensverhältnisse in Europa mit denen in Afrika vergleichen.
Einige Staaten müssen wie die Armenhäuser dieser Welt im Vergleich mit Europa erscheinen.
Deutschland gewährt Menschen "politisches Asyl" (unter gewissen Bedingungen): Faktisch kommt jedes Jahr eine Anzahl Menschen zu uns, die um Asyl bitten. Asylrecht ist zentrales Menschenrecht und eine f r ü h e Errungenschaft der Zivilisation.
Tatsächlich denke ich auch, dass selbst ganz Europa kaum alle Menschen, die Not in ihrer Heimat leiden, aus politischen oder ethnischen Gründen verfolgt werden, aufnehmen und versorgen könnte.
Allmählich bahnt sich ja - Fortschritte sind bislang eher kaum erkennbar - eine Kooperation zwischen reichen europäischen und armen (z. B.) afrikanischen Staaten an. Der europäische Wohlstand soll - insbesondere nach dem Willen der Regierungen der europäischen Mittelmeerländer - nicht mehr kontinuierlich vor ihrer Not fliehende Menschen aus Afrika anlocken. Nicht nur an die Gefahren wird dabei gedacht, denen sie ausgesetzt sind, wenn sie in kaum hochseetauglichen Booten über das Mittelmeer gebracht werden ... .
Aber ist der Vergleich geeignet: Wenn ich Hausherr bin und ich lade zu einer Hochzeit in mein Haus hunderte und hunderte Gäste ein - ist das dann noch vernünftig? Auch wenn ich mich über so viele Gäste zur Hochzeit freuen würde?
Nun, europäische Gäste würden sich für diese Einladung sehr bedanken, wenn sie bei ihrer Ankunft erfahren würden, dass leider alle Gästezimmer und sonst vorhandene Räume i m Haus bereits überbelegt sind und daher nur ein großes Zelt im Garten frei wäre ... .
Auch dieser Aspekt gehört zur Idee der Heimat - wenn ein Mensch seine Heimat verlassen muss, sich eine neue Heimat suchen muss ... . Heimat hat tatsächlich viel auch mit dem besonderen Lebensraum zu tun, auch mit dem Haus, in dem ich wohne, der Stadt, dem Land.
Die anfangs einleitende Idee der Heimat habe ich bislang noch nicht berührt, zurecht, scheint mir, denn als Mensch mit konkreten Bedürfnissen liegt die Idee der Heimat mit Blick auf den Lebensraum näher - aber schließt eine weitergehende Betrachtung sie nicht auch ein?
Die Endlichkeit unseres Daseins legt dies zumindest nahe ... .
Es gibt zwei Zeitpunkte im menschlichen Leben, die wir als Grenzen der Heimat mit Blick auf den Lebensraum Heimat ansehen können: Konzeption bzw. Geburt und Sterben.
Ebenso existieren in der Geschichte der Philosophie z w e i durchaus sehr verschiedene philosophische Strömungen, die sich mit dieser Idee der Heimat befassen.
Die erste sucht Antworten durch eine - sagen wir - Art Transzendenz: Nach dem Tod warte das Jenseits, der Himmel u.s.w. auf den Verstorbenen, wie praktisch, dann wäre ja alles klar.
Jenseits des irdischen Raum-Zeit-Kontinuums liege also diese "Heimat".
In den orientalischen Philosophien wird dieser Gedanke der Transzendenz noch erweitert: V o r der Geburt (Konzeption) u n d n a c h dem Sterben warte diese Heimat auf uns.
Auch viele dieser Philosophien suchen Heimat j e n s e i t s des Raum-Zeit-Kontinuums.
Die zweite Strömung in der Philosophiegeschichte kann diese Betrachtung zwar nachvollziehen, teilt sie aber nicht, denn sie erkennt dieses Jenseits als die Mitte des Raum-Zeit-Kontinuums, nichts jenseits der Weltwirklichkeit, sondern in ihrer Mitte erkennt sie eine Wirklichkeit, die allerdings keine physischen Eigenschaften, keine der Sinneswahrnehmung unterworfenen Qualitäten aufweist.
Diese nichtphysische Wirklichkeit könnte auch gerne metaphysisch oder besser das "Sein" genannt werden.
Wenn wir das irdische Leben des Menschen in seinen physischen Aspekten als "Dasein" bezeichnen wollen, so trifft diese Bezeichnung "Sein" ziemlich gut.
Während das Dasein durch die Evolution einem fortlaufenden, nicht zu stoppenden Wandel unterworfen ist, gibt es für das "Sein" diese Qualitäten und Eigenschaften nicht.
Das Sein thront gewissermaßen über dem Werden, außerhalb, wird nicht berührt vom Werden - halt! Zu dieser Folgerung ließen sich alle Transzendenz-Philosophien verleiten.
Wäre das Sein tatsächlich so transzendent, was hätte es dann mit dem Dasein zu tun? Ja, natürlich, nach dem Tod, eine praktische Erklärung, eine Schablone, die bis zum heutigen Tag so gerne akzeptiert wird, die aber so nicht wenige Fragen aufwirft, vor allem die eine: Warum sollte nach dem Tod eines einzelnen Menschen gleichsam Deus-ex-machina auf ihn warten? So spontan, so plötzlich?
Wer die Raum-Zeit-Wirklichkeit so trennt - was der Verstand durchaus ganz fein findet (es ist ja auch seine Aufgabe zu unterscheiden, aber bitte nur so, wie es objektiv wahr ist) - dass auf der einen Seite das Werden ist, auf der anderen Seite das Sein, wird kaum zu einer Klarheit gelangen, wie denn dann die Brücke zwischen Sein und Dasein aussieht.
"Die Brücke," so die Transzendenz-Philosophen, "sei ja gerade der Tod, und eben dann Brücke oder auch gerne "Pforte", ja eine "Pforte vom Diesseits in das Jenseits".
Aber was um himmelswillen hat dann das Sein mit meinem Dasein zu tun? Ach ja, wenn ich ein braves Leben im Diesseits führe, dann bekomme ich als Lohn den Himmel, wenn nicht, dann nicht. Oh je, ein Haken ist also doch dabei.
Hm, ich möchte doch ein gutes Leben führen, weil ich jetzt ein gutes Leben haben will, schon jetzt, nicht später: Ist das auch ok? Ah ja, du meinst, das sei eben der Knackpunkt, was ein "gutes" Leben sei, darin würden die Meinungen auseinander gehen ... hm.
Nun, wenn ich die Bedürfnisse, die ich habe, befriedigen kann, Nahrung, Schlaf, Wohnung, Bekleidung, Sexualität, die elementaren Bedürfnisse. Die meisten begnügen sich nicht damit, sondern haben weitergehende Bedürfnisse, obgleich - wie du mir zustimmen wirst - bereits diese Bedürfnisse es manchmal so in sich haben, dass sie zu mancherlei Verwicklungen, Verwirrungen, zu dies und das so im Lauf des Lebens führen können ... .
Aber das ist doch etwas Schönes und Wesentliches, dass wir zwar viele, viele Bedürfnisse gemeinsam haben, dem Supermarkt sei dank, aber dass jeder Mensch Wünsche hegt, die ganz allein in ihm, in diesem besonderen Ich stecken, Ziele, Wünsche (und manchmal nicht wenige!!!), die wir in dieser Form keineswegs mit anderen teilen.
Zugegeben: Jedes Jahr zur Urlaubszeit zeigt es sich wieder, dass wir - wer hat wieder geplaudert, wohin wir in diesem Urlaub fahren wollen? - auch manche Wünsche hegen, die viele in der einen oder anderen Form doch teilen, sonst wären die Autobahnen zur Urlaubszeit nicht so gerammelt voll.
Aber wir müssen da doch unterscheiden: Alle Wünsche, die man überhaupt verbal darstellen kann (und das dürften die meisten sein), können wir tatsächlich typisieren. Doch ändert das nichts daran, dass unsere konkreten Wünsche eigentlich sogar alle, ja wirklich alle! individuell sind. Sogar das gemeinsame Mittagessen.
Und das ist auch gut so: Vier sitzen am Mittagstisch ... :-) Das Schlegelchen wer bekommt es doch noch gleich?
Ja, teilen ist manchmal eine Lösung.
Manchmal auch nicht: Wer möchte seine Frau schon mit einem anderen teilen? Gut, die eigene Frau ist zwar auch nach dem Vernaschen noch da - gleiches gilt natürlich auch aus der Perspektive der Frau: Wer würde sonst schon heiraten, wenn das Vernaschen e i n m a l i g wäre?
Hm - zu kindisch? Vielleicht. Aber interessant ist es doch: Die Partnerwahl ist allgemein (oder zumindest doch weitverbreitet) ein ziemlich individuelles Vorgehen. Es hat tatsächlich doch viel mit Ich und Du zu tun. Manchmal nur vorübergehend ok, aber wer weiß das schon vorher?
Sich bei der Trauungszeremonie Treue zu geloben, hat sich so eingebürgert, die Formel "Solange es gut geht!" wird meist nicht ausgesprochen. Aus Gründen der Romantik, vermutlich. Oder doch nicht?
Viele, viele Wünsche kann das Ich hegen, aber es gibt einen Wunsch - sofern er gehegt wird - der gleichsam eine besondere Kulmination darstellt: das ist wohl immer noch die Partnerwahl.
Die Liebe: Huch, was hat sie mit Heimat zu tun? Viel, ja sogar wohl das allermeiste.
In Liebesliedern taucht es auf: "Bei dir fühle ich mich zu Hause!" Ja, irgendwie gehört das zur großen Liebe wohl dazu, und es wäre keine Liebe, würden wir uns bei unserem Partner nicht wirklich zu Hause fühlen, Geborgenheit, Wärme, Vertrautheit - übrigens alles Eigenschaften, für die wir zuerst viel, viel arbeiten müssen, ja! Normalerweise nennen wir diese "Arbeit" ja "Werben" oder so.
Und wie fing alles an? Vielleicht mit einem ersten Augenblick bewusst erlebter Sympathie, die vielzitierte Liebe auf den ersten Blick, oder ähnliches. Aber tatsächlich, selbst wenn in langen Jahren der Ehe der allererste Augenblick der Sympathie nicht unbedingt noch immer erinnerbar sein muss - es muss ihn doch wohl gegeben haben!
Wir sind diesbezüglich alle unverbesserliche Wiederholungstäter: Wenn wir Sympathie empfinden, suchen wir immer und immer wieder "ihre" Nähe. Sympathie - später mausert sie sich eventuell zu mehr, aber selbst die schönste Leidenschaft fing mit einem zarten Gefühl der Sympathie an, ok, manchmal auch weniger zart, sondern heftig, aber im Normalfall ... .
Wir wissen das ja: Das Feuer, das gleich anfangs hoch auflodert, entpuppt sich doch oft leicht als "Strohfeuer".
Liebe, Sympathie und Feuer: Ja, dieses Element gehört definitiv zum Gefühl und zur Realität von "Heimat".
Hm, der Monolog gefällt mir: Fortsetzung folgt. Gerne sind alle eingeladen, mitzumonologisieren - es könnte ein Gespräch sich entwickeln ... :-)
"Alle Guten, alle Bösen folgen ihrer Rosenspur!"
Schiller bringt es in seiner Ode an die Freude unmissverständlich zum Ausdruck: Freude, Lust, Sympathie, Liebe - tausend Namen vielleicht in allen ihren Nuancen für unsere menschliche Motivation. Wir ahnen das Wesen der Sympathie, eine wahrhaft kosmische Dimension, die uns leiten kann.
Sollte sie uns auch in unsere Heimat geführt haben? Oder noch führen, wenn wir sie noch nicht gefunden haben?
Ja, sie eröffnet uns Welten, und insbesondere jene Welt, die für uns Heimat darstellen kann und eigentlich immer auch darstellt, denn selbst wenn wir unsere aktuelle Umgebung (geografisch, sozial, kulturell) nur als "Provisorium" aus unterschiedlichen Gründen ansehen wollen oder können, so ist es doch da.
"Alles huldige der Sympathie, zu den Sternen leitet sie!" Und zurück - und wo immer wir auch hinwollen ... .
Heimat und Liebe - beides Komponenten des Menschseins, beide in beständigem Wandel, wie der Mensch auch selber!
Liebe - selbst in ihren scheinbar flüchtigsten Formen - kommt aus der Tiefe des menschlichen Wesens, Heimat - sie gesellt sich in allen ihren Modifikationen und Erscheinungsformen, wie von außen kommend, zu ihr dazu.
Es ist eine große Symphonie, die in uns allen ertönt, seit den Uranfängen des Universums erklingt, in uns allen wie Variationen über ein Thema, vom ängstlich unsicheren Tasten und Probieren bis zu vollendet souveränem Gestalten, und wir, die wir ein Bewusstsein dieses großen Schaffens und Gestaltens erlangen können, sind ihre Komponisten, ja wir alle, und es fehlte in unserem Kosmos Erde etwas, wenn einer von uns fehlte, ja einer auch nur von den Milliarden, die mitkomponieren und mitgestalten.
Zu so großem sind wir fähig, und wie kleinmütig und verzagt lässt uns manchmal der Alltag aussehen, und doch steht diese Arbeit keine Minute still, denn auch in unseren kreativen Pausen sind wir emsig mit unserem innersten Thema beschäftigt, das wir stets auch - ja, selbst die Ängstlichsten unter uns - nach außen manifestieren, in unsere Heimat ... .
Ja, gerade heute, und gerade in einer Zeit, da die große Illusion der Vermassung, so als würde sich der Wert des Menschen nach den kleinlich-dummen Maßstäben eines Krämers oder Industriellen richten, ist es um so wichtiger, dass es zum Ausdruck gebracht wird: D u würdest mit Deiner Arbeit und Deiner Kreativität fehlen, wenn D u nicht mitgestalten würdest, dort wirken würdest, w o D u gerade heute und jetzt bist: Durch Dein Wirken und Dein Dasein, Deine Arbeit und auch Dein Suchen schenkst Du der Welt, der Heimat, Nuancen und Facetten, die es ohne Dich nicht geben würde, und sie machen erst diesen Kosmos r e i c h und schön, vielfältig und mit Leben erfüllt, zu etwas Wunderbaren, Erlebenswerten ... .
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