Kurlotsinnen im Interview - "Die Absagen der Krankenkassen macht oft traurig"

von links: Monika Oswald und Anneliese Meier, die beiden Kurlotsinnen im Donau-Ries bieten Beratung in Sachen Mutter-Kind-Kuren an.

Ihre vielfältigen Belastungen in der Familie führen viele Frauen an die Grenzen bzw. über die Grenzen ihrer Belastbarkeit hinaus. Das führt unweigerlich zu gesundheitlichen Störungen. Ihnen stehen in diesen Fällen Vorsorge- und Rehabilitati-onsmaßnahmen zu. Doch kaum eine Frau weiß davon, so Caritas-Geschäftsführer Martin Gaertner. Deshalb hatte die Caritas im Jahr 2010 das Projekt Kurlotsen gestartet, um das Beratungsnetzwerk für Mütter-/Mutter-Kind/ Vater-Kind-Kuren auszudehnen und ein niedrigschwelliges Angebot der Kurbegleitung aufzubauen. Die Idee stammte aus dem Donau-Ries. Auch dieses Jahr bietet der Caritasverband einen Kurs zur Ausbildung zur ehrenamtlichen Beraterin als Kurlotsin an. Die Redaktion sprach nun mit Anneliese Meier über ihre Erfahrungen als Kurlotsin. Sie hatte im vergangenen Jahr die Ausbildung mitgemacht. Anneliese Meier und Monika Oswald sind die Kurlotsinnen für die Caritas im Donau-Ries.




Interview:


Was hat Sie bewegt, die Aufgabe als Kurlotsin für Mütter zu über-nehmen?

Anneliese Meier: Erst konnte ich mir unter der Bezeichnung „Kurlotsin“ nichts Genaues vorstellen. Doch nach Rücksprache bei Caritas-Geschäftsführer Martin Gaertner war für mich gleich klar, dass diese Aufgabe für mich eine Erfüllung werden kann. Ich bin selbst Mutter von drei Kindern, die inzwischen schon erwachsen oder auf dem Weg dorthin sind. Als Mutter und auch Ehefrau habe ich somit weitreichende Erfahrungen gesammelt. Außerdem war ich früher in einer Krankenkasse beschäftigt und musste u. a. die verschiedensten Kuranträge bear-beiten. Ich kann mich also gut in die Probleme der Mütter, und natürlich auch der Väter, hineinversetzen.
Ich sehe es als große Verantwortung gegenüber den Müttern und Vätern, die sich hilfe- und ratsuchend bei mir melden. Außerdem erledige ich auch die Schreibarbeiten am PC sehr gerne. Meine weitgehend selbständige Arbeit gibt mir ein Gefühl großer Zufriedenheit, auch ein wenig Stolz, dass ich doch für so viele kurbedürf-tige Eltern und Kinder eine erste Ansprechpartnerin bin und deren Weg bis zum Kurantritt und der Kurnachsorge etwas ebnen kann. Ich habe also das gute Gefühl wirklich etwas Sinnvolles zu tun (auch für meine geistige Fitness).

Sie mussten ja an einem Ausbil-dungskurs teilnehmen. Welchen Gewinn haben Sie daraus für sich und Ihr Engagement gezogen?

Anneliese Meier: Ohne eine Ausbildung und Einführung in die weitreichende Problematik könnte ich mir den Einstieg als Kurlotsin nicht vorstellen. Wir übten z. B. die Gesprächsführung in Rollenspielen. Wir lernten den Schriftverkehr mit den notwendigen Formularen kennen; die Rechtslage wurde uns näher gebracht. Unsere Arbeit am PC mit einem speziellen Programm wurde eingehend erläutert. Ich fand darin die Sicherheit für den künftigen Umgang mit den Müttern und Vätern. Außerdem hatte ich die Gewissheit erlangt, dass unsere Ansprechpartnerinnen in Augsburg stets bei schwierigen Fragen hilfreich zur Seite stehen.

Mit welchen Problemen werden Sie konfrontiert, wenn Mütter Sie aufsu-chen?

Anneliese Meier: Die Probleme sind wirklich sehr weitreichend. Es gibt Mütter mit behinderten Kindern, sehr viele verlassene und einsame Mütter, die plötzlich ohne Partner und ohne finanzielle Sicherheit übrig bleiben. Erst im Gespräch erfahre ich das große Leid, das sonst verborgen bleibt. Es gibt auch Großfamilien über mehrere Generationen, bei denen die Mutter von der Arbeit in der Landwirtschaft bis über die Pflege der Eltern od. Schwiegereltern, sogar noch Enkel weitgehend versorgen muss. Einen Urlaub oder Ruhepausen gibt es in solchen Fällen nicht. Diese Mütter kommen, wenn es einfach zu viel wird – sie können nicht mehr.
Bei anderen zeigen sich Eheprobleme, die dann Auslöser für die verschiedensten Krankheitssymptome werden, z. B. der Zugriff zum Alkohol nimmt zu. Die Klientin sucht Hilfe bei mir. Auch alleinerziehende Väter, oder Väter, die die Haushaltsführung übernahmen und dadurch zunehmend unter Druck geraten, werden durch Überforderung krank und nehmen eine Beratung in Anspruch.

Sie haben bereits Mütter in eine Kur vermittelt. Wie haben Sie diese Frauen erlebt – vor und nach der Kur.

Anneliese Meier: Vor der Kur: Erst überwiegt die Unsicherheit: „Be-komme ich überhaupt eine Kur? – Welche Klinik wird es denn sein? – Wer hilft mir beim Beantragen?“
Totale Resignation: „Wie soll es denn weitergehen?“ Völlig aufgelöst – ein Gespräch ist nur ganz behutsam möglich. Nach dem ersten Beratungsgespräch gehen die meisten Klientinnen od. Klienten bereits zuversichtlicher und entspannter den Heimweg an. Sie wissen die Hilfe zu schätzen, nehmen meine Angebote an. Nach der Kur: Überwiegend positive Ereignisse, eine neue Lebenseinstellung gefunden, vor allem zur Ruhe gekommen, besseren Bezug zu den Kindern erhalten, Kraft gesammelt, Abstand zu Trauer – Einsamkeit, die Gedanken geordnet und das Leben wieder in den Griff bekommen.


Und wenn Sie einen Wunsch frei hätten für die Kurlotsen?

Anneliese Meier: Wenn alle Kurlotsinnen jeder bedürftigen Mutter oder jedem bedürftigen Vater einen hilfreichen Aufenthalt in einer Klinik vermitteln könnten. Es gibt so viele bedürftige Elternteile und leider immer auch wieder Absagen der Krankenkassen. Das macht oft traurig.




Kurlotsinnen:
Kurlotsinnen stehen in Donauwörth und Nördlingen zur Verfügung, die über sog. Mutter-Kind- bzw. Vater-Kind-Kuren beraten. Diese sind gesetzlich verankerte Pflichtleistungen der Krankenkassen. Man kann sich sowohl bei der eigenen Krankenkasse über diese Leistungen beraten lassen, als auch bei den neutralen Beratungsstellen der Caritas.
Donauwörth Tel. 0906-705956-50
Nördlingen Tel. 09071-3915

Ausbildung zur Kurlotsin:
Dieses Jahr startet wieder ein Kurs zur Ausbildung zum Kurlotsen/zur Kurlotsin:
Infos bei Caritas-Geschäftsführer Martin Gaertner Tel. 0906-705956-51

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