Erinnerungen an Frau Thiem - Schulsekretärin der Knabenrealschule Heilig Kreuz
Donauwörth: Knabenrealschule Heilig Kreuz | Es ist nicht immer die Zeitdauer, die einen mit Menschen privat oder beruflich verbindet. Es sind nicht immer die Nähe oder die Intensität, die nachhaltig wirken. Oft sind es beeindruckende Entscheidungen, unerwartete Reaktionen oder einzelne Begebenheiten, die einem unvergessen bleiben.
Ich sehe Frau Thiem noch deutlich vor mir, lächelnd und wohlwollend, höre sie sagen: „Es sind halt Buben. Das muss man verstehen.“ Diese wenigen Worte widerspiegeln ihr großes Herz für die Schüler unserer Realschule „Heilig Kreuz“, die mit all ihren Problemen und Problemchen vor ihrer Tür standen und die sie als eigenständige, wertvolle Persönlichkeiten annahm, tröstete oder auf den rechten Weg mahnte.
In der Zeit von 1983 bis 2002 trug unsere sehr geschätzte Frau Johanna Thiem wesentlich zur Charakterbildung unserer Schüler bei. Es war eben nicht nur die souveräne fachliche Kompetenz, mit der sie glänzte, nein, im Besonderen beeindruckte ihr Fingerspitzengefühl in der Bewertung und Lösung vielfältiger Konflikte unserer Buben. Wenn nötig, war sie Seelsorgerin und Krankenschwester zugleich. Man bedenke, dass sie mehrere Jahre die umfangreichen und anspruchsvollen Aufgaben einer Sekretärin für etwa 1000 Schüler allein bewältigen musste.
Frau Thiem wusste Bescheid. Sie kannte die Familien der Schüler in ihren spezifischen Lebenslagen, konnte Verhaltensauffälligkeiten daraus ableiten, wusste, welcher junge Mensch besonders viel Liebe und Zuwendung brauchte, wer zu viele oder zu wenige Freiheiten als Kind hatte oder wer länger krank war und warum.
Mit diesem Wissen setzte sie uns Lehrerinnen und Lehrern manchen Impuls, in unseren Beurteilungen Sensibilität für den Einzelnen nicht außer Acht zu lassen. Frau Thiem prägte das Gesicht von „Heilig Kreuz“ zwanzig Jahre lang sehr deutlich, weil sie im Zentrum des Schulgeschehens tagtäglich auch Ansprechpartnerin für die Schulleitung und das Lehrerkollegium war.
Ich zitiere unseren sehr verehrten ehemaligen Direktor Herrn Pater Karg:
„Die Schüler und Lehrkräfte haben doppelt so oft an ihre Tür geklopft als an die meine. Recht so! Darin steckt mehr als Schulsekretärin, das kommt einer Art „Schulmutter“ gleich. So bleiben Sie für „Heilig Kreuz“ unvergessen.“
Das Herz unserer ehemaligen „Schulmutter“ hat nach langem tapferen Kampf gegen eine heimtückische Krankheit aufgehört zu schlagen. Was bleibt, sind die Erinnerungen. Mein Großvater schrieb in seinen Memoiren, die mir als junger Mensch in die Hände fielen, dass die schönen Erinnerungen mit dem Älterwerden ein erhebliches Stück Lebenskraft ausmachen.
Das Gedenken an Frau Thiem ist verbunden mit ihrem herzlichen Lachen, ihrer offenen, ehrlichen und geradlinigen Art, ihrem liebevollen Umgang mit den Kindern, ihrer Hilfsbereitschaft und Zuverlässigkeit. Sie ist aber auch eng verknüpft mit erfolgreichen Jahren in der Bildungs- und Erziehungsarbeit an der Realschule „Heilig Kreuz“, geprägt von kollegialem Zusammenhalt und einer intakten Schulfamilie mit der „Schulmutter“ Frau Thiem.
Wir werden sie in guter Erinnerung behalten.
Text: Thomas Hauptmann /Photos: Stephan Söllner




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