Das Leben ist schön! Nur schade dass im Alltag so wenig Zeit dafür bleibt ...
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Vorboten des nahenden Herbstes
Wieviel Zeit nimmst Du Dir für das, was Dir wichtig ist? Unterscheidest Du auch zwischen den Muss-Zeiten (Beruf, evtl. auch private Muss-Zeiten) und Deiner Eigenzeit?
Eigentlich hat jeder Mensch 24 Stunden pro Tag Zeit ... für sich ... .
Im modernen Leben gewöhnen sich viele an, zwischen mehr oder minder geliebten "Pflicht-Zeiten" und der eigentlichen "Frei-Zeit" zu unterscheiden - mit dem erschreckenden Resultat, dass s o w e n i g als wertvoll angesehene "Frei-Zeit" übrigbleibt ... .
Wie könnte eine Lösung dieses Paradoxons aussehen? Vielleicht dass wir den ganzen Tag als "Eigen-Zeit" erleben?
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Die Nacht zeigt es auf: Wie rasch vergeht eine Nacht, wenn man ohne bewusstes Aufwachen durchschläft, 6 oder 7 Stunden wie ein kurzer Flügelschlag. Oder auch dieselbe Zeit quälend lang, wenn Schlafprobleme vorliegen: Der Schlaf, so essentiell für die Gesundheit, kann als Qual empfunden werden; der Schlaf mit einem nur einzig wunderschönen Traum, dessen wir uns erinnern beim Aufwachen, wie ein Glückserlebnis.
Und doch währte vielleicht dieser kurze Traum nur wenige Sekunden ... .
Das Nacht-Erleben, das Schlaf-Erleben kann uns manifestieren, dass das Zeit-Erleben schlechthin eine Frage des Bewusstseins darstellt, während wir sonst vielleicht vergeblich im Leben immer und immer wieder die schönen Momente von den gleichgültig oder unsympathisch erscheinenden aussortieren ... .
"Zeit hat man nur, wenn man sie sich nimmt." - Karl Heinrich Waggerl -
Allerdings denke ich nicht, dass wir uns den ganzen Tag als Eigenzeit nehmen können. Flüchtige Freizeitmomente jedoch gehen immer und überall - einen kurzen Augenblick.
Aber ist nicht alles, was wir erleben, unsere "Eigenzeit"? Warum empfinden wir es nicht als Freizeit, wenn wir z. B. dem Bruder beim Autowaschen helfen oder der Frau beim Abspülen, dagegen sehr wohl, wenn wir endlich Zeit für unsere Rosen finden, die zu schneiden und pflegen auch nicht immer reine Erholung ist?
Freiheit: Bin ich frei, wenn ich genügend Geld habe, keinen Beruf ausüben zu müssen, um meinen Lebensunterhalt zu sichern? Hm.
Gewiss, ausreichend Geld eröffnet neue Chancen und Optionen, die ohne die finanziellen Mittel verschlossen bleiben.
Ich beschäftige mich mit der Frage: Wenn ich selbst etwas erlebe, dann ist es doch "meine" Zeit; wann gelingt es mir, sie als zu mir gehörend, als meine Erlebniszeit zu empfinden, wann nicht?
Unser ganzes Leben lang ist uns eingehämmert worden, wir müssten dauernd was für andere tun, denn das ist Liebe. Aber das hat mit Liebe nichts zu tun. Obendrein ist uns eingeredet worden, etwas für uns zu tun ist Egoismus und Sünde. Und wir (ich) haben das geglaubt.
Das ist ein sehr wichtiges Thema, mit dem ich mich seit langem beschäftige.
dazu ein Sruch den ich sehr gut finde.
Mache das was Du willst und nicht das was Du mußt !
Ja, merkwürdig: Zeit, eine Größe, eine Dimension, die wir fast nur noch abstrakt und als physikalisches Maß ansehen, scheint weit mehr mit "Freiheit" und "Willensgrundhaltung" des Menschen zu tun zu haben, als man zunächst vermutet.
Durch die alltägliche, abstrakte Anwendung der Zeitmaße entfernen wir die Realität der Zeit von unserem persönlichen Erleben ... .
Merkwürdig: Dieses Thema tauchte zuletzt im Kontext mit "Momo" auf :-), dem Bühnenstück der Freilichtbühne.
> "Aber ist nicht alles, was wir erleben, unsere "Eigenzeit"?"
Aber nicht alles davon ist Freizeit ;)
> "Warum empfinden wir es nicht als Freizeit, wenn wir z. B. dem Bruder beim Autowaschen helfen oder der Frau beim Abspülen, dagegen sehr wohl, wenn wir endlich Zeit für unsere Rosen finden, die zu schneiden und pflegen auch nicht immer reine Erholung ist?"
Das eine ist Pflicht, das andere Freiwilligkeit.
> "Freiheit: Bin ich frei, wenn ich genügend Geld habe, keinen Beruf ausüben zu müssen, um meinen Lebensunterhalt zu sichern?"
Auch. Aber Freiheit muss nicht nur was mit Geld zu tun haben, sondern ist einfach nur die Abwesenheit von Zwang.
Ja, stimmt! Im Geld steckt ebenso dieses Potential wie in der Freizeit - und beides kann unser Leben tatsächlich bereichern.
Vielleicht ist es wie mit dem Schlaf: Wir brauchen gar nicht 24 Stunden Eigenzeit, so wenig wie wir 24 h Schlaf benötigen. Wertvoll ist es, wenn wir genügend Eigenzeit finden.
Warum + für mich? Z. B. Hygiene könnte man kaum als "Freizeit" definieren - nach üblichem Sprachgebrauch. Morgens duschen und Zähneputzen etc. kann aber mehr als eine Pflichtübung sein, z. B. wenn man die Körperpflege genießt ... .
Eigenzeit kann Lesen und Meditation sein. Oder auch Schlaf.
Jemand könnte kommen und sagen: "Das ist typisch narzisstisch, diese Eigenzeit!"
Ja, es hat die Eigenzeit mit einem Bedürfnis zu tun, nämlich sich nicht nur sozialen Erlebnissen zuzuwenden, sondern auch sich selbst im umfassendsten Sinn.
Selten wenden wir uns dem eigenen Ich zu im Alltag - mit den üblichen Ausnahmen, eben Ernährung, Schlaf, Hygiene.
Wenn aber das Ich in seinen Facetten selbst zum Objekt der Zeit wird, die wir erleben, so könnte man von "Eigenzeit" sprechen.
Sie unterscheidet sich also von "Freizeit". Denn wenn ich im Kegelverein meine Freizeit verbringe oder Fernsehe oder ins Kino, Theater etc. gehe, dann ist durchaus diese Zeit nicht per se Eigenzeit.
Signifikant für Eigenzeit in diesem Sinn wäre Meditation, das Anschauen eines Sonnenuntergangs, den ich so richtig genieße.
Eigenzeit kann sein, wenn ich ein Musikstück, das ganz tief mich mit mir selbst versöhnt, harmonisiert mit mir selbst, anhöre.
Eigenzeit ist tatsächlich in einem sehr positiven Sinn "auf das Ich bezogen", für das Ich und sein (bewusstes) Erleben. Das kann auch eine bewusst genossene Mahlzeit sein, bei der ich einmal nicht hetze oder nebenzu Zeitung lese ... .
Eigenzeit sehe ich als jene Zeit, die ich ganz bewusst und ohne Hektik und Zwiespalt der Zeit f ü r m i c h aufbringe.
Es kann einem an einem Kegelabend einmal nicht darum gehen, am meisten Bier zu trinken oder sich als bester Kegler zu präsentieren, sondern z. B. einmal ganz offen und vielleicht auch zurückhaltend zu schauen und zu beobachten. Was erlebe ich, wenn ich bewusst erlebe? Was zeigen mir die anderen? Vielleicht bemerke ich jemanden, der mir in dieser Runde nicht auffiel.
Zur Eigenzeit würde ich also auch soziale Erlebnisse zählen, in denen ich bewusst nicht die alten Gleise meines sozialen Verhaltens nütze, sondern mit einer neuen Intention auf die Erlebnissituation eingehe.
Ich verstehe die Unterscheidung bezüglich der Absichten - da kann man seine Freizeit mit Tätigkeiten mit unterschiedlichen Absichten/Zielen verbringen - aber inwiefern machen Absichten aus Freizeit Eigenzeit?
Wenn ich durch meine bewusste Intention nicht mehr in eingewöhnten Bahnen meine Freizeit erlebe, sondern gezielt neue Aspekte entdecke, dann wachse ich durch diese so gewonnene Eigenzeit. Denn ich tue so etwas bewusst für mich.
Bleibe ich überall im alten Trott, ist es sicher auch weiterhin Freizeit, aber es geschieht eben, was bisher auch lief. Ein Wachsen in seiner Entfaltung ist erst möglich, wenn ich meinen Blickwinkel - wenn auch vielleicht nur ein wenig - ändere.
Wer schon erlebt hat, wieviel durch klitzekleine, bewusste Intentionen dieser Art im Alltag - ob Freizeit oder Familie oder Beruf - sich positiv verändern kann, wird leicht einsehen, dass dies auch den neuen Begriff "Eigenzeit" legitimiert.
Eigenzeit ist also genau dann, wenn ich etwas für mich tue, wodurch ich wachse, mehr Lebensqualität erlange, mich bewusster erlebe - und mich neuen Facetten meines Ichs so öffne.
Gewohnheiten dienen dazu, Sicherheit und Routine zu geben - sie stärken die eigene Persönlichkeit, so wie sie geworden ist.
Jeder weiß, wie lästig das sein kann, wenn es sich um unerwünschte (einzelne) Gewohnheiten handelt.
Meist kommen wir nicht so leicht an die echt "fetten, unerwünschten" Gewohnheiten direkt heran, aber durch bewusste Intentionen dieser Art erleben wir, wie es möglich ist, dass der alte Alltag, der unverändert auf Jahr und Tag uns begleitet, doch noch neue Perspektiven und Dimensionen hat, die uns sehr bereichern können ... .
Ja, da stimme ich voll zu! Aber es geht doch gerade darum, dass diejenigen Felder, die eher nicht Eigenzeit waren bislang, sukzessive umgebaut werden können - und natürlich zählt Familie meist doch eher zur Eigenzeit ... .
Mein Schwiegervater hatte es geschafft.
Als leidenschaftlicher Photograf war er Photolehrer geworden.
Und als Ausgleich hatte er seinen Sport.
Aber damals waren es noch andere Zeiten.
Klar ist er heute schon in Rente.
Aber auch in seinem Beruf als Photolehrer gab es
Dinge zu erledigen, die eher eine lästige Pficht waren
als eine Freude.
Und auch in der Freizeit gibt es Dinge,
die sind lästig und mann oder frau schiebt sie auf die lange Bank.
Bei mir als gibt es ja diese Unterscheidung Freizeit und Arbeit nicht.
Das kommt daher, dass mein Beruf aus der Seite vor der Moderne stammt.
Ich bin immer Pfarrer. Selbst im Urlaub werde ich aufgrund meines Berufes angesprochen und lande häufig bei der Seelsorge, Segnungen oder Gottesdiensten.
Auch erwarten Menschen von einem Pfarrer, dass er immer im Beruf ist.
Ich halte ganz streng geplant meinen freien Tag ein.
Das geht gar nicht anders, denn ein normaler Pfarrersarbeitstag kann schon 16 Stunden dauern.
So jetzt mach ich mich wieder über meinen Erntedankgottesdienst, mein zwei Hochzeiten, eine Taufe und eine Beerdigung. Erst am Montagabend wird wieder ein wenig Luft sein. Aber das ist positiver Streß. Ich liebe meinen Beruf.
Ich wünsche Dir eine behütete Zeit: Mach es gut, Wolfgang.
Liebe Grüße aus Meitingen.
Nachtrag:
Natürlich ist manchmal auch ganz unangenehm, nur über seinen Beruf definiert zu werden - so nach dem Motto: "Ach, Wolfgang, wenn Du schon gerade bei unserer Veranstaltung bist, könntest Du darüber nicht mal einen Artikel schreiben."
Mann oder frau geht oft gar nicht mehr hin.
Mann oder frau will auch mal irgendwo privat sein.
Aber das erleben andere Berufsgruppen auch: "Kannst Du mir nicht mal schnell in der Freizeit helfen?"
Ja, ein wichtiger Aspekt: Wir sind als Menschen eben nicht eindimensional, nur nach dem Beruf definiert oder als Vater oder Mutter, nicht nur in unseren Kompetenzen, sondern auch ganz Mensch mit eigenen Bedürfnissen und Zielen, die weit über das hinausreichen können, was der Beruf, unser Privat- und Familienleben, einzelne Aufgaben im Verein oder in der Gesellschaft uns abverlangen.
Gerade diese vielen Aspekte durch die Lebensbereiche können unser Leben auch wirklich bereichern, wenn es uns nämlich gelingt, in allen Lebensbereichen und Lebenssituationen das zu entdecken, was wesentlich und bedeutsam ist - und das ist nicht immer das, was einzelne Mitmenschen von uns erwarten.
Tatsächlich wäre es sogar gefährlich, aus dem Verlangen, zu gefallen oder Anerkennung durch bestimmte Menschen zu finden, zu wirken und zu leben: Zuletzt könnte es sein, dass wir uns selbst nicht mehr gefallen - und jene, denen wir ganz gefallen wollten, wenden sich ab: Da sie selbst ein Ich in sich tragen, das auch andere Bedürfnisse, Interessen und Ziele hegt - abweichend von denen aller anderer Menschen.
Ps: Es ist wirklich wörtlich zu nehmen, dass das Ideal nicht absolute Nächstenliebe ist, sondern wie es heißt: "Liebe deinen Nächsten, wie du dich selbst liebst!"
Eigenliebe und die Liebe zu anderen bedingen sich, können als eine nicht oberflächlich zu verstehende Balance unseres Daseins und Seins verstanden werden.
Eigenliebe ist keineswegs geringer als die Liebe zu anderen, sie ist anders, aber wesentlich - genauso wie die Liebe zu allem Sein.
Stimmt! Aber es ist kein Narzissmus gemeint, zumal dieser ja auf einen Mangel beruht, während adäquate Eigenliebe Grundvoraussetzung ist, überhaupt etwas anderes lieben zu können.
Ohne Eigenliebe fehlte dem Liebenden jene Mitte, die sich auf eine andere Mitte hinbeziehen kann.
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